Gößnitz/ Altenburger Land. Zukunft der Uhrmacherei ungewiss: Volkmar Knapp aus dem Altenburger Land teilt Einblicke und Sorgen ums traditionelle Handwerk.

In der Gemeinde Gößnitz, und darüber hinaus auch deutschlandweit, ist er sehr bekannt und geschätzt für sein Handwerk: Uhrmacher Volkmar Knapp von der Firma „Knapp Turmuhren-, Glocken und Läuteanlagen Maria Fe Knapp“. Der Name Maria Fe Knapp ist der Name seiner Frau. „Ich bin quasi angestellt“, lacht Volkmar Knapp.

Das Ladengeschäft in der Gößnitzer Mittelstraße 23 steht schon lange leer.
Das Ladengeschäft in der Gößnitzer Mittelstraße 23 steht schon lange leer. © OTZ | Kathleen Niendorf

Ladengeschäft in Gößnitz steht bereits lange Zeit leer

Wenn man vor dem Ladengeschäft in der Gößnitzer Mittelstraße 23 steht, sieht man lediglich verlassene und nicht mehr gepflegte Räume. „Ich habe das Ladengeschäft in Gößnitz bereits 1991 verlassen und war dann bei der Bernhard Zachariä GmbH in Leipzig. Sogar als Geschäftsführer. Mein Bruder hatte das Geschäft in Gößnitz damals noch ein paar Jahre als Uhren- und Schmuckladen weitergeführt. Gegründet hat den Laden ursprünglich einmal mein Großvater Albert Knapp, im Jahr 1924.“ Dass der Laden nun leer steht, bedauert Volkmar Knapp nicht so sehr: „Alles hat seine Zeit, das steht sogar schon in der Bibel.“

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Knapp ist in Crimmitschau geboren, ist aber seit 1959 in Gößnitz heimisch und seit 2005 wieder dauerhaft wohnhaft hier. Der Vater wollte damals, dass er Uhrmacher wird. Mittlerweile kümmert sich Volkmar Knapp vorwiegend um Turmuhren und Glockenläuteanlagen und ist, laut eigener Aussage, den ganzen Tag auf Achse. Eine 5-Tage-Woche gibt es bei ihm nicht. „Es ist eben jeder Tag so, wie die Arbeit reinkommt. 5 Tage Arbeit wären da zu wenig.“ Der Uhrenexperte ist dabei in ganz Deutschland unterwegs.

Wenn Volkmar Knapp auf sein ereignisreiches Arbeitsleben zurückschaut, fällt ihm sofort ein einschneidendes Erlebnis ein. Er habe damals den Strohsack in Leipzig gebaut, eine Bodenuhr in der Leipziger Strohsackpassage. Um die Uhr zu schützen, sollten damals Schwellsteine um das Kunstwerk gelegt werden. Allerdings wurde dann im Nachhinein die Gebäudebelegung geändert, sodass dies platztechnisch nicht mehr möglich wurde. Und schlussendlich fuhr dann eine Reinigungsmaschine über die kostbare Uhr und sorgte dafür, dass sie blind wurde. Das musste damals aufwendig behoben werden.

Das aktuelle Projekt von Volkmar Knapp: In seiner Werkstatt wartet er einen selbststeuernden elektrischen Aufzug, der in Prießnitz bei Naumburg eingebaut werden wird. Zur Arbeit gehört beispielsweise, das Werk zu reinigen und die Zapfen zu polieren.
Das aktuelle Projekt von Volkmar Knapp: In seiner Werkstatt wartet er einen selbststeuernden elektrischen Aufzug, der in Prießnitz bei Naumburg eingebaut werden wird. Zur Arbeit gehört beispielsweise, das Werk zu reinigen und die Zapfen zu polieren. © OTZ | Kathleen Niendorf

Kein Nachwuchs in Gößnitz in Sicht

Sollte Volkmar Knapp einmal eines Tages seine Arbeit niederlegen, sieht es schlecht mit dem Nachwuchs aus. „Ich habe zwar schon Praktikanten gehabt, aber die haben immer nach zwei Wochen das Handtuch geworfen, weil es ihnen schlicht zu anstrengend war. Man muss Leitern hoch und runter und es ist körperlich natürlich herausfordernd. Ausbilden würde ich wirklich auch gern, aber dafür bin ich schlicht in einem zu hohen Alter. Es gibt derzeit keinen Nachwuchs in meinem Handwerk. Und das ist ja auch immer eine Vertrauenssache, man bekommt den Kirchenschlüssel ausgehändigt und turnt da selbstständig herum. Ich werde meine Arbeit aber noch so lange ausführen, wie es mir möglich ist.“

Einen Wunsch, der ihm sehr am Herzen liegt, äußert Volkmar Knapp gegenüber dieser Zeitung noch: „Die Bevölkerung soll erkennen, dass das Internet nur Mittel zum Zweck ist. Und dass es auch noch ein Leben außerhalb des Internets gibt. Manchmal treffen sich Leute im Café und sprechen gar nicht mehr miteinander, sondern senden sich Nachrichten über ihre Telefone. Wo soll das dann nur hinführen?“