Die Suche nach Trost

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Greiz  Conni Winkler über Süchte

Conni Winkler

Conni Winkler

Ich gebe es zu, bei Schokolade muss ich zugreifen. Und Kaffee. Ohne das braune Gold geht bei mir morgens gar nichts. Da konnte mein Zahnarzt nach meiner Zahn-Operation so eindrücklich mit mir reden, wie er wollte. Diesen Hochgenuss morgens wegzulassen, ging einfach nicht. Natürlich ist das kaum zu vergleichen mit einer Abhängigkeit von legalen oder illegalen Drogen. Aber ein bisschen ähnlich ist es schon.
Wer immer dann zur Schokolade greift, wenn er sich schlecht fühlt, ist schon nahe dran an einer Ersatzbefriedigung von Bedürfnissen, die man meint, anders nicht stillen zu können. Der Trost des Süßen. Gelernt in Kindertagen.
Von der Suchtberatungsstelle Greiz habe ich gelernt, „Sucht kommt von suchen“, wie Suchtberater Pfortner mir sagte. Ein Suchtkranker habe Bedürfnisse, die er nicht kenne und nach denen er suche. Weil jene Menschen ihre Bedürfnisse nicht kennen, würden sie versuchen, sie mit einem Suchtmittel zu stillen. So der Tenor. Was muss diesen Menschen in ihrer Vergangenheit widerfahren sein, um sich derartig selbst zu verleugnen, sodass sie nicht in der Lage sind, ihre Bedürfnisse zu erkennen oder gar zu benennen?
Bewundernswert finde ich Menschen wie Dieter Pruschik, der, als er nichts mehr hatte, weder Wohnung, noch Geld, Job oder gar eine Frau, für sich entscheidet: „Heute trinke ich mein letztes Bier und tue das ganz bewusst“, wie er mir erzählte. Das ist jetzt 25 Jahre her und er hat es geschafft! Er habe nie wieder einen Tropfen Alkohol angerührt. Entgiftung und Therapie hat er durchgezogen und verinnerlicht. In manchen dunklen Stunden brauche er sich nur zurückerinnern, wie als Obdachloser damals sein Leben aussah. Dann sei er wieder auf Kurs, wie er sagt. Heute leitet er sehr engagiert die Selbsthilfegruppe Sucht in Zeulenroda-Triebes. Sogar nachts können ihn „seine Schäfchen“ im Notfall anrufen, wie er mir verraten hat. Er hat sein Leben selbst in die Hand genommen und gekämpft. Ein starker Mann.