Greiz. Wenn zum „Tag der Archive“ auch das Greizer Landesarchiv am Sonntag seine Türen öffnet, können Gäste eine besonders morbide Speisekarte bestaunen.

Wenn am kommenden Sonntag, dem 3. März, von 11 bis 15 Uhr die Greizer Niederlassung des Thüringer Landesarchivs in der Friedhofsgasse 1 a in Greiz seine Türen für interessierte Einwohner und Besucher der Stadt öffnet, dann können diese eine ziemlich morbide Entdeckung machen. Neben fürstlichen Menükarten und Utensilien aus dem einst hochherrschaftlichen Fürstenhaus Reuß gibt es auch eine recht unscheinbare Rechnung, auf deren Basis Archivdirektor Hagen Rüster eine schicke Vitrine gestaltet hat. „Es handelt sich um eine Rechnung für die Henkersmahlzeit von Marie Rosine Strauß, der letzten zum Tode verurteilten Mörderin in Greiz“, erzählt der Archivboss.

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Archivtag rund um Thema „Essen und Trinken“ am Sonntag, dem 3. März in Greiz

Darauf kann man nachlesen, dass die kriminelle Dame, die ihre Nebenbuhlerin kaltblütig erschlagen hatte, anderthalb Pfund Himbeeren, eineinhalb Flaschen Malaga-Süßwein und einen Pfefferminz-Schokokuchen als letzte Speise beim Hoflieferanten Heinrich Müller bestellt hatte. Diese Speisen und ein Foto der Mörderin und natürlich die erwähnte Rechnungskopie können die Besucher am „Tag der Archive“ in Augenschein nehmen, der dieses Jahr unter dem Motto „Essen und Trinken“ steht.

Neben Menükarten des Fürsten ist auch die Rechnung einer Henkersmahlzeit zu bestaunen

Der „Tag der Archive“ wird im zweijährigen Rhythmus deutschlandweit veranstaltet. Das Staatsarchiv Greiz, eine Abteilung des Landesarchivs Thüringen, präsentiert an seinem Standort eine kleine Archivalienausstellung. Dabei kann man unter anderem die erwähnten fürstlich-reußischen Menükarten bestaunen, aber auch Anweisungen zur Verwendung von Lebensmitteln in Krisenzeiten, Lebensmittelkarten und anderes ausgewähltes Archivgut rund um das Thema Kulinarik.

Das war die letzte hingerichtete Mörderin aus Greiz

In der Vitrine zur Henkersmahlzeit der letzten hingerichteten Greizer Mörderin ist auch ein Bild von Marie Rosine Strauß zu sehen. 
In der Vitrine zur Henkersmahlzeit der letzten hingerichteten Greizer Mörderin ist auch ein Bild von Marie Rosine Strauß zu sehen.  © Funkemedien Thüringen | Ingo Eckardt

Marie Rosine geschiedene Strauß übrigens wurde im Oktober 1864, also vor fast 160 Jahren auf einem Feld bei Dölau hingerichtet. Es handelt sich wohl um die letzte öffentliche Hinrichtung im deutschen Raum nach dem alten Recht. Die damalige Gerichtsbarkeit kam zu dem Urteil, dass die 43-Jährige, die mit ihrem Vermieter Traugott Feustel wohl eine außereheliche und mit einem unehelichen Kind besiegelte Liasion unterhielt, dessen ebenfalls 43-jährige Gattin erschlagen hatte. Danach wollte sie einen Selbstmord aus Gram über den untreuen Ehemann der Ermordeten vortäuschen. So schreibt es Justizamtmann Albert Möve nach dem Studium der Akten im Greizer Staatsarchiv. Erst weil die Tochter sich in der Schule verplapperte, kam man der Mörderin einst auf die Schliche.

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Kurzweilige Ausstellung im Greizer Staatsarchiv läuft noch bis Ende April

Diese Geschichte und viele mehr können Neugierige bei einem Blick hinter die Kulissen der eher unbekannten Kulturinstitution in Greiz werfen. Es werden auch zwei Archivführungen (um 11.30 und 13.30 Uhr) angeboten. Aus der Archivbibliothek ausgesonderte Mehrfachexemplare von Büchern werden an diesem Tage kostenfrei an Interessenten abgegeben. Auch Fragen zu den Beständen des Staatsarchivs und deren Benutzung beantworten die Mitarbeiter des Staatsarchivs. Die Archivalienausstellung wird nach dem „Tag der Archive“ noch bis Ende April zu sehen sein und kann während der Öffnungszeiten des Staatsarchivs besucht werden – Montag 10 bis 16 Uhr, Dienstag 8 bis 18 Uhr sowie Mittwoch und Donnerstag 8 bis 16 Uhr.