Jena. Politiker kennen das schon. Jetzt werden auch Wissenschaftler vermehrt zu Opfern von Anfeindungen. Eine beunruhigende Entwicklung, kommentiert Nils R. Kawig.

Es liegt etwas im Argen: Irgendwann, vielleicht schleichend, ist die Dialogbereitschaft in unserer Gesellschaft kaputtgegangen. Statt einander zuzuhören, machen wir uns gegenseitig Vorwürfe. Schlimmer noch: Aus Worten werden häufig Taten.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Was viele Wissenschaftler zurecht beklagen, nämlich dass sie immer öfter Opfer verbaler Attacken werden, ist nur der Anfang einer unsäglichen Eskalationsspirale. An deren Ende stehen Attacken, wie sie der slowakische Ministerpräsident Robert Fico in dieser Woche erleben musste und glücklicherweise überlebt hat. Auf ihn wurde geschossen.

Robert Fico wurde Opfer eines Mordanschlags

Nun gehört Fico ganz gewiss nicht zu den Versöhnern in seinem Land, ganz im Gegenteil. Ihm wird nachgesagt, dass er gerne Öl ins Feuer gießt, verbal zuspitzt und seine politischen Widersacher brüskiert. Ganz zu schweigen von seinen politischen Aktivitäten, die häufig zu Lasten einer offenen Gesellschaft gehen. Aber nichts davon rechtfertigt einen Mordanschlag.

Nils R. Kawig ist Chefredakteur der Ostthüringer Zeitung.
Nils R. Kawig ist Chefredakteur der Ostthüringer Zeitung. © FUNKE | OTZ

Wer nun meint, Politiker müssten mit diesem Risiko rechnen, der irrt. Weder in einem Spitzenamt, noch auf kommunaler Ebene darf es soweit kommen, dass Frauen und Männer, die sich politisch engagieren, Angst um ihr Leben haben müssen. Und genauso gilt das für Wissenschaftler, deren Arbeit manchen nicht passt.

„Achte auf deine Worte, denn sie werden zu Handlungen“

Jeder sollte bei sich selbst anfangen und über das alte Sprichwort nachdenken: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten. Achte auf deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.“

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