Eisenberg. Saale-Holzland: Jana Scheiding über einen spannend-emotionalen Sonntagabend in Eisenberg. Warum der Gewinner weinte und der Verlierer feierte.

War das eine knappe Kiste. Eine immense Anspannung über Wochen und Monate. Am Ende gab es Tränen beim Gewinner und eine Party beim Verlierer. Michael Kieslich ist der alte neue Bürgermeister von Eisenberg. Dass es zu einer Stichwahl kommen würde, muss ihn beim ersten Wahlgang im Mai überrascht haben. Eigentlich hatte er für die Verlängerung des Wahlkampfes gar keine Zeit: Das Mohrenfest stand unmittelbar bevor und damit eine Reihe organisatorischer Herausforderungen.

Mehr zum Thema

Kieslichs Widersacher war nicht etwa der Mann von der AfD – wie bei den Landratskandidaten -, sondern Rico Walter: Ein junger Ingenieur, der sich keiner Partei unterordnen möchte und sich trotzdem der Unterstützung der SPD gewiss sein darf. Er will und muss sich seine Meriten als Politiker erst noch verdienen. Dass er das Rennen um das Amt des Bürgermeisters in der Kreisstadt nicht gewinnen würde, hatte er vorher schon geahnt. Dennoch fühlt er sich nicht als Verlierer: Bei den Prozenten und somit auch in der Wählerakzeptanz war er dem Amtsinhaber nämlich gefährlich nahegekommen. 53,8 zu 46,2 Prozent für Kieslich stand es am Sonntagabend (9. Juni) nach Auszählung aller Stimmbezirke.     

Kieslich wollte vor dem finalen Gongschlag von verfrühten Glückwünschen nichts wissen. Und als das Ergebnis dann felsenfest stand, nahmen erst einmal Tränen ihren Lauf. Für Ehefrau Katja, die das ganze Prozedere um die Wahl tapfer mit durchgestanden hatte, fand deren Gewinner Worte voller Liebe und Anerkennung.

Francis Jagiella ist die Frau an der Seite von Rico Walter, der die Wahl verloren hat.  
Francis Jagiella ist die Frau an der Seite von Rico Walter, der die Wahl verloren hat.   © Funke Medien Thüringen | Jana Scheiding

Eine Partnerin, die fest zum ihm steht, weiß auch Rico Walter an seiner Seite. Das verleihe ihm zusätzliche Kraft. Trotz Wahlniederlage stieg in der Sasaaer Straße eine ausgelassene Party und ein bestgelaunter Wahlverlierer gab ein enthusiastisches Statement ab. Vom Sich-entmutigen-lassen ist er meilenweit entfernt und wird in ein paar Jahren wahrscheinlich erneut gegen den Amtsinhaber antreten. Dann allerdings mit besserem Rüstzeug: Walter ist jetzt Mitglied des Eisenberger Stadtrates.