Berlin. Die Streitkräfte sollten für Bürger anderer EU- und Nato-Staaten geöffnet werden. Allein das wird die Personalnot aber kaum lindern.

Der Bundeswehr geht es nicht besser als etlichen Unternehmen in diesem Land: Sie leidet unter einem immensen Personalmangel. Schon jetzt sind zahlreiche Stellen nicht besetzt. Das Problem dürfte in den kommenden Jahren noch deutlich größer werden, denn bis 2031 soll die Zahl der Soldatinnen und Soldaten um 20.000 wachsen. Die Truppe gilt nicht gerade als attraktiver Arbeitgeber. Und der Arbeitsmarkt insgesamt ist sehr aufnahmefähig. Es gibt für potenzielle Bewerber jede Menge Alternativen.

Vor diesem Hintergrund nimmt die alte Debatte über eine mögliche Öffnung der Streitkräfte für Ausländer gerade wieder Fahrt auf. Nun hat sich auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) offen dafür gezeigt. Auch innerhalb der Koalition gibt es gewichtige Stimmen, die sich für ein derartiges Vorgehen aussprechen.

Nato: Sicherheit verbündeter Staaten ist auch Deutschlands Sicherheit

Thorsten Knuf ist Politik-Korrespondent in der FUNKE Zentralredaktion.
Thorsten Knuf ist Politik-Korrespondent in der FUNKE Zentralredaktion. © Funke Foto Services | Reto Klar

Im Grundsatz spricht vieles dafür, die Truppe für Ausländer zu öffnen. Man sollte das aber auf Angehörige anderer EU- und Nato-Staaten beschränken. Die Sicherheit dieser Länder ist auch Deutschlands Sicherheit, im Verteidigungsfall würden Soldaten der verbündeten Nationen ohnehin Seite an Seite kämpfen. Ein Brite, ein Kanadier oder ein Pole, der sich zum Grundgesetz bekennt und bereit ist, in der Bundeswehr zu dienen, sollte das auch tun können.

Eine ganz andere Frage ist, ob sich auf diese Weise tatsächlich in beträchtlichem Umfang Personallücken bei den Streitkräften schließen ließen. Man kann es drehen und wenden wie man will: Nur attraktive Arbeitgeber haben Chancen im Wettbewerb um Talente – ganz egal, ob die nun aus Deutschland oder verbündeten Ländern kommen. Die marode Bundeswehr hat hier noch einen sehr langen Weg vor sich.