Altenburger Land. Expertenrat zum Weltnierentag – Fragen zur Nierengesundheit beantwortet Manja Kalkbrenner, Leitende Oberärztin am Klinikum Altenburger Land.

Am Donnerstag, 14. März, ist Weltnierentag. Eine Gelegenheit, sich mal mit dem Thema zu beschäftigen. Unsere Fragen beantwortet die Leitende Oberärztin Manja Kalkbrenner, Fachärztin für Innere Medizin (Nephrologie/Diabetologie) am Klinikum Altenburger Land.

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Gibt es Zahlen, wie viele Menschen im Altenburger Land an Nierenschäden leiden?

Zirka acht Prozent aller Thüringer leiden unter einer chronischen Nierenerkrankung, also jeder zwölfte Erwachsene.
Die Dunkelziffer dürfte dabei noch deutlich höher liegen.

Aber woran liegt das?

Zuallererst daran, dass eine Nierenschwäche nicht schmerzhaft ist und eine Verschlechterung der Nierenfunktion erst spät zu Symptomen führt und damit verzögert diagnostiziert und therapiert wird. Zu diesem Zeitpunkt sind die Schäden an der Niere jedoch häufig schon irreversibel, das heißt nicht mehr umkehrbar. Mittels therapeutischem Eingreifen kann aber ein weiteres Voranschreiten der Erkrankung bis zur Dialysepflicht verzögert oder im besten Fall verhindert werden. Zudem wurde die Bedeutung der chronischen Nierenerkrankung als prognostisch relevanter Risikofaktor für weitere Folgekomplikationen wie Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall erst in den letzten Jahren verstärkt erforscht.

Was für Nierenschäden treten bei uns in der Region am häufigsten auf und was sind die Ursache?

Die häufigsten Ursachen für Nierenerkrankungen sind der Diabetes mellitus also die Zuckererkrankung, Bluthochdruck, eine autoimmune oder entzündlich bedingte Nierenerkrankung, genetische also angeborene Erkrankungen sowie chronische Entzündungen, Nierensteine oder Medikamente. Wichtig ist: Bei welchen Symptomen sollte ich aufmerksam werden? Bei Auffälligkeiten im Urin – insbesondere blutiger, schaumiger Urin oder eine Abnahme der täglichen Urinmenge – sollte der Hausarzt aufgesucht werden. Häufig fallen verschlechterte Nierenwerte jedoch eher im Rahmen der Abklärung oder Therapie anderer gesundheitliche Probleme auf, zum Beispiel vor geplanten Operationen oder im Rahmen der Diagnostik bei Blutarmut, Gewichtsabnahme oder -zunahme oder Luftnot. Ansprechpartner bei einer vermuteten Nierenerkrankung ist der Hausarzt, der durch eine ausführliche Befragung, körperliche Untersuchung und orientierende Labordiagnostik von Urin und Blut weiterhelfen kann. Bei Bedarf wird der Hausarzt dann eine Überweisung zum Nephrologen also eine Facharzt für Nierenerkrankung ausstellen.

Wie können Nierenschäden behandelt werden?

Viele Patienten setzen die Behandlung beim Nephrologen mit dem Beginn einer Dialyse, der Nierenersatztherapie – umgangssprachlich Blutwäsche – gleich. Das ist aber der kleinste Teil der nephrologischen Patienten.
Vielmehr sollte eine rechtzeitige Vorstellung und Mitbehandlung beim Nephrologen den Patienten langfristig stabil und solange wie möglich fern von der Dialyse halten. Dies erfolgt mittels medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapieoption. Zudem arbeiten wir eng mit den Kollegen der anderen Fachabteilungen wie der Kardiologie, Diabetologie, Rheumatologie und Urologie zusammen.

Kann man vorbeugend etwas tun, um Nierenschäden zu vermeiden oder hinauszuzögern?

Ja, hier sind fünf Tipps für eine gesunde Niere: regelmäßige Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker,
Gesunde Ernährung – kalorienreduziert, salzarm, fettarm, Vermeiden von Übergewicht, Nikotinkarenz, wenig Alkohol und bestimmte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Voltaren meiden beziehungsweise Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache.

Wenn man sich zum Thema Nierenerkrankung und vor allem Nierengesundheit informieren möchte wendet man sich am besten an die Hausarztpraxis, die Krankenkasse oder schaut online nach zum Beispiel unter: www.dgfn.eu, www.gesundheitsinformation.de, www.bundesverband-niere.de oder www.nierenstiftung.de