Schmölln. Im Altenburger Land plaudert Schauspieler, Sprecher, Musiker und Filmkomponist Christian Steyer und berichtet spannende Hintergründe.

Schmölln. Plötzlich ertönte im Saal des Reussischen Hofes eine bekannte Stimme. „O, ein großes Gehege, alle von der selben Gattung. Aber keine Jugend. Die ist wohl in einem anderen Gehege.“ Und dann kam der markante Satz, den man schon öfter gehört hat beim Ansehen der Sendung „Elefant Tiger und Co.“: „ Das schau ich mir mal näher an“. Dann betrat Schauspieler, Sprecher, Musiker und Filmkomponist Christian Steyer den Saal.

Erkannt hatten die Stimme alle in Schmölln

Erkannt hatten seine Stimme alle. Kein Wunder, um die 1070 Sendungen hat der MDR ausgestrahlt, und Christian Steyer hat den einzelnen Beiträgen über den Leipziger Zoo seine Stimme geliehen. Etwa einer Handvoll nicht. Aber da gab es gleich ängstliche Anfragen an den Sender, warum seine Stimme fehlte und ob er denn weitermache. Diese Stimme muss einfach sein, bei der Kultsendung des MDR. Aber dabei ist es nicht nur die Stimme, die dazu beigetragen hat, dass diese Serie, die seit 1. April 2003 ausgestrahlt und neudeutsch als Doku-Soap bezeichnet wird, bei den Einschaltquoten durch die Decke ging. Elf Teile sollten es ursprünglich einmal werden.

Das Fach Klavier hat er einmal studiert, dann aber einen anderen Weg als Schauspieler eingeschlagen. Mittlerweile hat er viele Filmmusiken komponiert.
Das Fach Klavier hat er einmal studiert, dann aber einen anderen Weg als Schauspieler eingeschlagen. Mittlerweile hat er viele Filmmusiken komponiert. © Ulrike Grötsch | Ulrike Grötsch

Es ist natürlich die Thematik der Soap, aber vor allem die gesamte Art und Weise, wie Christian Steyer die verbindenden Worte von einer Szene zur anderen so findet, dass es der Zuschauer liebt, ihm bei seinen Betrachtungen zuzuhören. Er erzählt ganz ruhig, immer mit der richtigen Betonung, ohne Überhöhung, manchmal spitzbübisch und macht immer neugierig auf das Kommende, was im Leipziger Zoo so alles passiert. Auch das scheinbar Nebensächliche wird plötzlich interessant. Nun gut, im Leipziger Zoo gesprochen, das stimmt nicht ganz. Die Texte werden im Tonstudio, mittlerweile in Berlin hinzugefügt. Diese Serie, die er als Off-Sprecher begleitet, macht ihm Spaß. Er kennt natürlich den Zoo samt Mitarbeitern und hat auch persönliche Beziehungen zu verschiedenen Personen, die dem Zuschauer altvertraut sind, geknüpft. Frank Hübschmann entlockte dem prominenten Gast so manche Episode an diesem Abend.

Aktuelle Nachrichten aus dem Altenburger Land

„Ich werde Mozart“, heißt es in Schmölln

Im ersten Teil sprach Christian Steyer von seinem Werdegang. Im Vogtland 1946 geboren, zog der Pfarrerssohn nach Meißen. Er lernte bei seinem Vater das Klavierspielen und versuchte sich mit zehn Jahren an der Orgel. In seiner so in sich ruhenden Art erzählte er, wie er aufs Dorf nahe Grimma zog, weil sein Vater plötzlich Altgriechisch in Leipzig unterrichtete, aber die Familie keinen Zuzug in die Messestadt erhielt und er im Internat lebte. In Grimma ging er auf die EOS. Ihm habe das Internatsleben gefallen, obwohl er gern zuhause war. Aber in der Woche gab es eben keine Kommentare aus dem Elternhaus. Das empfand er als wohltuend. Als kleines Kind nach seinem Berufswunsch befragt, sagte er einmal voller Stolz: Ich werde Mozart.

Dem Berufswunsch blieb er treu, studierte in Leipzig, Musik, zwar nicht bei Mozart aber einem Amadeus Webersinke. Dieser Professor nahm ihn mit nach Dresden. Amadeus Webersinke stellte ihm damals die Frage, ob er betreffs Anhänglichkeit eher Hund oder Katze sei. „Ich bin eher der Hund, gehe mit dem Herrchen mit“, begründete Christian Steyer seine Entscheidung und wechselte mit seinem Lehrmeister an die Elbe. Nach dem Abschluss des Musikstudiums wollte er weder Musiklehrer noch Korrepetitor werden und ging an die Schauspielschule „Ernst Busch“ nach Berlin. Ein zweites Studium gleich im Anschluss. In der DDR eigentlich unmöglich. Doch ihm gelang es dank einer genialen Umschreibung des Studiums, in dem das Zauberwort Qualifizierung zur Anwendung kam. Und siehe da, er ging nach Berlin. Noch während dieser Zeit kam seine erste Filmbesetzung in „Es ist eine alte Geschichte“. Bekanntlich folgte dann „Die Legende von Paul und Paula“. Wie es denn so war mit Angelika Domröse zu spielen, wollte man wissen. „Es war schon schön, so bekannte Leute kennenzulernen“, meinte der Gast daraufhin sehr schlicht. Sensationslust und Gier nach Glamour sind nicht sein Ding. Das spürte man.

Plauderstunde der besonderen Art in Schmölln

Von 1973 bis 1978 war er Keyboarder und organisatorischer Leiter der Gruppe ETC, die sowohl als Studio- als auch Live-Band für Frank Schöbel tätig war, obwohl das Genre Schlager nicht seine bevorzugte Musikrichtung ist. Aber er kam dadurch in der Welt herum und brachte sich Musikinstrumente oder Tontechnik mit, die hier rar waren. Später und bis heute widmet er sich nur noch der Schauspielerei und der Komposition von Filmmusiken. JEin ETC-trächtiger Abend, das wusste der Gast jedoch nicht, der ETC als Band und als Abkürzung für die Zoo-Serie besetzt. Moderator Frank Hübschmann hat es bekanntermaßen auch mit dem ETC. Er fungiert als Stadionsprecher des ETC Crimmitschau. Etwas völlig anderes, ETC, der Eishockey und Tennisclub Crimmitschau.

Der Musiker und Komponist Christian Steyer war am Abend auch mehrfach am Flügel zu erleben. Er las aus einem seiner Gedichtbände Kurzweiliges über Tiere. Zum Schluss gab er auch noch in leicht jüdischem Dialekt Altersweisheiten von Stefan Heym von sich. Die sind bekanntlich auch mit feinsinnigem Humor bestückt. Ein unvergesslicher Abend mit einem äußerst angenehmen und sympathischen Gast und einem Könner noch dazu, der charmant und witzig ist. Einer, dem man auch wegen seines ganzen Wesens, seiner Natürlichkeit zuhört und nicht nur wegen seiner so angenehmen Stimme.