Erfurt. Das Land Thüringen stellt insgesamt 30 Millionen Euro für die Förderung von Familien zur Verfügung. Auch Senioren sollen von dem Geld profitieren.

Streit passé, Bilanz großartig – so könnte es über dem Bericht zur Familienförderung stehen, den Sozialministerin Heike Werner (Linke) bei der Regierungsmedienkonferenz zum Thüringer Familientag am Mittwoch in Ilmenau vorlegte. Ausdrücklich verwies die Ressortchefin noch einmal auf den umstrittenen Umbau der Familienpolitik vor gut fünf Jahren, dem seinerzeit auch die Stiftung FamilienSinn zum Opfer fiel. Statt vieler Einzelfördermaßnahmen, bei deren Planung Land- und Stadtkreise weitgehend ausgeschlossen gewesen seien, lägen seit Inkrafttreten des Familienförderungsgesetzes Anfang 2019 Verantwortung und Planungskompetenz nunmehr größtenteils vor Ort in den Kommunen.

Weiter Familienbegriff schließt Senioren ein

Insgesamt stehen in diesem Jahr 30 Millionen Euro für Familien zur Verfügung. Das müsse aber noch nicht das Ende der Fangenstange sein, so Werner. Das Geld komme von den Kommunen und vom Land. Von 4,3 Millionen Euro im Jahr 2017 hätten sich die Landesmittel im Rahmen des „Landesprogrammes Solidarisches Zusammenleben“ (LSZ) auf über 17 Millionen Euro vervierfacht. Die Definition von Familie in Thüringen schließt laut Werner alle Gemeinschaften ein, in denen Menschen dauerhaft für einander Verantwortung übernehmen, unabhängig von Lebensform, sexueller Orientierung oder Alter. Mit dem erweiterten Familienbegriff betone man die Vielfalt und Akzeptanz von verschiedener Familienmodellen und schließe auch Einrichtungen für Senioren ein. Familien leisteten Unglaubliches, Aufgabe der Gesellschaft sei es, ihnen auch etwas zurückzugeben.

Landkreise erhalten mehr Geld als städtische Gebiete

Die Verteilung der Fördermittel an die jeweiligen Kreise erfolge nach Indikatoren wie Bevölkerungszahl, Altersstruktur, Armutsquote und Bevölkerungsdichte. Anders als früher, als vor allem Städte profitiert hätten, erhielten ländliche Kreise inzwischen oft mehr Mittel. So stiegen die Zuwendungen im Altenburger Land von 70.000 Euro (2017) auf nunmehr 800.000 Euro. Eingesetzt würde das Geld für mobile und stationäre Anlaufstellen wie etwa mobile Familienzentren. Im Kyffhäuser- und Unstrut-Hainich-Kreis unterstützte man zwei Bürgerbusse mit jährlich 50.000 Euro. Eine dreiviertel Millionen Euro gehe an insgesamt 67 Dorfkümmerer, die in den Kreisen Altenburg, Gotha, Hilburghausen, Saale-Holzland, Schmalkalden Meiningen, Unstrut-Hainich und Weimarer-Land unterwegs seien. Fünf Dorfkioske im Unstrut-Hainich-Kreise erhielten eine Co-Finanzierung über das Agathe-Programm gegen Einsamkeit im Altern. Die neuen Eltern-Kind-Zentren stünden für Begegnungen aller Generationen offen.

Besonderer Fokus auf Medienbildung und Digitalisierung

Zudem spiele der 2020 gegründete Landesfamilienrat eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der überregionalen Familienförderung. Er besteht aus Vertretern verschiedener Familien- und Sozialverbände und ist laut Werner aktiv in die Aufstellung des Landesfamilienförderplans eingebunden. Ein besonderer Fokus liege nicht zuletzt auf der Medienbildung und Digitalisierung, insbesondere für ältere Menschen. Ein Netzwerk für Senioren und Medienbildung wurde etabliert Auf Nachfrage, ob zu viel Familienfördergeld für Ältere ausgegeben werde, verwies Werner auf die demografische Situation in den neuen Bundesländern und die Rolle von Senioren im Miteinander der Generationen. Was konkret passiere, liege letztlich in der Verantwortung der Sozialplaner vor Ort.

Großer Familientag in Ilmenau

Anlässlich des diesjährigen Internationalen Tags der Familie am 15. Mai lädt das Sozial- und Familienministerium am Mittwoch zum Fachtag in die Festhalle Ilmenau ein. Ziel sei es, die vielfältigen Unterstützungsmaßnahmen für Familien, Seniorinnen und Senioren auf regionaler und überregionaler Ebene vorzustellen und zu diskutieren. Die Veranstaltung ist ausgebucht.