Neuärgerniß/Nässa. Sieben junge Männer aus dem Landkreis Greiz starben im Sommer 1946. Der sowjetische NKWD hat sie als angebliche „Werwölfe“ exekutiert. Wie die Geschichte bis heute wach gehalten wird.

Im Rahmen eines Projektes von Neuntklässlern der Regelschule Triebes haben sich am Samstagnachmittag rund zwanzig Menschen aus der Umgebung am Gedenkstein am Wegesrand zwischen Nässa und Neuärgerniß eingefunden.

Regelschul-Direktorin Undine Schröter begrüßte unter anderem den Triebeser Ortsbürgermeister Axel Wagner (CDU) und Mehlas Ortsteilbürgermeister Dieter Swierczek (parteilos) zur Gedenkveranstaltung, die von einem Bläserquartett musikalisch umrahmt wurde. Man gedachte den von der russischen Besatzungsmacht zu Unrecht verurteilten und erschossenen sieben Jugendlichen.

Jugendliche im Landkreis Greiz absolvieren Projekt zu getöteten Jugendlichen

Schulleiterin Schröder rief dazu auf, der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. „Die Mahnung zum Frieden hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Hundert Jahre nachdem in Verdun und Ypern junge Menschen in den Schützengräben starben, passiert das Gleiche heute wieder in der Ukraine. Wir gedenken auch den Opfern des Terrors und der Gewalt im derzeitigen Nahostkrieg“, so die Direktorin.

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Alina Rosenkranz, die mit ihren Klassenkameraden ein Projekt zu den im so genannten Metchwald getöteten Jugendlichen erarbeitet hatte, sprach das Totengedenken. Direktorin Schröder erinnerte daran, dass die sieben jungen Männer zwischen 17 und 21 Jahren vom NKWD, einer Geheim-Abteilung des sowjetischen Innenministeriums willkürlich erschossen wurden. Verhaftet worden seien sie als vermeintliche „Werwölfe“, also Mitglieder einer NSDAP-Untergrundorganisation nach dem zweiten Weltkrieg. Wie ein Zeitzeuge berichtet habe, seien die Jugendlichen nachts verhört und von einem Militärgericht zu langen Haft- oder Todesstrafen verurteilt worden. Elfmal wurde die Todesstrafe verhängt, vier der Todesurteile wurden in hohe Haftstrafen umgewandelt.

Angehörige der Getöteten kommt zur Gedenkveranstaltung im Landkreis Greiz

Das berichtete Undine Schröder von den Geschehnissen in der Villa im Gartenweg 2 in Greiz. Vor Jahren sei das Geschehen aufgearbeitet und eine Gedenktafel gegen das Vergessen angebracht worden.

Dennoch seien sieben unschuldige Jugendliche im Juni 1946 exekutiert worden, nachdem ihre Gnadengesuche im Mai kein Gehör fanden. So erschossen die NKDW-Leute am 4. Juni 1946 Walter Wild aus Fröbersgrün, Walter Raschker aus Schönbach, Theo Reiher aus Bernsgrün, Werner Burger und Wolfgang Heber aus Hohndorf und nur neun Tage später Karl Hackinger aus Cossengrün und Franz Künzel aus Fröbersgrün.

Am Stein im Wald bei Nässa erinnerte auch Sieglinde Hegner (heute 83 Jahre) an ihren Bruder Theo Reiher, der unter den Opfern war.