Königsee. Investitionen des Gewässerunterhaltungsverbandes in die Renaturierung der Königseer Rinne haben sich auch bei den jüngsten Niederschlägen ausgezahlt

Zu jenen, die zu Monatsbeginn genau das Regenradar in der Wetter-App als Theorie und den Himmel in der Praxis überwacht haben, gehörten auch viele Menschen in Königsee. „Wir beobachten da in den letzten Jahren eine deutlich gestiegene Unberechenbarkeit solcher Ereignisse“, sagt Bürgermeister Marco Waschkowski, der als Hundehalter und Mountainbiker auch recht oft draußen unterwegs ist. „Neuerdings erlebt man, wie das Wetter im letzten Moment Königsee umkurvt und kaum gewöhnt man sich an diesen Effekt, schlägt es in bisher unkritischen Bereichen zu.“

Garsitzer Tal kahl geschlagen

Dazu kommt auch die an Königsee nicht vorbei gegangenen Folgen der Borkenkäfer-Kalamität. Das Garsitzer Tal gen Herschdorf (Ilm-Kreis) etwa, war noch vor zwei Jahren dicht bewaldet und hat jetzt an vielen Stellen Kahlflächen, deren Wiederaufforstung dauern wird. Wie gut das Wasser auf diesen Arealen nun zurückgehalten wird oder nicht, ist dann ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor.

Sisiphus-Arbeit Gully-Reinigung

Bei der Vorbereitung auf absehbare Starkregenereignisse setzt die Stadt Königsee bewährte Methoden ein. „Es mag banal klingen“, sagt der Stadtchef, „aber Gullys sind vor allem dann schnell überfordert, wenn sie nicht gereinigt wurden. Der städtische Bauhof hat da extra vorher nochmal eine Reinigungsrunde gedreht.“ Dazu kommt erschwerend, dass die wenigsten Hausbesitzer regelmäßig ihre Straße kehren und damit die Neuverschmutzung der Abläufe unvermeidlich ist. 

Wenn der Fluss mehr Auslauf hat

Bewährt haben sich aber jene Verbesserungen, die der Gewässerunterhaltungsverband (GUV) Schwarza/Königseer Rinne schon im letzten Jahr an zwei Stellen entlang der Rinne umgesetzt hat. Sowohl in der Ortslage Rottenbach als auch weiter aufwärts unterhalb der Kernstadt Königsee wurde der natürliche Flusslauf wieder so hergestellt, dass er mehr Meter zurücklegt, sich auf diesen Arealen unproblematisch ausweiten kann und so vor allem nicht noch zusätzlich an Fahrt aufnimmt. Das Tempo ist es nämlich, was viel Zerstörung verursacht.

Biberdämme werden zunehmen

Mit Rohren soll der Dammbau des Bibers respektiert, der Wasserdurchlauf an der Rinne aber zugleich auch gewährleistet werden
Mit Rohren soll der Dammbau des Bibers respektiert, der Wasserdurchlauf an der Rinne aber zugleich auch gewährleistet werden © Funke Medien Thüringen | Henry Trefz

Und noch eine Sorge hat sich entkräftet. Weil sich bei Unterköditz ein Biber angesiedelt hatte, dessen Bautätigkeit aus Naturschutzgründen in hohem Maße geduldet werden muss, hatten Anrainer befürchtet, bei Starkregen durch den Damm abzusaufen. „Das ist nicht passiert“, schätzt Marco Waschkowski ein. Dabei sei auch unerheblich gewesen, dass der Biber offenbar zwischenzeitlich sein Quartier dort verlassen hat. „Die baulichen Vorkehrungen mit den vom GUV eingebauten Durchlässen haben funktioniert. Wir alle haben noch keine Erfahrungswerte mit Biberdämmen, werden aber in Zukunft mehr und mehr damit konfrontiert werden.“

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