Ukraine-Krieg

Wie ein Feldherr: Putin trifft Kriegs-Entscheidungen selbst

Gudrun Büscher
| Lesedauer: 2 Minuten
Charkiw: Ukrainische Armee stößt angeblich bis an russische Grenze vor

Charkiw- Ukrainische Armee stößt angeblich bis an russische Grenze vor

Die ukrainische Armee ist nach eigenen Angaben nahe der Millionenstadt Charkiw bis an die russische Grenze vorgestoßen. Im Donbass gab es dagegen neue Angriffe der russischen Truppen.

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Berlin.  Laut dem britischen Geheimdienst mischt sich der russische Präsident ins Mikro-Management des Krieges ein. Verliert Putin die Nerven?

Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin läuft es nicht gut in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die ukrainische Armee hat Charkiw, die zweitgrößte Stadt des Landes, zurückerobert, und die Ostoffensive der russischen Armee stockt – zu viele Soldaten sind offenbar in die Kämpfe um das Stahlwerk in Mariupol gebunden.

Mindestens zwölf von Putins Generälen sollen nach ukrainischen Angaben in dem Feldzug bereits ums Leben gekommen sein, Russland bestätigt das bislang nicht. Doch die Unzufriedenheit im Kreml mit dem Verlauf des Krieges ist nach Einschätzung von Russland-Experten mit Händen zu greifen.

Inzwischen trifft der Präsident nicht nur grundsätzliche Entscheidungen in diesem Krieg selbst. Erst im April pfiff er öffentlich Verteidigungsminister Sergej Schoigu zurück und ordnete an, das Stahlwerk in Mariupol nicht zu stürmen.

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Ukraine: Putin soll selbst Befehle erteilen für kleine Einheiten

Jetzt soll sich Putin nach britischen Geheimdienstinformationen, über die die britischen Zeitungen „The Times“ und „The Guardian“ berichten, sogar ins Mikro-Management des Ukraine-Krieges einschalten und taktische Entscheidungen treffen, die eigentlich von Offizieren getroffen werden.

„Wir glauben, dass Putin und Gerassimow an taktischen Entscheidungen auf einer Ebene beteiligt sind, die normalerweise von einem Oberst oder Brigadier erwartet würden“, wird die Geheimdienstquelle zitiert, die sich auf die anhaltende Schlacht in der Ostukraine bezieht. Demnach erteilt Putin selbst Befehle für Einheiten, die 700 bis 1000 Soldaten umfassen. Das sei offenbar auch ein Grund für die stockende Offensive.

Nach diesen Quellen ist General Walerij Gerassimow, Putins ranghöchster General und Mitglied im engsten Zirkel um den Präsidenten, keineswegs nach militärischen Misserfolgen suspendiert worden, sondern immer noch „voll einsatzfähig“. Laut „Spiegel“ soll der General bei Isjum im Osten der Ukraine knapp dem Tod durch einen Artillerieschlag entkommen sein. Er soll sich selbst an die Front im Donbass begeben haben.

„Regierungschef sollte Besseres zu tun haben, als militärische Entscheidungen zu treffen“

Ben Barry, ehemaliger Brigadier der britischen Armee und Experte für Landkriegsführung am International Institute of Strategic Studies, sagte dem „Guardian“: „Ein Regierungschef sollte Besseres zu tun haben, als militärische Entscheidungen zu treffen. Sie sollten die politische Strategie festlegen, anstatt sich im Tagesgeschäft zu verzetteln.“

Die zitierte Geheimdienstquelle wird in der „Times“ noch drastischer und vergleicht Putin mit dem Gründer von Amazon: „Jeff Bezos liefert keine Pakete aus, er trifft die strategischen Entscheidungen.“

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.