Schmölln. Geschichte(n) aus dem Altenburger Land beim Heimat- und Verschönerungsverein: Vortrag über Schulwesen ab 1374 und Rektor Rudolf Seyfarth

  • Als Schmöllns Schulsystem beispielhaft war.
  • Vortrag in Schmölln aus besonderem Anlass.
  • Eine Zeitreise zurück bis 1374.

Der letzte Rektor in Schmölln, Rudolf Seyfarth, wäre am 20. November stolze 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass fand im Heimat- und Verschönerungsverein ein Vortrag über das Schulwesen in Schmölln und das Wirken von Rektor Rudolf Seyfarth statt. Den Vortrag hielt Vereinsmitglied Bernd Schneider. Mit einem historischen Abriss über das Schulwesen begann er und zeigte damit auch auf, wie unwissend über viele Jahrhunderte die Menschheit war.

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„Erstmals wurde in Schmölln im Jahr 1374 ein Schulmeister erwähnt“, begann Bernd Schneider seinen Exkurs in die Geschichte der Sprottestadt. Das Amt hatte ein Pfarrer inne. Sie waren zu dieser Zeit die höchstgebildeten Menschen. Handwerker konnten kaum schreiben. Den Schülern wurde das Singen gelehrt, Sprechgesang gab es und Lateinunterricht. Ein erster Schulbau war auf das Jahr 1396 datiert. Auch über einen zehnjährigen Streit der Stadt Schmölln mit dem Bistum Naumburg, wurde berichtet. Erst danach bestimmte die Stadt, wer als Schulmeister eingesetzt wird. Doch dienstlich unterstellt war der Lehrer nach wie vor dem Pfarrer.

Einführung der Schulpflicht 1642

In der Reformationszeit ging es mit der Bildung bergab. Bis dahin hatten die Klöster die Bildung übernommen. Mit der Auflösung der Klöster war das vorbei. Kloster Pforta wurde daraufhin zur Fürstenschule umgewandelt. Drei soll es davon in Thüringen gegeben haben.

Bildung in diese Zeit stand lediglich den Jungen zu. Mädchen waren davon ausgeschlossen. 1555 unterstützten die Herzöge das Schulwesen. Es gab Gulden für eine Schule in Schmölln und weitere kleinere Zuwendungen ihrerseits für eine Mägdeleinschule. Organist Johann Müller, der Kirchenmusik sammelte, war zugleich der Lehrer der Mädchen, ist überliefert. 1623, in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges, ist auch eine Lateinschule in Schmölln bekannt.

Herzog Ernst I., der Fromme, als Glücksfall für Thüringen

Ein Glücksfall für Thüringen, dass Herzog Ernst I., der Fromme (1601 bis 1675), regierte. Neben der Elitenförderung mit Gründung des Gothaer Gymnasiums erfolgte auch die Förderung der allgemeinen Grundbildung durch den Schulmethodus 1641, der als erste eigenständige und unabhängig von der Kirche verfasste Schulordnung das Elementarschulwesen institutionalisierte. Es folgte die Einführung der Schulpflicht für Fünf- bis Zwölfjährige im Jahr 1642. Das Thüringer Schulsystem galt als das Beste in den deutschen Landen.

Um diese Zeit gab es in Schmölln vier Lehrer. Der Rektor gab Latein und Griechisch, der Organist unterrichtete Musik und Rechnen. Eine Lehrerin gab es für die Mädchenschule und der vierte Lehrer kam aus dem Handwerk und war für den praktischen Teil der Ausbildung zuständig.

Bei 2000 Einwohnern gab es immerhin 180 Schüler zu dieser Zeit. Davon gingen jeweils um die 20 Jungen in die beiden obersten Klassen (damals Klasse 1 und 2) während Klasse 4 die Abc-Schützen waren. Das Lernen beschränkte sich auf Psalmen und Bibelsprüche. Bildung war nicht so angesagt. Viele blieben zu Hause und halfen bei der Arbeit mit. Heute noch bekannt, ist das 1772 erbaute Schulgebäude auf dem Kirchplatz. Später, also in den 1960er-Jahren, war es Kinderbibliothek und beherbergte das Standesamt.

Anfang des 19. Jahrhunderts kamen geografische Naturgeschichte, Naturlehre, Weltgeschichte und Turnen hinzu. 1872 erfolgte der Neubau der Knabenschule in der heutigen Schloßstraße, der zweite Teil, wie man die Schule noch heute kennt, kam später hinzu. Die heutige Regelschule am Eichberg feierte 2014 ihr 125-jähriges Bestehen. Immerhin sind 17 Lehrer aus dem Jahre 1893 überliefert.

Rudolf Seyfarths Reformen

Der letzte Rektor in Schmölln war jener Rudolf Seyfarth, der auch sehr akribisch Buch über alles führte und somit viel der Nachwelt überlieferte. Er war es, der 1920 den Acht-Klassen-Unterricht in Schmölln einführte. Das Rektorenamt hatte er von 1913 bis 1943 inne. Danach ging er in Rente. Er gilt auch als Begründer der Volkshochschule 1919 in Schmölln und hat nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst sehr viel an der Volkshochschule in den Fünfzigern unterrichtet. Sein Vater August betrieb eine kleine Wirtschaft und war Stadtrat.

Der spätere Rektor besuchte in Schmölln bis 1890 die Schule, ging bis 1895 aufs Lehrerseminar nach Altenburg, unterrichtete 1895 bis 1898 an der Volksschule, von 1896 bis 1902 an der Mittelschule und bis 1913 an der Realschule. Die 600-Jahr-Feier der Stadt hat er maßgeblich organisiert und wurde zum Ratsherrn ernannt. Er publizierte in den Blättern der Heimatpflege und des Altertumsforschenden Vereins und er setzte sich für den Erhalt des Aussichtsturmes nach dem Zweiten Weltkrieg ein.

Enkeltochter zu Gast an einem besonderen Vortragsabend

Es war an diesem Abend ein ganz besonderer Vortrag. Denn zu Gast waren Helga Stich-Streitberger und ihr Mann Hans Stich aus der Schweiz. Helga-Stich-Streitberger ist die Enkelin von Rektor Rudolf Seyfarth und freute sich, dass das Lebenswerk ihres Opas so gewürdigt und in Ehren gehalten wird. Sie steuerte an diesem Abend einige Episoden und Familienbilder aus dem Fundus der Nachfahren bei. So unter anderem Fotos mit den Enkelkindern und Rektor Seyfarth, die sie auf dem Lindenberg, dem letzten Wohnort ihres Opas zeigten. Ein ganz besonderes Erlebnis.