Jena. Jördis Bachmann über Post von den Behörden und eine rechtssichere Sprache

„Für den Nachweis einer regelmäßigen, intensiven und ernsthaften Suche sind von Ihnen neben der von etwaigen Vermietern bestätigten quantitativen Recherche, also in der Zahl der Wohnungsbewerbungen (bei den größeren Wohnungsgesellschaften, mind. jedoch 8 Bemühungen pro Monat), auch die qualitativen Bemühungen (...), nachweispflichtig.“

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Die Hälfte des 66 Wörter langen Satzmonsters aus einem Verwaltungsschreiben zum Kostensenkungsverfahren habe ich weggelassen – es wird auch so klar: Post vom Amt ist selten unterhaltsam, dafür oft unverständlich. Die Priorität liegt auf Rechtssicherheit. So findet man in jedem zweiten Satz Verweise auf Gesetze: „Die bezogene Leistung ist nach § 3 Nr. 67 (EStG) steuerfrei. Sie wird jedoch nach § 32b Absatz 1 Nr. 1 Buchstabe j EStG bei der Ermittlung des Steuersatzes berücksichtigt, … (Progressionsvorbehalt).“ Ah, ja, alles klar – nur gut, dass da noch Progressionsvorbehalt in Klammern stand.

Frust im Behörden-Sprachdschungel

Ich kann nur ahnen, wie es den Eltern aus unserer Serie zur Inklusion geht, die wegen der Behinderung ihrer Kinder zu den allgemein notwendigen Übeln wie Steuererklärung, Elterngeld- oder Wohngeldanträgen noch Eingliederungshilfe beantragen oder dicke Pamphlete ausfüllen müssen, um überhaupt eine Ferienbetreuung für die Kinder zu erhalten. Wer auf Leistungen angewiesen ist, hat es meist ohnehin schon schwerer. Sich dann auch noch durch den sprachlichen Behörden-Dschungel schlagen zu müssen, ist sicher frustrierend.

Am Freitag gab es erstmals Feueralarm im supermodernen Bürgerservice-Gebäude am Engelplatz. Es war ein Fehlalarm, aber alle verstanden problemlos das einfache Sirenensignal. In Amtsdeutsch hätte der Alarm wohl so geklungen: „Nach §4 des ArbSchG wurde eine Brandmeldeanlage installiert, soeben wurde diese durch eine nicht geklärte Ursache ausgelöst, wodurch alle im Gebäude befindlichen Personen verpflichtet sind, sich unverzüglich über die gekennzeichneten Fluchtwege gemäß Evakuierungskonzept in einen sicheren Bereich zu begeben.“ Mein Wunsch für die weitere Gestaltung des Bürgerservice: Eine Bonbonschale für Kunden und leichte Sprache, gepaart mit einem Lächeln.