Eisenberg. Saale-Holzland: Mehr Präzision ist kaum möglich. In welchen Fällen der 1,4 Millionen teure Roboterarm (noch) nicht eingesetzt wird.

Sein Name ist Mazor X. Er arbeitet mit höchster Präzision. Er fordert weder Gehalt noch Urlaub. Dafür ist er millionenschwer. In den Waldkliniken Eisenberg unterstützt seit wenigen Tagen ein 1,4 Millionen teurer Roboterarm die menschlichen Operateure in der Wirbelsäulenchirurgie. Mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erhöhe er die Sicherheit bei Eingriffen an der Wirbelsäule, hieß es bei der offiziellen Vorstellung des neuen „Kollegen“ am Mittwoch.

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Seit 2015 ist Professor Patrick Strube Oberarzt und Leiter des Departments Wirbelsäule an den Waldkliniken Eisenberg. Er deckt das Spektrum der wirbelsäulenchirurgischen Eingriffe ab. Seit 2017 leitet er auch die interdisziplinäre Aufnahme. Spezialisiert ist der von der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) vielfach ausgezeichnete Mediziner unter anderem auf dem Gebiet der Skoliosebehandlung.

Blick auf die freiliegende Wirbelsäule des Dummis mit Einsetzen einer Schraube. 
Blick auf die freiliegende Wirbelsäule des Dummis mit Einsetzen einer Schraube.  © Funke Medien Thüringen | Jana Scheiding

Über den KI-gesteuerten Zuwachs an der Klinik freuen sich Strube und sein Team. Der Roboter sei das „Neueste und Beste, was der Markt derzeit zu bieten hat“. Ihre Fähigkeiten hervorragend unter Beweis stellen könne die Technik unter anderem bei durch Skoliose deformierten Wirbelsäulen. Sieben komplikationslose Operationen habe Patrick Strube mit seinem neuen Kollegen schon durchgeführt, sagt der promovierte Mediziner.

Zur Vorstellung durften Pressevertreter und Gäste in den heiligen Hallen namens Operationssaal die teure Technik bewundern. Strube und sein Team simulierten den Eingriff an einer künstlichen Wirbelsäule, bei dem Mensch und Maschine buchstäblich Hand in Hand arbeiteten. Mazor X-Technik wird in Deutschland bislang an sehr wenigen Standorten eingesetzt.

Professor Patrick Strube bei der Arbeit im OP. Den Roboter betrachtet er als Helfer, nicht als Ersatz für den Operateur. 
Professor Patrick Strube bei der Arbeit im OP. Den Roboter betrachtet er als Helfer, nicht als Ersatz für den Operateur.  © Funke Medien Thüringen | Jana Scheiding

Gehören Rückenschmerzen nach dem Kontakt mit Mazor X der Vergangenheit an? „Das kann man so nicht sagen, weil Ärzte mit einer Operation nicht alles heilen können“, sagt Patrick Strube. Nur etwa 15 Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen würden operiert. Menschen mit Wirbelgleiten, spinalen Engstellen oder Skoliosen könnten vom Einsatz dieser Technik profitieren. Auch bei Infektionen oder Tumoren helfe die hohe Präzision.

Professor Patrick Strube erläutert die Funktionsweise des Wirbelsäulen-Roboters.  
Professor Patrick Strube erläutert die Funktionsweise des Wirbelsäulen-Roboters.   © Funke Medien Thüringen | Jana Scheiding

Die meisten Patienten würden an den Waldkliniken nicht operiert. „Bei einigen Beschwerden können Bewegung, Gewichtsreduktion und eine Lebensumstellung – bessere Ernährung, weniger sitzen, Schweres richtig aufheben – schon einiges bewirken.“ Bei akuten Problemen wie Nervenwurzelquetschungen helfe eine Spritze. „Wir operieren nur, wenn nichts anderes mehr geht.“ Wie sich der Mittvierziger fit hält? „Ich laufe. In meinem Wohnort Jena gibt es dafür viele Möglichkeiten.“

Klinik Eisenberg: Operationen besser planbar

2012 seien erste Roboter eingesetzt worden, erklärt Patrick Strube später im OP. „Die waren aber noch nicht so sicher.“ Ihre Operationen können die OP-Teams mithilfe von Mazor X besser planen. „Einen Tag vor dem Eingriff schauen wir uns die Aufnahmen des Patienten genau an und planen den Einsatz der Implantate.“ Bei dieser Arbeit müsse man sehr genau vorgehen, eine Schraube koste etwa 250 Euro.

Am Bildschirm kann das OP-Team jeden Handgriff genau verfolgen. 
Am Bildschirm kann das OP-Team jeden Handgriff genau verfolgen.  © Funke Medien Thüringen | Jana Scheiding

Mazor X zu beherrschen, habe zwei Tage gedauert. Zur Einweisung sei das Eisenberger Team ins belgische Gent gereist. Am OP-Tisch plant der Mensch, die Maschine präzisiert. Der Roboter zeigt genau an, in welchem Winkel die etwa fünf Zentimeter langen Schrauben in der Wirbelsäule platziert werden müssen. Braucht man irgendwann kein Medizinstudium mehr? „Der Roboter ist ein Assistent, er führt nicht die Operation durch“, beruhigt der Arzt.

Mazor X: Präzision verringert Gefäßverletzungen

Laut Strube nehmen Operationen mit Mazor X weniger Zeit in Anspruch, unter anderem durch das minimalst-invasive Arbeiten des Roboterarms. Die hohe Präzision verringere die Gefahr von Gefäßverletzungen während der Operation.

Mensch und Maschine arbeiten in Eisenberg Hand in Hand. 
Mensch und Maschine arbeiten in Eisenberg Hand in Hand.  © Funke Medien Thüringen | Jana Scheiding

Der Roboter wird von den Medizinern als unterstützendes Werkzeug für Schrauben, Platten oder die Entnahme von Tumorproben angesehen. Ungeeignet sei der Roboter (noch) bei Bandscheibenvorfällen oder Problemen mit der Halswirbelsäule.