In Gera lebende US-Amerikaner zeigen ein zerrissenes Bild

Gera.  In Gera lebende US-Bürger und Einwohner der Partnerschaft Fort Wayne zeigen auf, wie die Stimmungslage in den USA ist.

Julie Ann und Frank Casser, Inhaber von Franks Burger-Licious BBQ im Sächsischen Bahnhof.

Julie Ann und Frank Casser, Inhaber von Franks Burger-Licious BBQ im Sächsischen Bahnhof.

Foto: Peter Michaelis

Eine Rekordzahl Amerikaner hat bereits brieflich abgestimmt. Am 3. November entscheidet sich, wer der nächste US-Präsident sein wird. Bleibt der Republikaner Donald Trump vier weitere Jahre im Amt oder zieht der Demokrat Joe Biden ins Weiße Haus in Washington D.C. ein? Wie ist die Stimmung bei den in Gera lebenden US-Amerikanern und bei den Bürgern in der Partnerstadt Fort Wayne?

Erst kürzlich habe Norbert Geißler mit seiner Schwester in den USA telefoniert. Sie lebt seit 25 Jahren in Troy im Bundesstaat Michigan und arbeitet für die Regierung im Gesundheitswesen. Von ihr erhält der Bruder, der auch Vorsitzender der Partnergesellschaft Gera - Fort Wayne ist, kurz vor der Wahl ein Stimmungsbild. „Das Land ist sehr gespalten. Anhänger von Trump meinen, der Präsident hätte seine Wahlversprechen gehalten. Sie schätzen, dass er sagt, was er denkt. Biden-Sympathisanten hoffen auf einen Sieg des Demokraten, um der USA wieder zu mehr Ansehen in der Welt zu verhelfen“, so Norbert Geißler. Im ständigen Kontakt steht er auch mit Lorie Freiburger aus der US-Partnerstadt.

Arbeitsplätze geschaffen

Die Vorsitzende des German Sister City Committee sei froh, wenn die Wahl vorbei sei. Trumps schlechtes Management während der Corona-Pandemie habe seit Februar seiner Kompetenz Schaden zugefügt. Andererseits gewann er Fans, weil er in den Autostädten Detroit und Chicago, beide liegen nahe bei Fort Wayne, Arbeitsplätze geschaffen hat.

Neben der Präsidentenwahl ist ausschlaggebend, wie sich der Kongress in Zukunft zusammensetzt. Hier könnten die Demokraten die Mehrheit gewinnen, meint sie.

Frank Casser betreibt mit seiner Frau seit 2014 Frank’s Burger-Licious BBQ im Sächsischen Bahnhof. Der gebürtige Münchner hat 35 Jahre in den Südstaaten gelebt, bevor er 2010 nach Deutschland zurückgekehrt ist. „Meine Julie Ann ist gebürtige Amerikanerin. Wir schauen uns genau an, was passiert. Ich meine, die deutschen Medien geben kein korrektes Bild von Trump wieder. Er wird zu negativ dargestellt. In Massachusetts lag zum Beispiel fast die gesamte Textilindustrie brach. Unter Trump wurde dieser Bereich wiederbelebt und es wurden viele Arbeitsplätze geschaffen. Aber beide Männer sind alt, Joe Biden 78 Jahre. Was passiert, wenn er unter Stress steht. Egal, wer gewinnt, Industrie wird die Politik und die Wirtschaft steuern.“

Julie Ann plädiert für Trump: „Er ist ein Geschäftsmann und kein Politiker. Er tut viel für Ökonomie. Er bringt Jobs und verringert die Arbeitslosigkeit und so kommen mehr Steuern in die Kassen. Mein Mann und ich sind selbstständig. Wir wissen, wovon wir reden.“

Weg für Dialog ebnen

Für Joe Biden hat Peter Nelson per Briefwahl gestimmt. Der gebürtige US-Amerikaner lebt mit seiner Familie seit 1991 in Gera und ist Kontrabassist im Philharmonischen Orchester Altenburg Gera. „Seit seinem Amtsantritt hat Trump großen Schaden angerichtet, außenpolitisch und innenpolitisch.“ Peter Nelson zählt auf: Trump will gänzlich die Krankenversicherung abschaffen. Er hat die Unruhe im Land geschürt, es vier Jahre nur gespalten. Durch ihn wurden die internationalen Beziehungen zwischen Nachbarn und Partner stark beschädigt. „Ich bin ein Fan von Kamala Harris, die offizielle Vizepräsidentschaftskandidatin der US-Demokraten. Sie setzt sich für die armen Leute und die Minderheiten ein. Ich halte sie für integer.“

Der Musiker hofft, dass die Demokraten gewinnen und mit ihnen der Weg zu Dialogen frei ist. „Nach meiner Briefwahl habe ich mir keine Nachrichten mehr angeschaut, weil mich das alles nur ärgert.“

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