Ein Wort zum Sonntag von Matthias Zierold, Pfarrer im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Schleiz

Wie oft hören wir die Wendung „Keine Zeit!” und wie oft stellt sich das Gefühl ein, getrieben zu sein und nicht genug Zeit zu haben. Technische Hilfsmittel erleichtern unser Leben, zeitgleich werden die Anforderungen an uns heute immer mehr und damit die Zeit knapper. Die Fülle der Dinge, mit denen wir uns beschäftigen, verdichtet sich. Das Wissen um die Begrenztheit des Lebens lässt dabei das Gefühl wachsen, etwas verpassen zu können.  

In der Bibel gibt es im Lukasevangelium (14, 15-24) eine Gleichnisgeschichte. Ein großes Fest mit einem Abendessen wird ausgerichtet. Der Gastgeber schickt seinen Angestellten los. Er soll die Freunde des Gastgebers einladen. Doch einer nach dem anderen sagt ab: Keine Zeit! Jeder hat einen wichtigen Grund, weil er mit etwas beschäftigt ist.

Matthias Zierold wurde als Motorradpfarrer bekannt.
Matthias Zierold wurde als Motorradpfarrer bekannt. © OTZ | Sandra Smailes

Der Gastgeber ist enttäuscht, ja sogar zornig. Er feiert trotzdem und lädt nun Leute zu sich ein, die nie davon geträumt hätten, bei so einem großen Abendessen eingeladen zu werden. Die Freunde, die sich ihrer Freundschaft sicher waren und meinten, dass sie da doch später immer noch was vom Fest abbekommen können, bleiben außen vor.

Das Gleichnis stellt uns Fragen

Dieses Gleichnis stellt uns Fragen. Kann es sein, dass wir meinen, über unsere Zeit selber zu bestimmen, und dabei gar nicht merken, wie wir uns bestimmen lassen? Kann es sein, dass uns unsere Errungenschaften, Möglichkeiten und letztlich auch technischen Mittel viel mehr antreiben und knechten, als wir es für vorstellbar halten? Kann es sein, dass wir Angst haben, etwas im Leben zu verpassen, und uns deshalb vielen Dingen hingeben – und am Ende dann doch das wirklich Wichtige im Leben übersehen?

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Wenn daran etwas ist, dann ergeben sich neue Fragen. Für was ist jetzt die richtige Zeit in meinem Leben und was ist jetzt dran? Was ist wirklich wichtig und was stiehlt mir eigentlich nur meine Zeit?

Ich wünsche ehrliche Gedanken, einen klaren Blick und dort, wo nötig, auch den Mut etwas sein zu lassen.

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