Die Stadt ist bereit, das Land Thüringen und die Universität Jena sind es sowieso: Der Inselplatz soll zum Hochschulcampus ausgebaut werden. Doch im jetzt herausgegebenen Rechnungshofbericht für die Haushaltsrechnung 2014 wird das Projekt in weniger rosige Worte gepackt.
Für die unabhängigen Finanzkontrolleure in Rudolstadt ist der Campus-Neubau ein Beispiel, wie das Land Thüringen die bauliche Entwicklung der Hochschulen unzureichend steuere. Mit 110 Millionen Euro ist das Projekt auf dem Inselplatz ein Schwergewicht. Doch die Bauanträge seien nur unzureichend begründet worden, heißt es im Bericht. Laut Rahmenvereinbarung mit den Thüringer Hochschulen müsste die Universität Jena die Mittel, die das Land Thüringen bereitstellt, effektiv nutzen. Das hinterfragen die Rechnungsprüfer. Denn auch die Wachstumsprognose, die die Uni angibt, entspreche nicht den Studentenzahlen und der demographischen Prognose.
"Wir sind der Meinung, dass wir es ausreichend begründet haben, warum der Inselplatz notwendig ist", sagt Axel Burchardt, Pressesprecher der Universität Jena. Die derzeitigen Hochschulgebäude, die in ganz Jena verstreut sind, deckten den Bedarf nicht. Die Bausubstanz vieler Universitätsgebäude sei zudem "enorm alt", sagt Burchardt. Auch das spreche für einen Neubau. Der Rechnungshof hält dagegen, dass lediglich 13 der insgesamt 135 Liegenschaften der Universität in den neuen Campus aufgenommen werden.
Zum anderen rechnet die Universität damit, dass durch den Neubau Mietausgaben für Räume, die nicht mehr gebraucht werden, eingespart werden.
Bei den Studentenzahlen wagt der Universitäts-Pressesprecher keine Prognose: "Das weiß niemand." Fakt ist allerdings, das die Studentenzahlen in den vergangenen Jahren von 21 000 (Jahre 2009/10) auf 18 000 gefallen sind.
Das zuständige Infrastrukturministerium konnte gestern keine genaueren Angaben zur Planung und Finanzierung des Campus-Neubaus machen – auch weil die Fachabteilung selbst in Jena weilte. Ob das Treffen gestern Vormittag im Amtssitz des Oberbürgermeisters nun eine "Krisensitzung" war als Reaktion auf die Kritik des Thüringer Rechnungshofes vom Vortag oder – wie es aus dem Ministerium offiziell hieß – ein länger geplanter Termin, das sei mal dahingestellt. Jedenfalls verständigten sich die zuständigen Abteilungsleiter aus dem Infrastruktur- und aus dem Wissenschaftsministerium mit Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) und Universitäts-Präsident Walter Rosenthal zum Projekt des neuen Uni-Campus am Inselplatz.
Wie Schröter nach dem Termin in einem Gespräch mit unserer Zeitung sagte, soll noch in diesem Jahr die Ausschreibung des Architektenwettbewerbes erfolgen. Als Bauzeit für den Campus, der unter anderem die Fachgebiete Informatik und Mathematik sowie Psychologie aufnehmen soll, sind drei Jahre veranschlagt. Spätestens 2023 muss alles fertig sein, weil dann die entsprechenden Förderprogramme für solche Projekte auslaufen. "Ansonsten trifft eine Verzögerung auch die Bürger, die sonst mehr zahlen", betont Uni-Sprecher Burchardt.
Die Stadt, die bereits das Grundstück an das Land für 3,6 Millionen Euro verkauft hat, will das Vorhaben mit dem Bau eines Parkhauses an der Straße am Eisenbahndamm und mit dem Bau von Straßen und Wegen auf dem Campus unterstützen.
"Ich sehe das für die Jenaer Stadtentwicklung sehr wichtige Vorhaben aufgrund der Kritik der Rudolstädter Behörde nicht gefährdet", sagte Schröter. "Natürlich muss der Rechnungshof darauf achten, dass Steuergelder effektiv und ordnungsgemäß eingesetzt werden, aber die Beurteilung, ob eine Investition zukunftsfähig ist oder nicht, das ist eine politische Entscheidung und nicht Sache des Rechnungshofes", so der OB.
Der Ausbau des neuen Campus für 110 Millionen Euro sei allein schon wegen des neuen Rechenzentrums dringend nötig. "Der Freistaat muss sich entscheiden, ob die einzige Voll-Uni des Landes ein Schattendasein als Provinz-Universität fristen soll oder wie bisher im Chor der deutschlandweit anerkannten Hochschulen mitspielen kann", sagt Schröter. Ohne die entsprechende Infrastruktur für Forschung und Lehre könne die Uni nicht die Rahmenbedingungen bieten, um sich weiter an der Exzellenzinitiative des Bundes zu beteiligen und die besten Köpfe nach Jena zu holen.