Altenburger Land. Hilfe ohne Hürden im Altenburger Land: Weiße Ring steht Opfern mit Rat und Tat zur Seite – von Anzeige bis Gericht.

  • Diese Unterstützung gibt es im Altenburger Land.
  • Präventionskurse und individuelle Beratung.
  • Wenn Scham und Angst Aufarbeitung schwierig machen.

Wenn man Ivy Bieber, die die Außenstelle der Opferorganisation Weiße Ring im Altenburger Land leitet, fragt, wie viele Kriminalitätsopfer des im Kreis gibt, dann holt sie tief Luft und sagt: „Da muss man – denke ich – drei Sachen unterscheiden. Erstens: die Dunkelziffer, die mit Sicherheit sehr hoch ist. Zweitens: Die bei der Polizei gemeldeten und angezeigten Fälle. Und drittens: die Fälle, die von uns betreut werden. Das sind zwischen 20 und 40 im Jahr.“

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Wichtig ist ihr klarzustellen: „Nicht jeder kurze Anruf oder jede Info, die wir am Telefon geben, wird von uns als Fall geführt. Aber wir können durchaus umfassend und den ganzen Fall hindurch beratend zur Seite stehen – vom Gang zur Polizei, um eine Anzeige zu erstatten, bis hin zur und die ganze Gerichtsverhandlung hindurch.“

Meistens Sexualdelikte und Fälle häuslicher Gewalt

Die mit Abstand häufigsten Fälle, die sie betreut, sind Sexualdelikte und Fälle von häuslicher Gewalt. Natürlich auch Fälle von Mobbing, Stalking, Betrug und Gewaltdelikte – die alle aber wesentlich weniger als die beiden erstgenannten.

Und mit was für Problemen kommen die Menschen zum Weißen Ring? „Die meisten wissen tatsächlich erst einmal nicht, wie sie den richtigen Ansprechpartner finden. Die Zuständigkeiten sind nämlich oft nur schwer zu durchschauen“, sagt Ivy Bieber. Da kann der Weiße Ring eine Hilfe sein, weil: „Nicht zuständig – das gibt es bei uns nicht. Wenn wir mal nicht weiter wissen, dann vermitteln wir einen Kontakt und gehen sicher, das dort auch geholfen wird“, sagt sie und betont: „Im Mittelpunkt steht dabei immer, was das Opfer will und nicht, was wir denken, was richtig ist.“

Scham und Angst machen eine Aufarbeitung oft schwierig

Und warum ist es für die Betroffenen immer noch so schwierig, offen darüber zu reden, dass sie überfallen oder betrogen wurden? „Dafür gibt es sicher viele Gründe. Die wichtigsten sind Scham und Angst“, sagt Ivy Bieber. Denn man müsse sich ganz klar machen, dass jede strafrechtliche Anzeige auch Konsequenzen hat, die zu möglichen, unangenehmen Folgeschäden führen kann.

Weißer Ring Altenburger Land: Opferhelfer Ivy Bieber (l.) und Volker Siegmund im Gespräch mit Gerlinde Kirmse.
Weißer Ring Altenburger Land: Opferhelfer Ivy Bieber (l.) und Volker Siegmund im Gespräch mit Gerlinde Kirmse. © OTZ | Jana Borath

„Nehmen wir ein Sexualdelikt“, gibt die Beraterin ein konkretes Beispiel. „Wenn ich den Täter anzeige und er nicht sofort in Gewahrsam genommen wird, dann kann es sein, dass der Täter auf die Idee kommt, sich zu rächen. In der Regel passiert das nicht, aber man sollte sich vorher Gedanken über solche möglichen Entwicklungen machen.“

Prävention ist auch: Als Opfer nicht zum Täter werden

Kann man irgendetwas tun, um sich selbst ein wenig davor zu schützen, ein Kriminalitätsopfer zu werden? „Inzwischen sagen wir beim Weißen Ring: Das beste Opfer ist das, das keines wird. Wir geben Präventionskurse, in denen wir natürlich zum einen Tipps geben wie ständig Acht zu geben, möglichst nicht nachts allein unterwegs zu sein oder worauf man bei Telefongesprächen mit Unbekannten achten sollte. Aber jeder kann Opfer einer Sachbeschädigung, eines Angriffs oder einer Vergewaltigung werden. Und ein wesentlicher Teil unserer Präventionskurse dreht sich darum: Wie gehe ich damit um, wenn etwas passiert“, beschreibt Ivy Bieber und unterstreicht: „Wichtig ist, nicht in Panik zu verfallen und unüberlegt Fehler zu begehen. Also zum Beispiel nicht zum Täter zu werden, indem man selbst den Angreifer von hinten attackiert. So etwas landet nämlich auch vor Gericht – und dann wäre man doppelt zum Opfer geworden.“

Wenn man also eine Person kennt, die gerade zum Kriminalitätsopfer geworden ist, dann sei es das Wichtigste, für diese Person da zu sein und sie zu beruhigen, damit sie nicht aus ihrer emotionalen Situation heraus falsche Entscheidungen trifft. Später könne man ihr dann immer noch eine Beratung beim Weißen Ring nahelegen.

Es können individuelle Wünsche zu Kursen geäußert werden

Und was bedeutet ihr persönlich der Tag der Kriminalitätsopfer? Die Opfer-Beraterin überlegt kurz und meint dann: „Für mich ist eigentlich jeder Tag ein Tag des Kriminalitätsopfers. Aber Außenstehende brauchen so einen Gedenktag natürlich, um sich dieses wichtigen Themas wieder einmal bewusst zu werden.“

Eines ist Ivy Bieber, die auch im Netzwerk Häusliche Gewalt aktiv ist, am Ende mit Hinblick auf die Präventionsveranstaltungen wichtig: „Wir können Präventionsvorträge zu den verschiedensten Themenbereichen halten und haben auch entsprechende Handzettel dafür – vom Fahrraddiebstahl bis zum Cyber-Mobbing. Und: Wir nehmen auch individuelle Wünsche an. Wenn jemand einen Vortrag zu einem bestimmten Thema haben möchte – einfach anrufen.“

Weitere Tipps und Informationen zum Thema finden Interessierte unter: altenburger-land-thueringen.weisser-ring.de, thueringen.weisser-ring.de, handle-jetzt.de oder telefonisch bei Ivy Bieber unter: 0 15 15 / 5 16 48 39.