Lehesten. IG Metall feiert ersten Tarifvertrag bei Sumida in Lehesten als „historischen Abschluss“. Eintrittswelle und Warnstreik gingen voraus.

Einen „historischen Abschluss“ meldet die IG Metall bei der SUMIDA Lehesten GmbH: Erstmals sei es gelungen, für das traditionsreiche Werk einen Tarifvertrag auszuhandeln. „Vorausgegangen war ein eindrucksvoller Warnstreik der IG Metall am 5. Mai, der die bis dahin schleppenden Verhandlungen in die richtigen Bahnen lenkte“, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung der Gewerkschaft. 

Die Einigung sieht unter anderem eine Erhöhung der Entgelte (unterste Entgeltstufe im Betrieb bei 14,46 Euro ab Juli) sowie eine Einmalzahlung von 250 Euro für untere bzw. 200 Euro für höhere Entgeltstufen vor. Auszubildende erhalten eine stufenweise Erhöhung der Urlaubstage auf 30 und ihre Ausbildungsvergütung steigt auf das Niveau des Flächentarifs. Daneben wird die Einführung von Entgeltgruppen entsprechend dem Flächentarifvertrag Thüringen vorbereitet. Der Haustarif enthält eine Standortsicherung für das Werk in Lehesten und hat eine Laufzeit bis März 2025.

Lange Zeit nur gesetzlichen Mindestlohn gezahlt

„Über Jahrzehnte gab es bei SUMIDA in Lehesten keinen Tarifvertrag, obwohl das Unternehmen gerade in den letzten Jahren hohe Gewinne erwirtschaftete und an den bayrischen SUMIDA-Standorten Tarifverträge längst üblich sind. Um die Arbeitsbedingungen hier in Thüringen zu verbessern und endlich fair bezahlt zu werden, sind im vergangenen Jahr zahlreiche Kolleginnen und Kollegen von SUMIDA Lehesten in die IG Metall eingetreten,“ so Christian Hellfritzsch von der IG Metall Gera.

Blick auf das Firmengelände der SUMIDA Lehesten GmbH. Für die rund 240 Beschäftigten gibt es jetzt mehr Geld.
Blick auf das Firmengelände der SUMIDA Lehesten GmbH. Für die rund 240 Beschäftigten gibt es jetzt mehr Geld. © Sumida | Sumida

Gemeinsam hätten sie es geschafft, erstmals einen Tarifvertrag im Unternehmen durchzusetzen, von dem nun vor allem Beschäftigte mit niedrigen Einkommen verstärkt profitieren. Lange Zeit hätten viele Beschäftigte in der Firma nur den gesetzlichen Mindestlohn verdient, ab Juli gehe niemand mit weniger als 14,46 Euro nach Hause. Hellfritzsch: „Das ist ein erster wichtiger Schritt, wir haben aber noch viele weitere Punkte, über die wir mit dem Arbeitgeber in Zukunft verhandeln. Dazu gehören unter anderem ein festes Urlaubs- und Weihnachtsgeld!“ 

Mutterfirma sitzt in Erlau bei Passau

Die SUMIDA Lehesten GmbH gehört zur SUMIDA AG mit Sitz in Erlau bei Passau, wo der Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie gilt. Das Tochterunternehmen in Lehesten zählt mit ca. 240 Mitarbeitern zu den größeren Unternehmen der Region und ist stolz auf ein halbes Jahrhundert Branchenerfahrung im Bereich Elektronikfertigung. Das Werk ist spezialisiert auf EMS-Dienstleistungen (Electronic Manufacturing Services). Zu dem Kundenstamm gehören Auftraggeber aus den Bereichen Automobil, Medizin, Industrie, Mess- und Prüftechnik, Kommunikation und Consumer-Markt.

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