Berlin. Forscher haben in einer der bislang größten Studien nach Corona das Vertrauen in die Wissenschaft untersucht. Das Ergebnis überrascht.

Die meisten Menschen haben großes Vertrauen in die Wissenschaft. So lässt sich das Ergebnis einer weltweiten Untersuchung knapp zusammenfassen, die jüngst auf der wissenschaftlichen Open Source Plattform „OSFPreprints“ vorveröffentlicht wurde. Das Ergebnis überrascht, wenn man bedenkt, dass die vergangenen Jahre Wörter wie „Querdenker“, „Impfgegner“, „Corona-Leugner“ oder – etwas älter – „Klimawandel-Leugner“ hervorgebracht haben.

Gerade während der Corona-Pandemie schienen Menschen, die wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse leugneten oder anzweifelten, in den Medien omnipräsent zu sein. Bei der großangelegten Studie ergibt sich jetzt jedoch ein differenzierteres Bild. Die Sozialwissenschaftlerin Viktoria Cologna von der Leibniz Universität in Hannover befragte dafür mit mehr als 230 Co-Autorinnen und Autoren mehr als 71.000 Menschen in 67 Ländern zu ihrem Verhältnis zur Wissenschaft.

Deutschland: Vertrauen in Wissenschaft gesunken

Die Studienteilnehmer sollten dabei ihr Vertrauen in die Wissenschaft, zu Integrität, Kompetenz, Wohlwollen und der Kritikfähigkeit von Wissenschaftlern auf einer Skala von eins bis fünf einordnen, wobei eins ein niedriges Vertrauen, fünf ein sehr hohes Vertrauen bedeutete. Über alle Teilnehmer und Länder hinweg lag das Vertrauen in die Wissenschaft bei durchschnittlich 3,62. In Ägypten (4,3) war das Vertrauen in die Wissenschaft am größten. Es folgten Indien (4,26) auf Platz zwei und Nigeria (3,98) auf Platz drei.

Deutschland findet sich trotz eines relativ hohen Bildungsniveaus lediglich auf Platz 44 mit einem Durchschnitt von 3,49. Tatsächlich hatte bereits das Wissenschaftsbarometer 2023 gezeigt, dass das Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse in Deutschland abnimmt. 2023 gaben noch 56 Prozent der Befragten an, voll und ganz beziehungsweise eher Vertrauen in Wissenschaft und Forschung zu haben. Sechs Prozent weniger als im Jahr zuvor. 31 Prozent waren 2023 unentschieden. 13 Prozent vertrauen der Wissenschaft hierzulande eher nicht oder gar nicht.

Populismus erzeugt Wissenschaftsfeindlichkeit – Angriffe auch von links

Die jüngste Studie zeigt zudem, dass sich Menschen, die sich dem rechten politischen Spektrum zugehörig fühlen, tendenziell ein geringeres Vertrauen in die Wissenschaft haben. Menschen, die sich politisch links verorten, vertrauen der Wissenschaft eher. Die Studienautoren führen das unter anderem auf populistische Bestrebungen zurück, das Vertrauen in die Wissenschaft zu schwächen.

Allerdings zeigt die Studie auch, dass Wissenschaftsfeindlichkeit nicht ausschließlich ein rechtes Phänomen ist. Denn in einigen Ländern wetterten in den vergangenen Jahren auch linke Populisten gegen Wissenschaft und Forschung. Entsprechend war das Vertrauen bei der politischen Linken geringer.