Jena. Die Friedrich-Schiller-Universität soll einen neuen Campus in direkter Nachbarschaft des Uni-Hauptgebäudes auf dem Inselplatz bekommen.
Dieses Vorhaben, für das sich Stadt, Uni-Leitung und Universitätsrat seit geraumer Zeit stark machen, steht seit dieser Woche ganz offiziell als Vorhaben im Doppelhaushalt 2013/2014 der Thüringer Landesregierung. "Haushaltstitel" nennt sich das verwaltungstechnisch und wurde am Dienstag im Erfurter Kabinett beschlossen. Wissenschaftsminister Christoph Matschie (SPD) rang das "Okay" für die Erweiterung der Alma Mater Jenensis Koalitionspartner CDU offenbar im wochenlangen Streit um den Doppelhaushalt ab.
Einziger Schönheitsfehler: Der Haushaltstitel ist bislang reines Papier. Konkretes Geld - immerhin soll das Projekt geschätzte 90 Millionen Euro kosten - steht noch nicht dahinter. Vize-Ministerpräsident Matschie ist trotzdem optimistisch: "Vor drei Jahren war die Situation beim Klinikum ähnlich. Wir haben die 300 Millionen Euro aufgebracht." Wichtig, so Matschie, es ist ein erster Schritt gemacht. Landesregierung und große Koalition bekennen sich grundsätzlich zur Erweiterung der Universität auf dem Inselplatz. "Damit können die konkreten Planungen beginnen", so Matschie. Für die Universität sei der Platz neben ihrem Hauptgebäude ein "Premiumareal" und eine "historisch einmalige Chance".
Dass das nicht nur der Jenaer SPD-Spitzenpolitiker aus reinem Lokalpatriotismus so sieht, dafür spricht der Besuch von Wolfgang Voß (CDU) diese Woche in Jena. Der Thüringer Finanzminister ließ sich von Uni-Rektor Klaus Dicke und Kanzler Klaus Bartholmé zwei Gutachten zur Finanzierung des Campus vorlegen und nahm den Platz persönlich in Augenschein. Ein erster Pflock für das Großprojekt wird dort mit dem Bau des Uni-Rechenzentrums eingeschlagen. Das ist beschlossen und finanziert. Ab nächstes Jahr drehen sich die Kräne.
Neben dem Rechenzentrum sollen sich nach den Vorstellungen der Uni die Fakultät für Mathematik und Informatik, die Psychologen und die naturwissenschaftliche Bibliothek am Inselplatz ansiedeln. Die geschätzten 90 Millionen Euro Investitionskosten will die Landesregierung aus dem EU-Fonds Strukturentwicklung, aus den Mitteln des Hochschulpaktes der Bundesregierung und aus dem Verkauf von nicht mehr benötigten Uni-Gebäuden finanzieren. "Die frei werdenden Immobilien eignen sich sehr gut für den Umbau zu Wohnzwecken", sagt Matschie.
Auch die Stadt wird einen finanziellen Beitrag leisten, sagte Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung. "Die Universität ist der wichtigste Konjunkturmotor von Jena und jede Investition in die Uni bedeutet Zukunft für die Stadt", sagte Schröter. Er erhofft sich durch den Campus, an dem sich auch IT-Firmen wie die Intershop AG ansiedeln wollen, eine Belebung der östlichen Innenstadt.
Einig sind sich Minister und Oberbürgermeister, dass am Inselplatz keine der üblichen Hochschulbauten entstehen dürfen. Auch architektonisch muss die Nachbarschaft des Uni-Hauptgebäudes ein Höhepunkt werden. Cafés und Restaurants sollen den Platz abrunden. Von einem zur Finanzierung ins Spiel gebrachten PPP-Modell, bei dem ein privater Investor das Vorhaben finanziert und das Land die Gebäude über einen bestimmten Zeitraum zurückkauft, nimmt das Land Abstand, sagte Schröter in Bezug auf das Gespräch mit dem Finanzminister.
"Das Haus steht zwar noch nicht, aber es gibt jetzt eine Hausnummer", kommentierte Jenas Oberbürgermeister den neuen Stand der Dinge.
Jena: Universitätsrat bekräftigt Campus-Bau am Inselplatz