Saalfeld. Der Autor über Brecht, eine fehlende Brücke und das Ergebnis der Kommunalwahlen im Landkreis

Wahlen bringen immer Erkenntnisse; im Kleinen wie im Großen. Wer durch Wähler in ein Amt gekommen ist, sollte im eigenen Interesse darauf schauen, wo wie gewählt wurde. Um Schlüsse zu ziehen.

Dann könnte man erkennen, dass beispielsweise in Altenbeuthen mehr als 60 Prozent der Wählerinnen und Wähler bei der Kreistagswahl eine der beiden AfD-Listen angekreuzt haben. Auf der anderen Seite des Hohenwarte-Stausees, in Paska, waren es nicht weniger.

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Man könnte dann darüber nachdenken, wie wahrscheinlich es ist, dass sich dort Kolonien von Nazis angesiedelt haben, die die nicht vorhandenen Ausländer im Dorf remigrieren wollen. Oder ob es vielleicht damit zu tun hat, dass ein Wiederaufbau der 1945 gesprengten Linkenmühlenbrücke auch 34 Jahre nach der Wende – und vielen Politikerreden zum Trotz – nicht im Ansatz zu erkennen ist? Wer sich – mit Verlaub – verarscht fühlt, reagiert manchmal seltsam.

Thomas Spanier 
Thomas Spanier  © Funkemedien | Peter Michaelis

Das ist im Großen kein bisschen anders, denn zur Ehrlichkeit gehört dazu, dass bei der Kreistagswahl am Sonntag jene Parteien, die an der Bundes- oder Landesregierung beteiligt sind, eine mächtige Klatsche erhalten haben. SPD, Linke, Grüne und FDP erhielten zusammen nur gut ein Viertel der Stimmen; ohne den offenbar gut gelittenen SPD-Landrat wären es kaum 20 Prozent.

Mit fällt da spontan ein Gedicht ein, das der große Bertolt Brecht vor 70 Jahren schrieb: „Nach dem Aufstand des 17. Juni/Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands/In der Stalinallee Flugblätter verteilen/Auf denen zu lesen war, daß das Volk/Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe/Und es nur durch verdoppelte Arbeit zurückerobern könne. Wäre es da/Nicht doch einfacher, die Regierung/Löste das Volk auf und/Wählte ein anderes?“

Schönes Wochenende!