62 Aktenordner zu Stromautobahn: Viel Arbeit für Kreis und Dörfer

Landkreis  Ein Trasse durch den Unstrut-Hainich-Kreis ist theoretisch aber immer noch möglich.

Laurens Bockemühl (links) von der Arge Südlink mit dem Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Andreas Fernekorn am Mittwoch im Saal des Kulturstätte Schwanenteich.

Laurens Bockemühl (links) von der Arge Südlink mit dem Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Andreas Fernekorn am Mittwoch im Saal des Kulturstätte Schwanenteich.

Foto: Alexander Volkmann

Die von den Netzbetreibern Tennet und TransnetBW bevorzugte Variante der Gleichstrom-Trasse Südlink führt nicht durch den Unstrut-Hainich-Kreis. Diese Nachricht hatte Ende Februar in der Region für Erleichterung gesorgt. In trockenen Tüchern ist der tatsächliche Trassenverlauf durch Osthessen damit aber nicht, letztlich entscheidet die Bundesnetzagentur darüber.

Es gibt noch Alternativvorschläge, die vom Norden kommend durch den Kreis verlaufen – durch die Gemeinden Dünwald und Unstruttal an Mühlhausen vorbei und bei Heroldishausen und Mülverstedt östlich um den Hainich in den Wartburgkreis. Bei Gerstungen kommt die Vorzugsvariante nach Thüringen.

„Nach unserer Einschätzung sehen wir im jetzigen Vorschlag die geringste Beeinträchtigung für Mensch und Natur“, sagte Projektsprecher Thomas Wagner bei der Informationsveranstaltung am Mittwoch in Mühlhausen. Tatsächlich finden sich auf den Planungskarten im Unstrut-Hainich-Kreis etliche rote Bereiche, was Umweltbelange angeht. Gleich in mehreren Gebieten sei der geschützte Feldhamster zuhause. Außerdem gebe es im Flachstal bei Reiser eine Konfliktstelle durch Karstgebiet und Gewässerschutz und am Hainich bei Zimmern müsste ein Waldgebiet gekreuzt werden. Wiederaufforstung ist wegen der Tiefe der unterirdischen Leitungen von etwa 1,80 Meter nicht möglich. Das alles hätte zur Änderung der Bewertung geführt, so Wagner. 140 Planungshinweise waren nur für den Unstrut-Hainich-Kreis eingegangen.

Die Bundesnetzagentur werde bis zum Jahresende verbindlich den 1000 Meter breiten Korridor für die Stromkabel festlegen, die ab 2025 Strom von Windkraftanlagen aus dem Norden der Republik nach Süddeutschland transportieren sollen. Danach werde der grundstückgenaue Verlauf für Südlink gesucht. Das Milliardenprojekt soll ab 2022 gebaut werden.

„Ein Trasse durch den Unstrut-Hainich-Kreis ist theoretisch aber immer noch möglich“, erklärte der stellvertretende Landrat Jörg Klupak (SPD). Als Mitglied des „Salzunger Bündnisses“, dem auch der Wartburgkreis, der Kreis Schmalkalden-Meiningen und die Stadt Eisenach angehören, werde man sich mit den betroffenen Kreisen weiter solidarisch zeigen. Das Bündnis favorisiert nach wie vor den Alternativvorschlag der Thüringer Landesregierung der geradlinigsten Trassenalternative und dessen Wiederaufnahme in die Bundesfachplanung.

Derweil haben 62 volle Aktenordner sowie ein USB-Stick mit den Planungsunterlagen die betreffenden Kommunen und die Kreisverwaltung erreicht und müssen im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung durchgesehen werden. Stellungnahmen müssen bis zum 7. Juni bei der Bundesnetzagentur eingereicht werden. „Das sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen“, sagte Klupak. So sieht es auch Dünwalds Bürgermeister Frank Meyer (CDU). Die damalige Stellungnahme der Gemeinde werde nun aktualisiert eingereicht. Damit stelle man auch sicher, zum Erörterungstermin im Sommer eingeladen zu werden. Auch Bürger können nach wie vor Stellungnahmen zu den Alternativtrassen abgeben. Im jetzt gestarteten Anhörungsverfahren geht es um den Abschnitt C von Hildesheim bis Gerstungen.

Sollte es doch zur Trassenführung durch den Landkreis kommen, wären die Menschen in Heroldishausen in der Landgemeinde Unstrut-Hainich wohl am stärksten betroffen. Dort ist der Korridor zwischen der Talsperre und der Wohnbebauung etwa 300 Meter breit.

Widerstand gab es dort immer wieder. Ortschaftsbürgermeister Uwe Zehaczek (parteilos) stellt das Projekt grundsätzlich infrage. Er betonte am Mittwoch erneut, er halte die Trasse für eine Mogelpackung. Nicht nur Windstrom werde damit transportiert, sondern auch konventioneller Strom durch ganz Europa. Eine Sprecherin des Trassenbauers erklärte jüngst, dass allein durch den Beginn der Leitung in Schleswig-Holstein in erster Linie Strom aus Windparks in Deutschland und nördlichen Nachbarländern fließe.

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