1,7 Millionen Angriffe: Dauerfeuer auf Thüringens Datennetz

Erfurt.  1,7 Millionen Angriffe aus dem Internet musste das Landesdatennetz im Vorjahr aushalten. Alle wurden erfolgreich abgewehrt.

Ein Sachbearbeiter im Bereich "Neue Medien und Internetkriminalität" am Polizeipräsidium München deutet im Mai 2019 auf einer Echtzeitkarte von Kaspersky, die Cyberbedrohung in Deutschland zeigt

Ein Sachbearbeiter im Bereich "Neue Medien und Internetkriminalität" am Polizeipräsidium München deutet im Mai 2019 auf einer Echtzeitkarte von Kaspersky, die Cyberbedrohung in Deutschland zeigt

Foto: Sina Schuldt / dpa

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Etwa 4800 Angriffe auf das Landesdatennetz müssen täglich abgewehrt werden. Das bedeutet dreimal pro Minute eine Attacke. Zumeist durch „unbekannte Dritte“, wie das zuständige Thüringer Finanzministerium dieser Zeitung mitteilt. Es wird versucht, die Kommunikation lahm zu legen, sensible Daten zu stehlen oder Spionage- und Schadsoftware in die Systeme einzuschleusen.

Insgesamt wurde das Datennetz der Landesregierung im Vorjahr rund 1,75 Millionen Mal angegriffen. Die Abwehrmechanismen und Schutzeinrichtungen blockten unteranderem 840.000 Mails, die gefährliche Viren enthalten haben oder als Massensendungen auf die Server des Landesrechenzentrums eingeprasselt sind. Zudem wurden weitere 900.000 „Angriffe anderer Art“ erkannt, zu denen sich das Finanzministerium im Detail aus Sicherheitsgründen nicht äußern wollte.

2018 musste sich das Landesdatennetz rund 1,5 Millionen Angriffen erwehren.

Attacken auf das Landesdatennetz nehmen beständig zu

Nur in einem einzigen Fall, bei einer sogenannten Denial of Service-Attacke, habe es im Vorjahr einen vorübergehenden Ausfall des Internetzugangs einer Behörde gegeben. Dem Finanzministerium sowie dem IT-Dienstleister des Landes würden derzeit keine weiteren Erkenntnisse über erfolgreiche Angriffe, Manipulationen oder einen illegalen Datenabfluss vorliegen, betont Uwe Büchner, Sprecher des Finanzministeriums.

Bei Denial of Service-Attacken wird von Angreifern versucht, das System mit absichtlich herbeigeführten Überlastungen, beispielsweise durch Spammails, auszubremsen und gar zu blockieren.

Die Angaben des Landes zu Angriffen zeigen deutlich, wie ernst die Bedrohungen aus dem virtuellen Raum zu nehmen sind. Laut Finanzministerium nehmen die Attacken auf das Landesdatennetz, das neben der Landesregierung auch vom Thüringer Landtag sowie den Kommunen im Freistaat genutzt wird, beständig zu. Im Bereich der Wirtschaft liegen für Thüringen dagegen keine so konkreten Angaben über Cyberangriffe vor.

Polizei registrierte 2731 Fälle von Cybercrime

Laut Verfassungsschutz sind im Freistaat sieben von zehn Unternehmen von derartigen Angriffen aus dem Internet betroffen. Genauere Zahlen gebe es nicht, stellte Präsident Stephan Kramer vergangenen September auf einem Forum der IHK in Erfurt klar. Sein Amt ist unter anderem für die Spionageabwehr zuständig, hat dafür aber kaum Personal.

Die Thüringer Polizei registrierte 2018 offiziell lediglich 2731 Fälle von Cybercrime. Laut Landeskriminalamt (Lka) bildet diese Zahl aber nur das sogenannte Hellfeld ab, weil viele Betroffene, darunter auch zahlreiche Unternehmen, keine Anzeige erstatten. Der Imageschaden wird noch immer schwerwiegender eingeschätzt, als die tatsächliche Bedrohung durch die Cyberattacke.

Thüringen hat in den vergangenen Jahren sein Landesdatennetz deutlich sicherer gemacht. Aktuell ist der Freistaat nach eigenen Angaben das erste und einzige Bundesland, dessen Dateninfrastruktur durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kürzlich die Neuzertifizierung geschafft hat.

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