Altenburger Land. Am Anfang war ein Brief: Colin Schumann aus dem Altenburger Land über eine Zufallsauswahl und was er anderen Jugendlichen empfiehlt.

  • Mit Jugend-Check Thüringen Einfluss nehmen.
  • Junge Stimmen beeinflussen Gesetzgebung.
  • Der Einsatz zahlt sich aus.

Alles begann mit diesem Brief, der plötzlich in seinem Briefkasten lag, erinnert sich Colin Schumann. Der Brief kam vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und war an ihn persönlich adressiert.

Und der 19-Jährige, der in Mehna wohnt und derzeit ein Bundesfreiwilligenjahr beim Technischen Hilfswerk in Altenburg leistet, wurde darin sinngemäß gefragt, ob er Interesse daran hätte, mit anderen Kindern und Jugendlichen zusammen über geplante Gesetze zu diskutieren. Es gehe um Gesetze, die die Belange von Kindern und Jugendlichen betreffen und er sollte sich mit den anderen überlegen, was diese Gesetze für einen Einfluss auf ihn persönlich und die anderen haben könnten. Die Ergebnisse, so versprach man ihm in dem Brief, würden dann in der weiteren Planung der Gesetze berücksichtigt und eventuell zu Abänderungen in den Gesetzestexten führen.

Premiere in Thüringen für Jugend-Check auf Landesebene

„Ich war sehr neugierig und fasziniert von der Idee, dass so etwas überhaupt möglich ist – dass ich persönlich mithelfen kann, Gesetze positiv zu beeinflussen. Da kann man schlecht ‘Nein’ sagen“, erzählt Colin Schumann. Und tatsächlich ist Thüringen das erste deutsche Bundesland, das den Jugend-Check auf Landesebene einführt. Der Jugend-Check Thüringen wird derzeit in einem dreijährigen Modellprojekt erprobt, betont man beim Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Durchgeführt wird der Jugend-Check von der Projektstelle Jugend-Check Thüringen (ProJCT), einem Projekt des Deutschen Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung.

Ausgewählt aus 4000 jungen Menschen

Das Jugend-Team zu dem Colin Schumann gehörte, wurde über eine Zufallsauswahl per Brief ausgewählt. 4000 junge Menschen wurden angeschrieben. 362 Rückmeldungen gingen ein. Das entspricht einer Rücklaufquote von 9,4 Prozent. „In vergleichbaren Verfahren werden hier Rückläufe von einem bis fünf Prozent erwartet“, betont das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Aus diesem Personenkreis wurden 50 junge Menschen in den Altersgruppen 12 bis 15, 16 bis 21 und 21 bis 27 Jahre, gewichtet nach Schulform oder Beschäftigungsstand, ausgelost.

Ich war sehr neugierig und fasziniert von der Idee, dass so etwas überhaupt möglich ist – dass ich persönlich mithelfen kann, Gesetze positiv zu beeinflussen. Da kann man schlecht Nein sagen.
Colin Schumann aus Mehna

Diskutiert wurden das „Thüringer Hausärztesicherstellungsgesetz“, das „Siebte Gesetz zur Änderung des Thüringer Kinder- und Jugendhilfeausführungsgesetz“ und das „Thüringer Gesetz zur Änderung von Vorschriften aus dem Bereich des Dienstrechts“. Hört sich das nicht alles fürchterlich abschreckend an? Colin Schumann ist geradezu ein wenig irritiert. „Das ist doch nur die Fachsprache“, sagt er dann. „Entscheidend ist doch, was dieses Gesetz konkret bedeutet für mich und andere. Das ist überhaupt nicht abschreckend für mich. Es macht mich eher neugierig.“

Aktuelle Nachrichten aus dem Altenburger Land

Über ein Jahr verteilt trafen sich die Kinder und Jugendlichen an vier Tagen auf dem Ministeriumscampus in Erfurt, um dort jeweils etwa siebeneinhalb Stunden lang zu diskutieren und gemeinsam nach Ergebnissen zu suchen. „Der Ablauf war immer ungefähr gleich: Das Gesetz wurde vorgestellt, es wurde uns erklärt, was es tut, was die Ziele sind – und was es für Auswirkungen auf dich als Jugendlichen haben. Dann wurden wir gefragt, ob uns etwas auffällt, ob möglicherweise etwas übersehen oder nicht bedacht wurde. Dazu wurde sehr viel mit Was-wäre-wenn-Fragen gearbeitet“, erzählt Colin Schumann. Alle Ideen und Meinungen wurden gesammelt und sortiert, geschaut, wo es Widersprüche und Gegensätze gibt.

In einem Fall wurde das Gesetz fast vollständig umgeschrieben

„In Gruppen von 12 bis 13 Jugendlichen wurde dann nach Lösungen im Mehrheitsprinzip oder nach Kompromissen gesucht. Das war spannend, aber auch sehr anstrengend“, sagt Colin Schumann. „Allein die Menge an Daten, die beim Brainstormen zusammenkam, zu erfassen und für sich zu sortieren.“ Trotzdem hat er gern an allen Gesetzen mitgearbeitet. Und die Mühe hat sich gelohnt. „Bei der Abschlussveranstaltung am 2. März haben sie uns gesagt, dass die Gesetze tatsächlich auf unsere Anregungen hin, geändert und erweitert wurden. In einem Fall wurde das Gesetz sogar fast vollständig umgeschrieben“, erzählt der 19-Jährige nicht ohne einen gewissen Stolz. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn etwas, für das man sich engagiert, in der Politik ankommt.“

Neues Jugend-Team wird nun ausgelost und angeschrieben

Und hat er bei der Mitarbeit am Jugend-Check etwas für sich selbst gelernt? „Definitiv“, sagt er. „Wir können die Zukunft tatsächlich mitgestalten, wenn wir uns engagieren. Es ist wirklich möglich, etwas zu ändern für eine bessere Zukunft – wenn ich die Mühe auf mich nehme und mich politisch einbringe.“ Für Colin Schumann ist das Projekt, das auf drei Jahre angelegt ist, nun zu Ende, denn jedes Jahr wird ein neues Jugend-Team ausgelost und angeschrieben. Und allen Kindern und Jugendlichen, die angeschrieben werden, gibt Colin Schumann einen guten Rat: „Unbedingt mitmachen.“

Weitere Informationen zum Jugend-Check und zu den Ergebnissen finden Interessierte unter:www.jugend-check-thueringen.de