Altenburger Land. Altenburger Land: Superintendentin Annette von Biela will nicht auf den großen starken Mann warten

Wann haben Sie das letzte Mal so richtig gejubelt? Zusammen laut jubeln – am ehesten noch beim Fußball-Gucken, vermute ich. Die Menschen in Jerusalem haben gejubelt, als Jesus in die Stadt einzog. Was sie sich von ihm erhofften? Vielleicht, dass er alles wieder in Ordnung bringt. Dass er dafür sorgt, dass die religiösen Eliten nicht mehr so abgehoben agieren. Dass er die römischen Soldaten und die römische Verwaltung aus dem Land jagt.

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Abgehobene Eliten, überbordende Verwaltung – das klingt vertraut, finde ich. Und manchmal denke ich, dass viele Menschen heute jubeln würden, wenn ein Mann endlich mal alles in die Hand nimmt und aufräumt. Ist das die Lösung? Für Jesus nicht. Er reitet auf einem jungen Esel. Von dem großen, starken Mann würde man anderes erwarten. Was? Mindestens ein Pferd, und Gefolge; prächtig und außergewöhnlich. Alles das war anders – gewöhnlich, ärmlich.

Jesus ist nicht der große Held, der Überflieger, der Strahlemann. Jesus ist der, der sich verraten lässt von Judas, seinem Freund. Jesus ist der, der sich verleugnen lässt, von Petrus, seinem Freund. Er hat keine Macht. Jesus ist der, der sich töten lässt von den Mächtigen. Und wofür?

Die Geschichte endet nicht mit seinem Tod am Kreuz. Auch wenn es die Freunde und Freundinnen Jesu zuerst so erleben. Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sie geht weiter. Jesus lebt neu. Anders. Jesus begegnet seinen Freunden. Das Spannende an den Ostergeschichten der Bibel ist, dass so verschieden davon berichtet wird, wie Jesus den Menschen begegnet – so wie sie es brauchen, wie sie es verstehen können.

Und wir? Begegnet uns Jesus? Haben wir eine Chance? Ja, haben wir. Jesus begegnen: in einem Lied, im Mitgefühl eines Menschen, im stillen Händedruck am Grab, in einem Film, der mir zu Herzen geht, in einem Gottesdienst, indem ich spüre: Ich bin gemeint, so wie ich bin. Ist das Grund zum Jubeln? Ja! Vielleicht nicht gleich. Vielleicht erst verhalten. Vielleicht mit einem Lachen, wenn ich erlebt habe, dass Jesus mich meint, dass er für mich gestorben und auferstanden ist. Und der Jubel auf der Straße? Heute?

Ich will nicht, dass wir auf den großen, starken Mann warten, der alles gut macht. Ich will, dass wir das tun, was in unserer Macht steht: miteinander im Gespräch bleiben, Meinungen austauschen und aushalten, dafür kämpfen, dass die Menschenrechte für alle gelten. Das wäre ein Grund zum Jubeln.