Altenburger Land. Geistliche Gedanken eines Pfarrers aus dem Altenburger Land zum Todestag von Martin Niemöller, welcher sich zum 40. Mal jährt.

„In jedem Menschen den Menschenbruder sehen“ - Gedenken an Martin Niemöller (1892 – 1984)

In diesem Monat jährte sich der Todestag von Martin Niemöller zum 40. Mal. Er führte ein Leben im Widerstand und mit Widersprüchen. Er war U-Bootkommandant im 1. Weltkrieg, Pfarrer, persönlicher Gefangener Adolf Hitlers und Kirchenpräsident. Er war überzeugt vom ökumenischen Gedanken, dass eine Verständigung über alle konfessionellen Grenzen hin möglich ist und ein leidenschaftlicher Friedensaktivist. Im Letzteren hat er mich persönlich schon früh, als Jugendlicher in der DDR, geprägt. Die Hoffnung an ein friedliches Miteinander, trotz der sich verhärtenden, militärisch aufrüstenden Gegenwart, diese nicht aufgeben, war und ist das Gebot der Stunde und davon war auch Niemöller in seinen späten Jahren überzeugt.

Martin Niemöller wurde als Sohn eines Pfarrers am 14. Januar 1892 in Lippstadt geboren und ging nach dem Abitur zur Marine. 1918 wird er U-Bootkommandant und gilt bei den Engländern als „Schrecken von Malta“. Der Kaiser lobt ihn persönlich für das Versenken von Schiffen. Noch im selben Jahr verweigert Niemöller als Kapitän einer zur Abwicklung bestimmten U-Bootflotte den Befehl, die Schiffe nach England auszuliefern, und verlässt die Marine. Er wird zunächst Knecht auf einem Bauernhof und entschließt sich dann, evangelische Theologie zu studieren.

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1931 wird er zum Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem. Zu dieser Zeit ist Niemöller noch sehr deutsch-national geprägt. Schon 1924 hatte er nationalsozialistisch gewählt, 1933 die Einführung des „Führerstaates“ begrüßt. Doch diese Haltung ändert sich im Laufe des Jahres 1933. Niemöller protestiert gegen den Boykott jüdischer Geschäfte und ruft zur Gründung des Pfarrernotbundes auf, der späteren Bekennenden Kirche, dessen Vorsitz er bald übernimmt. Daraufhin wird er aus dem Pfarrdienst entlassen, arbeitet weiter und wird im Juli 1937 verhaftet und kommt ins Untersuchungsgefängnis Moabit. Nach dem Prozess wird er direkt ins KZ Sachsenhausen transportiert. Hitler hatte Niemöller zu seinem persönlichen Gefangenen erklärt und für ihn Isolationshaft angeordnet. 1941 wird er in das Konzentrationslager Dachau verlegt, später in die so genannte Alpenfestung verschleppt, wo ihn ein Trupp Wehrmachtsoffiziere aus den Händen der SS befreit und dem amerikanischen Militär übergibt.

Martin Niemöller setzte sich anschließend intensiv mit seiner Schuld und der Schuld seiner Kirche in den Jahren des Nationalsozialismus auseinander. Erst im KZ sei ihm bewusst geworden, Diese Erkenntnis lässt ihn sein Leben lang nicht mehr los. 1957 wird er zum Präsidenten der Deutschen Friedensgesellschaft gewählt und 1958 zum Präsidenten der Internationale der Kriegsdienstgegner (IdK) und ab 1974 wird er Präsident der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner“ (DFG-VK).

In der Friedensbewegung der frühen 1980er Jahren der BRD hat er maßgeblichen Anteil. Sein Engagement für die weltweite Ökumene und der Fortschreibung des konziliaren Prozesses, für Frieden und Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, blieb bis ins hohe Alter ungebrochen. Am 6. März 1984 starb er im Alter von 92 Jahren.