Altenburger Land. Altenburger Land: Vom Dornröschenschlaf zum lebendigen Quartier - das plant die Stadt Altenburg für ihr Martinsgässchen.

  • Förderprogramm „Hof_halten“ solls möglich machen.
  • Grüne Oase: Martinsgässchen soll blühen.
  • 800.000 Euro für Ideen.

Als Marko Heinke vom Stadtforum Altenburg die alte Holztür am Markt 18 öffnete, konnte man die Dimensionen erahnen, die eine Gasse dahinter haben würde. Eng und niedrig begann der Weg zu den Treppen, die neun Höhenmeter überwinden. Die Gasse gehört zu den ältesten der Stadt und war eine beliebte Abkürzung zwischen Markt und Johannisstraße. Doch seit vielen Jahren ist sie geschlossen und durch eine Mauer zur Sackgasse geworden. 2013 bereits wollte das Stadtforum das Martinsgässchen aus seinem Dornröschenschlaf erwecken. Doch es geschah nichts. Jetzt ließ die Stadt rund 40 Interessenten hinein.

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Sie schlängelten sich den Weg entlang bis zu einem kleinen Hof, der durch das Abluftsystem eines anliegenden Unternehmens dauerbeschallt wurde. Dessen unbeirrt nahmen die Besucher den Zustand der Gasse unter die Lupe und teilten manche Erinnerung untereinander.

Leerstand besonders in den oberen Etagen

Was besonders ins Auge fiel, waren die ringsum leerstehenden und teils baufälligen Gebäude, die die Gasse säumen. Selbst im Gebäude des Optikers stehen die Etagen über dem Geschäft leer. Und hier liegt der sprichwörtliche Hund begraben. Es müssten Nutzungsideen her, die auch wirtschaftlich tragfähig seien, sagte Gernot Lindemann vom Büro für Kreative Stadtentwicklung, Sanierung und Denkmalpflege in Leipzig.

„Hof_halten“ bezahlt Ideenfindung

Die Stadt möchte die Gasse wieder öffnen und zu einer Attraktion machen, sagte Oberbürgermeister André Neumann (CDU). Deshalb habe man sie gekauft und in das Förderprogramm „Hof_halten“ aufgenommen. 2022 wurden 200.000 Euro freigegeben, 600.000 Euro kommen bis 2025 vom Bund für Ideen der Belebung und Gestaltung.

Projektkoordinator Gernot Lindemann erklärt den Besuchern im kleinen Innenhof die Ideen zur Belebung des Altenburger Martinsgässchens.
Projektkoordinator Gernot Lindemann erklärt den Besuchern im kleinen Innenhof die Ideen zur Belebung des Altenburger Martinsgässchens. © Funke Medien Thüringen | Petra Lowe

Doch eh die Träume wahr werden, wird noch viel Wasser die Blaue Flut hinunterfließen. Den Besuchern des außerordentlichen Gangs jedoch präsentierte Planer Lindemann, Varianten, wie die Aufgabe gelingen könnte. Schautafeln im kleinen, mit Wildwuchs begrünten Innenhof verdeutlichten dem Laien, wohin die Reise geht.

Planungsansätze, die Eigentümer überzeugen sollen

Erster Fokus: Senioren, die das Marktleben aus ihren Fenstern in den oberen Etagen beobachten könnten und zu Gasse und Hof hin eine grüne, ruhige Oase finden. Vorhandene Wohnflächen von 60 bis 70 Quadratmetern wären dafür geeignet, doch müssten saniert werden, so Lindemann. Dachterrassen und Lofts wären denkbar, die Licht von oben hereinließen. Grün bepflanzte Loggien könnten Balkone ersetzen. Inzwischen liefen Gespräche mit allen Eigentümern, immerhin beklagen sie einen Leerstand von 50 Prozent.

Neun Höhenmeter müssen im Martinsgässchen vom Altenburger Markt bis zur Johannisstraße überwunden werden.
Neun Höhenmeter müssen im Martinsgässchen vom Altenburger Markt bis zur Johannisstraße überwunden werden. © Funke Medien Thüringen | Petra Lowe

Was am Markt noch als Geschäftsetage funktioniert, tut es nicht zwingend im zweiten oder dritten Stock. Es seien hoffnungsvolle Signale, die er zurückbekäme, sagte Lindemann. Probleme? Lindemann zählt auf: ungünstige Raumgeometrie, verschachtelte Grenzverläufe der Grundstücke, fehlende Zufahrten und Wegerechte, gemeinsame Giebelwände, das unterirdische Höhlersystem oder der Sanierungsstau bei maroder Bausubstanz. Dennoch. „Die Eigentümer ziehen mit, wenn sie einen Vorteil für die Nutzung in der Zukunft sehen. Ob nun mit Seniorenwohnungen, für die ein Aufzug eine spezielle Herausforderung wäre, oder Büroräume für Start-up-Unternehmer oder temporäre Unterkünfte.“

Drei Millionen Euro allein fürs Martinsgässchen

Ohne Beteiligung der Eigentümer und ihre Investitionen, bliebe die Gasse ein dunkles Stück verschlossene Geschichte. Das weiß auch Lindemann. Immerhin, mit insgesamt 800.000 Euro Förderprogramm „Hof_halten“ geht die Stadt mit neuen Ideen und Planungsansätzen in Vorleistung. Das Ende der Fahnenstange ist das natürlich nicht. Die Gasse selbst benötigt eine helfende Hand. Drei Millionen Euro an Kosten, überschlägt Lindemann. Außerdem ist das Haus Johannisstraße 47 mit kleinerer Pforte des ehemaligen Gassenausgangs marode. Um das Schlimmste zu verhindern, hat die Stadt auch dieses Haus gekauft. Blieben außerdem die Mauer, abzureißende Überbauten und die Seitenbereiche der Gasse.

Der besondere Blick

Aber all das würde sich schon wegen eines besonderen Blicks lohnen. Inmitten des Martinsgässchens lockt der gotische Giebel eines 1482 erbauten Speichers. Im Areal befand sich im 12. und 13. Jahrhundert die Margarethenkapelle, deshalb hält sich hartnäckig die Meinung, es handele sich bei dem Giebel um einen Teil der Kapelle. Es braucht nicht viel, um den Traum Lindemanns vom belebten Gässchen mitzuträumen. Noch war es ein „Hof_halten“. Doch die Vorstellung des bewachsenen Innenhofes inmitten bewohnter Gebäude des Martinsgässchens entspricht dem Konzept einer grünen Innenstadt mit Pocket-Gärten. Ein Traum, der mit der Landesgartenschau 2030 wahr werden soll. Das Geld sollte dafür reichen.

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