Wartburgkreis. Das Unternehmen Dädalus hat mit dem Kindel abgeschlossen. Flugplatz-Geschäftsführer René Pilz bedauert das Ende. Keine Stellungnahme aus dem Landratsamt. Doch es bleiben Fragen.

Mit dem Fallschirmsprung-Unternehmen Dädalus wird es definitiv keinen Sprungbetrieb mehr auf dem Verkehrslandeplatz Kindel geben. Die Geschäftsführer Christoph Aarns und Dieter Schwarz haben kürzlich Insolvenz für das Betreiberunternehmen beantragt. Seit Januar ist die Flugplatzgesellschaft davon in Kenntnis gesetzt, sagt Geschäftsführer René Pilz. Ein Gutachter hat laut Aarns eine Wertermittlung der Dädalus-Basis erstellt.

Fallschirmspringen mit Betreiber Dädalus über dem Kindel wird es nicht mehr geben. Die Firma hat Insolvenz angemeldet.
Fallschirmspringen mit Betreiber Dädalus über dem Kindel wird es nicht mehr geben. Die Firma hat Insolvenz angemeldet. © Antje Grube

Dass der Gesellschafter die Basis für zwei Drittel des Verkehrswertes übernimmt, ist sein Wunsch, den er aber zugleich für wenig realitätsnah hält.

Tischtuch zwischen Vertragspartner scheint zerrissen

Wollten die Vertragspartner im September vergangenen Jahres noch um eine einvernehmliche Lösung ringen, so scheint das Tischtuch zwischen der kommunalen Flugplatzgesellschaft und Dädalus mittlerweile zerschnitten. Auf Anfrage wollte sich Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Krebs (CDU) wegen des schwebenden Verfahrens nicht zur Sache äußern.

Die Slot-Wand der Fallschirmsprungbasis Dädalus bleibt endgültig für immer leer.
Die Slot-Wand der Fallschirmsprungbasis Dädalus bleibt endgültig für immer leer. © Jensen Zlotowicz

Christoph Aarns wirft den Gesellschaftern vor, mit ihren „unerklärlichen Fehlentscheidungen“ der Flugplatzgesellschaft „schwersten Schaden“ zugefügt zu haben. Schließlich hätte der Sprungbetrieb etwa zwei Drittel der Einnahmen der Flugplatzgesellschaft ausgemacht. Seit Juni 2022, seit einem tödlichen Tandemsprung-Unfall, ist der Sprungbetrieb eingestellt, fließt von Dädalus kein Geld mehr an die Flugplatzgesellschaft. Statt Einnahmen hat diese durch Dädalus entstehende Anwaltskosten.

Der verbitterte Dädalus-Kopf erinnert an die Pläne der Sprungbetreiber von 2022, als diese ein Investorenmodell mit heimischen Partnern für den künftigen Fallschirmsprungbetrieb auf dem Kindel („Air Park Eisenach“) vorgelegt hätten. Geschäftsführer Pilz hält damals wie heute dagegen, dass diese Pläne nicht ausgegoren, ergo nicht akzeptabel, waren.

Der Erbbaupachtvertrag besteht bis jetzt

Dädalus und die Flugplatzgesellschaft haben einen bis heute bestehenden Erbbaupachtvertrag für die Fallschirmsprung-Basis. „Dädalus könnte schon morgen wieder springen“, sagt René Pilz. Für Aarns klingt das wie eine Farce: „Ich lebe nach dem immer noch nicht aufgeklärten tödlichen Unfall wie in einem Albtraum.“

Seit dem Ende des Sprungbetriebs haben einige Fallschirmspringer, die aus der gesamten Bundesrepublik auf den Kindel kamen, ihre Wohnwagen vom Platz geholt und sind abgewandert. Dennoch fristen immer noch gut 30 Camper am Platz ein unbemanntes Dasein. Die Spuren des Stillstands sind mittlerweile unübersehbar. Moos setzt an Wohnwagen an, Unrat bleibt unbehelligt. Ein trauriger Anblick.

Abgehakt hat Flugplatz-Geschäftsführer René Pilz das Fallschirmspringen auf dem Kindel nicht. „Wir können uns vorstellen, dass es irgendwann wieder belebt wird“, sagt der von der Kulisse, der Atmosphäre der Basis und dem Anblick der bunten Fallschirme über Jahrzehnte begeisterte Flugplatz-Chef. Was aus dem Insolvenzantrag von Dädalus werde, müsse man abwarten.

Ausgangslage hat sich komplett gedreht

Die Einnahmesituation der Flugplatzgesellschaft ist deutlich schwieriger als vor Corona. Das Geld sitze bei den Leuten nicht mehr so locker. Es gäbe weniger Veranstaltungen in der Luftfahrt. Gab es früher noch Anfragen von Betreibern historischer Flugzeuge, sich mal auf dem Kindel präsentieren zu können, müsste man heute Geld locker machen, um publikumsträchtige Fluggeräte auf den Platz zu holen. „Die Ausgangslage hat sich komplett gedreht“, sagt Pilz.

Da freut es den Flugplatzchef schon, wenn es gelingt, den 30. Unternehmertag des Wartburgkreises wie schon zum 10. und zum 20. wieder auf den Platz zu holen. Das wird am 13. Juni passieren. Am 13. April wird es den nächsten Bewerber/innentag des Verkehrsunternehmens Wartburgmobil und Buspartnern geben. Die Freilandmesse Demopark, die alle zwei Jahre gutes Geld in die Kasse spült, findet erst wieder 2025 statt.

Nachschussbedarf erstmals über vertraglicher Pflichthöhe

Die Flugplatzgesellschafr rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatzerlös von knapp 400.000 Euro. Im Wirtschaftsplan ist ein Jahresfehlbetrag (also ein Minus) von 127.752 Euro gelistet. Diesen müssen die Gesellschafter Wartburgkreis und Stadt Eisenach (36 Prozent) ausgleichen. 2024 übersteigt die Gesamtsumme erstmals die gesellschaftsvertragliche Nachschusspflicht.

Die Flugplatzgesellschaft kalkuliert in diesem Jahr mit gut 206.000 Euro Personalkosten, bei 5,6 Vollzeitarbeitskräften. Im Jahr 2022 betrugen die Personalkosten 140.460 Euro, also etwa ein Drittel weniger.

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