Tel Aviv. Israel schließt einen Waffenstillstand aus. Der Krieg werde weitergehen, „mit oder ohne internationale Unterstützung“. Der Überblick.

Israel schließt eine zweite Waffenruhe mit der radikalen Palästinenserorganisation Hamas weiter aus. Ein solches Abkommen sei „in der gegenwärtigen Phase ein Geschenk an die Hamas“, sagte Israels Außenminister Eli Cohen am Mittwoch. Es würde der Terrororganisation ermöglichen, zurückzukehren und die Bewohner Israels zu bedrohen. Der Krieg werde deshalb weitergehen, „mit oder ohne internationale Unterstützung“.

Derweil verliert Israel angesichts der katastrophalen Lage im Gazastreifen international an Rückhalt für seine Offensive. In der UN-Vollversammlung verlangten mehr als 150 Länder einen sofortigen humanitären Waffenstillstand. Nur zehn Länder stimmten gegen die nicht bindende Resolution. Deutschland enthielt sich, wenngleich BundeskanzlerOlaf Scholz am Mittwoch Israels Recht zur Verteidigung bekräftigte. Zugleich warb der SPD-Politiker für eine „tragfähige Sicherheitsordnung“ mit einer Zwei-Staaten-Lösung nach dem Krieg.

Israels Rückhalt schwindet: US-Präsident mit mahnenden Worten

Obwohl die USA in der UN-Vollversammlung mit Israel gegen die Resolution gestimmt hat, mahnt US-Präsident Joe Biden die Regierung des Landes immer deutlicher. Über Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte er zuletzt: „Ich denke, er muss sich ändern, und mit dieser Regierung, dieser Regierung in Israel, wird es ihm sehr schwer gemacht, sich zu bewegen.“ Die Regierung Netanjahus sei die „konservativste Regierung in der Geschichte Israels“. Sie wolle keine Zwei-Staaten-Lösung.

Israels Armee meldete derweil, sie habe allein am Dienstag zuvor mehr als 250 Stellungen im Gazastreifen angegriffen. Extremistische Palästinenser griffen Israel indes erneut mit Raketen an – in mehreren Grenzorten nahe des Gazastreifens gab es am Mittwoch Raketenalarm.

Nach einem israelischen Luftangriff auf ein Haus in Rafah steigt Rauch auf.
Nach einem israelischen Luftangriff auf ein Haus in Rafah steigt Rauch auf. © DPA Images | Abed Rahim Khatib

In Hinterhalt gelockt: Israel meldet Tod von neun Soldaten

In der umkämpften Region selbst starben bei schweren Gefechten neun Soldatinnen und Soldaten, deren Einheit in einen Hinterhalt geraten war. Unter den Toten sollen sich auch zwei hochrangige Kommandeure und mehrere Offiziere befinden. Einer von ihnen, der Leiter des Kommandantenteams der Golani-Brigade, ist der ranghöchste IDF-Offizier, der während der Bodenoffensive getötet wurde.

Die Zahl der toten Zivilisten im Gazastreifen soll nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums auf mehr als 18.600 gestiegen ein. Die Daten der von der Hamas kontrollierten Behörde lassen sich nicht unabhängig prüfen, wurden von den Vereinten Nationen zuletzt aber als glaubwürdig eingestuft.

Deutschland nimmt Entwicklungszusammenarbeit mit Palästinensergebieten wieder auf

Um den Menschen im Gazastreifen zu helfen, hat Deutschland seine Entwicklungszusammenarbeit mit den palästinensischen Gebieten wieder aufgenommen. Sie werde grundsätzlich und an die Situation angepasst fortgesetzt, teilte das Bundesentwicklungsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Nach dem Terror-Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober hatte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) die Kooperation auf den Prüfstand gestellt.

Die Wiederaufnahme der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit den palästinensischen Gebieten sei ein wichtiges Signal der deutschen Unterstützung für die Linderung des Leids der Menschen im Gazastreifen und die Stabilisierung der schwierigen Lage im Westjordanland und in den Nachbarländern Jordanien und Libanon. Ziel sei die Verbesserung der Lebensbedingungen und die Schaffung von Entwicklungsperspektiven für die Menschen.

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