Guteborn/Ponitz. Ungewöhnliche Behinderung bei Protestaktion im Altenburger Land: Pferd vor der Ausfahrt des Netto-Zentrallagers in Guteborn.

  • Wie lange der Protest am Netto-Zentrallager noch dauert.
  • Womit die Protestler dort vor Ort für Aufmerksamkeit sorgen.
  • Was die Anwohner dazu sagen.

Ein Pferd, geführt von einem Mann, und eine kleine Gruppe Menschen wandeln auf der B93 vor der Ausfahrt vom Netto-Zentrallager. Geschehen am Donnerstag in der Zeit einer 45-minütigen Öffnung während des Protestes in Guteborn. Hinter der Pferde-Gruppe müssen sich schrittweise Laster um Laster einreihen, die nach zwei Stunden Sperre aus dem Hof des Discounters ausfahren können.

Polizei wurde alarmiert und erreicht Kooperation

Die nächsten LKW warten schon auf die Einfahrt. Eile ist geboten. Doch damit war Schluss dank der Spaziergänger mit Pferd. Eine Schikane der Protestler, Abreisewillige vor Protestablauf oder Zufall? Die Polizei äußert sich nicht dazu. Sie sei alarmiert worden, fuhr zum Ort des Geschehens und konnte die Verkehrsbehinderer zur Kooperation bringen, so Pressesprecher Peter Ziehm von der Landespolizeiinspektion Gera. Pferd und Menschen verließen die Straße.

Geht so etwas überhaupt, Spazierengehen mit Pferd auf einer Bundesstraße? „Das kann von der Polizei als eine Ordnungswidrigkeit geahndet werden“, sagt Ziehm. Wird sie es auch? Die Frage bleibt unbeantwortet. Der Verkehr rolle wieder.

Polizei ist alle zwei Stunden vor Ort

Ziehm informiert außerdem darüber, dass seine Kollegen alle zwei Stunden zur Öffnung der Ausfahrt vor Ort seien, um die behördlichen Auflagen zu sichern. Bei einem Vergleich habe man die Blockadezeiten neu geregelt, sagt Bernd Amelung, Sprecher des Verwaltungsgerichts Gera.

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Dort hatte Netto einen Eilantrag gegen die Blockierung der Zu- und Ausfahrten seines Lagers in der Altenburger Straße gestellt. Der Vergleich in Anwesenheit des Richters sei ein Vollstreckungstitel. Will heißen, muss eingehalten werden, sonst drohen rechtliche Konsequenzen.

Ungehinderte Einfahrt ist eine Auflage der angemeldeten Demonstration

Das Landratsamt Altenburger Land hatte bereits Auflagen erteilt für die angemeldete Demonstration von Mittwoch, 4 Uhr, bis Sonnabend, 8 Uhr. Die ungehinderte Einfahrt ist eine davon. Es sei bekannt gewesen, dass es zu Behinderungen bei der Ausfahrt vom Netto-Zentrallager kommen werde, so Pressesprecher Jörg Reuter. Deshalb sollten Zeitfenster eingebaut werden, in denen Fahrzeuge die Möglichkeit haben, das Gelände zu verlassen. Auf die Zeitfenster hatte man sich aber erst nach dem Netto-Eilantrag am Mittwochnachmittag geeinigt. Dennoch: Auf dem Hof warten entladene und neu beladene LKW, die wieder Kurs in andere Richtungen nehmen. Die Funktion der Umschlagader in Guteborn ist gestört.

Anwohner fühlen sich gestört und sind vor allem genervt

Gestört fühlen sich auch die in Richtung Meerane wohnenden Anwohner der Altenburger Straße. Ständiger Lärm der abgestellten Protest-Wagen, Laster, die an ihren Häusern vorbeidonnern. „Tag und Nacht fühlen wir uns von Leuten in Warnwesten bewacht, die Garage ist blockiert vom Traktor, der Weg zur Arbeit kostet viel mehr Zeit.“ In einem Mietshaus sei von einem Ehepaar das Schlafzimmer bereits verlegt worden, weil die Nachtruhe gestört war. Man müsse erst die Leute auffordern, die Behinderung zu beseitigen, das nerve, sagt eine Anwohnerin.

Während sie spricht, kommt ein Schwall Lkw aus der Meeraner Straße um die Ecke und fährt langsam zu Netto, will Einlass. Ein Zeichen für die Öffnung der Ausfahrt am anderen Ende der Altenburger Straße. Der Lärmpegel wird bleiben – bis Sonnabendfrüh, bis zum Ende des Protestes. Wogegen der gerichtet sei, kann die Anwohnerin, die namenlos bleiben will, nicht sagen. Sie vermutet einen allgemeinen Protest gegen die Politik oder gegen die Kürzungen beim Agrar-Diesel. Aber warum hier? „Mein Verständnis hält sich sehr in Grenzen.“

Aktuelle Nachrichten aus dem Altenburger Land

Ob es bei dem Protest um ein Signal gegen Netto geht, warum ausgerechnet in Guteborn und für drei Tage am Stück protestiert wird – diese Fragen haben wir Martin Kohlmann gestellt. Wie diese Zeitung aus vertrauenswürdiger Quelle erfuhr, soll der Chemnitzer Rechtsanwalt bei der Vergleichsverhandlung mit den Protestorganisatoren anwesend gewesen sein. Kohlmann, der Mitbegründer der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Kleinpartei „Freie Sachsen“ ist, war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.