Meinung: Mittel gegen Verdunstung

Reno Christoph, ist Pfarrer im Diakoniezentrum Bethesda Eisenberg
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Reno Christoph

Reno Christoph

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Reno Christoph ist Pfarrer im Diakoniezentrum Bethesda Eisenberg

Der Wochenspruch für die kommenden Tage steht im Lukasevangelium, Kapitel 13, Vers 29. Jesus sagt: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ Eingebettet ist dieser Spruch in die Erfahrung, die Jesus gemacht hatte, als er von Gott sprach: es fällt Menschen schwer, einen Weg mit Gott zu finden. Einfacher ist es für sie, nicht nachzudenken über sich und was Gott mit ihnen vorhat. „Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht“, sagt er.

Diese Erfahrung mache ich auch. Die meisten Menschen begegnen dem Glauben in ihrem Alltag nicht mehr. So verdunstet der Gedanke an Gott in ihnen, wie eine Pfütze auf einem Feldweg austrocknet. Diese Verdunstung spüre ich auch in Familien: die Großeltern beteten und gingen in den Gottesdienst, deren Kinder lebten den Glauben kaum noch, schickten ihre Kinder noch in die Konfirmandenkreise. Diese wiederum verstanden die „Predigt“ ihrer Eltern, die zu den Gottesdiensten der Gemeinde nicht mitkamen, und hielten sich nach ihrer Konfirmation von ihrer Gemeinde fern. Diese Feststellung soll kein Vorwurf sein, sie bestätigt aber, wie schwer es heute Menschen fällt, im Glauben zu leben. Es braucht für sie regelmäßige Begegnungen mit Menschen, die vielfältig ihren Glauben leben. Es ist gut, wenn wir im ersten Gottesdienst der Allianzgebetswoche diese Unterschiedlichkeit spüren.

Am 29. Januar wird Carolin Arnold aus Weischwitz um 10 Uhr in der Eisenberger Stadtkirche erzählen, wieso ihr Glaube für sie grundlegend ist, um ihre Landwirtschaft, ihre Imkerei und ihren Gästebetrieb nachhaltig zu betreiben. Ich freue mich darauf, denn die Unterschiedlichkeit derer, die glauben, ist für mich ein wichtiges Mittel auch gegen die Verdunstung meines Glaubens.