Washington/New York. Loyale Republikaner erledigen für Ex-Präsidenten die Denunzierung von Michael Cohen & Co. Trump konzentriert sich auf Richter Merchan.

Wenn ihn eines fuchst im Schweigegeldprozess um den Porno-Star Stormy Daniels, dann ist es der „Maulkorb“, den Richter Juan Merchan gegen Donald Trump verhängt und diverse Verstöße dagegen bereits mit 10.000 Dollar Geldstrafe belegt hat.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Amerikas Ex-Präsident darf in seinem ersten Strafrechtsverfahren nicht nach Herzenslust über sämtliche Prozessbeteiligten herziehen. In einer sogenannten Gag Order hat Merchan dem 77-Jährigen untersagt, mit Verleumdungen und Unterstellungen Zeugen wie Stormy Daniels zu attackieren.

Trump nennt Juan Merchan einen „völlig korrupten Richter“, der „befangen“ sei

Sich selbst und den leitenden Staatsanwalt Alvin Bragg, der den Prozess gegen Trump wegen Steuerbetrügereien und Verstößen gegen die Wahlkampffinanzierung im Bundesstaat New York auf den Weg gebracht hat, nahm Merchan davon ausdrücklich aus.

Trump mit seinen Anwälten im Gerichtssaal.
Trump mit seinen Anwälten im Gerichtssaal. © action press | MARK PETERSON

Was Trump nach dem ersten Aufritt von Kronzeuge Michael Cohen am Montag reflexartig dazu nutzte, Merchan erneut als „völlig korrupten Richter“ abzukanzeln, der „hochgradig befangen“ sei und den Prozess umgehend einzustellen habe. Damit er, Trump, endlich ungehindert zurück in den Präsidentschaftswahlkampf könne. Gegen Joe Biden, der Amerika zerstöre.

Trump folgte der „Knebel“-Anordnung am ersten Vernehmungstag seines früheren Privatanwalts, indem er oft mit geschlossenen Augen auf die Zähne biss. Hie und da ein Grinsen oder ein leichtes Kopfschütteln – das war‘s.

Für die eigentliche Prozess-Beschimpfung hat der 45. Präsident der USA, und das ist neu, informell Personal rekrutiert. Mit den republikanischen Senatoren J. D. Vance (Ohio) und Tommy Tuberville (Alabama) saßen zwei Trump-Loyalisten im Gerichtsgebäude, die mehrfach abfällig kommentierten, was Cohen über die Anbahnung und Abwicklung der Zahlung von 130.000 Dollar an die Erotikdarstellerin berichtete, die 2006 mit Trump eine kurze Sex-Affäre hatte.

War am Montag die Zielscheibe der Kritik von Trump-Loyalisten, die noch was werden wollen: Kronzeuge Michael Cohen.
War am Montag die Zielscheibe der Kritik von Trump-Loyalisten, die noch was werden wollen: Kronzeuge Michael Cohen. © Getty Images via AFP | Michael M. Santiago

„Michel Cohen ist ein verurteilter Straftäter. Jeder einzelne Prozessbeteiligte hier ist praktisch ein Handlanger der Demokraten“, sagte Vance, der als Vizepräsidentschaftskandidat Trumps im Gespräch ist. Es sei eine „Schande“, dass Trump untersagt ist, das öffentlich laut zu beklagen. Was Cohen zu sagen hatte, werde „bei jedem vernünftigen Geschworenen“ nicht verfangen. „Und ich hoffe, wir haben einige davon.“

Senator Vance: Prozess gegen Trump ist eine „Bedrohung für Amerikas Demokratie“

Den Prozess an sich bezeichnete Vance, der vor wenigen Jahren noch ein erbitterter Gegner Trumps war, als „Bedrohung für Amerikas Demokratie“. Tuberville ergänzte, es sei hochgradig „deprimierend“, dass einem ehemaligen Präsidenten und aktuellen Präsidentschaftskandidaten ein solcher Prozess überhaupt zugemutet werde.

Insgesamt hatte Trump am Montag über 20 Mitstreiter im Gerichtssaal, darunter auch sein Sohn Eric, der seine Verachtung für Michael Cohen kaum zügeln konnte und von einer „einstudierten“ Aussage sprach. Am Dienstag wird zur Unterstützung Trumps der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat Vivek Ramaswamy erwartet. Der Bio-Tech-Millionär erklärt seit Monaten, dass Trump Opfer einer „demokratischen Gesinnungsjustiz“ geworden sei.

Vor dem Justizgebäude in New York kommen an den Prozesstagen nur wenige Trump-Fans zusammen, um ihr Idol zu stützen.
Vor dem Justizgebäude in New York kommen an den Prozesstagen nur wenige Trump-Fans zusammen, um ihr Idol zu stützen. © Getty Images via AFP | ALEX KENT

Beistand im Gerichtssaal ist für Trump laut Insidern emotional wichtig. Hauptgrund: Obwohl der Ex-Präsident mehrfach seine Anhänger aufgerufen hat, bitte in Tausender-Stärke vor dem Gerichtsgebäude im Süden Manhattans aufzulaufen, tummeln sich dort seit Prozessbeginn vor vier Wochen allenfalls ein paar Dutzend Sympathisanten.