Jena. Neuer Masterstudiengang an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

„Überflüssiges streichen!“, diesen vielleicht wichtigsten Tipp für angehende Autoren gibt Stephen King gleich zu Beginn seines Buches. Der Bestsellerautor reflektiert seine Biografie und seine Kunst in dem Buch „On Writing“, das in Deutsch unter dem Titel „Das Leben und das Schreiben“ erschienen ist. Ganz eigene Tipps für das gute Schreiben wollen Professor Dirk von Petersdorff und Professor Peter Braun ab dem kommenden Semester an der Friedrich-Schiller-Universität Jena geben. Die beiden Literaturwissenschaftler etablieren den neuen Masterstudiengang Professionelles Schreiben. Sie möchten mit diesem Angebot eine Brücke schlagen zwischen fiktionalen und nicht-fiktionalen Schreibformen. „Wir betrachten beide Formen als ebenbürtig und beziehen die Wissenschafts-Kommunikation ausdrücklich mit ein“, sagt Peter Braun.

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Der auf vier Semester angelegte Studiengang ist darauf angelegt, den Masterstudierenden eine breite berufliche Perspektive zu eröffnen. Sei es im Journalismus, im Literatur- und Kulturbetrieb bis hin zur Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Wer einen Bachelor erworben hat, kann sich um einen Studienplatz bewerben, das Bewerbungsverfahren ist bereits eröffnet.

Die Künstliche Intelligenz kann als Sparringspartner dienen

Dirk von Petersdorff, der selbst ein überaus erfolgreicher Lyriker ist, weist auf die zunehmende Notwendigkeit hin, komplexe wissenschaftliche und politische Entwicklungen
kommunikativ zu vermitteln. „Dafür braucht es Experten“, sagt von Petersdorff, „und um diese zu schulen, verstehen wir den Studiengang als eine Art Schreiblabor, in dem vielleicht neue, hybride Textformen entstehen.“ Im Studiengang werde es deshalb neben dem Grundkurs fiktionales Schreiben einen gleichberechtigten Grundkurs non-fiktionales Schreiben geben. Peter Braun verweist auf die Grundlagen des Schreibens, die aus der Perspektive der Schreibenden gelehrt werden sollen. „Wir nehmen da faktisch eine handwerkliche Perspektive ein“, so Peter Braun. Da gebe es nicht die „zehn goldenen Regeln“, sondern eine Vielzahl an nützlichen Fähigkeiten, die im Studium vermittelt werden.

Während das Schreiben oft mit dem mühsamen Ringen um gekonnte Formulierungen assoziiert werde, gehe es vielmehr darum, das Recherchieren zu lernen, das Schreiben selbst und ergänzend den analytischen Blick auf das Geschriebene. Gelehrt werde dabei buchstäblich von den Anfängen bis heute, also vom Gilgamesch-Epos bis zur KI. Dabei sei die Künstliche Intelligenz eine echte Herausforderung, sagt Peter Braun. Das Schreiben von wissenschaftlichen oder literarischen Texten werde sie aber kaum vollständig übernehmen können. „Wir sehen die KI eher als eine Art Sparringspartner an“, so Braun. Synergieeffekte seien durchaus erwünscht.

Tipps für spannende Texte vom Altmeister Stephen King

Die Pläne für den Masterstudiengang Professionelles Schreiben sind für Dirk von Petersdorff und Peter Braun ein Herzensprojekt, das endlich Gestalt annimmt. Schon seit vielen Jahren bietet Dirk von Petersdorff regelmäßig Kurse im Kreativen Schreiben an, die zunehmend auch von Studierenden anderer Fächer bis hin zur Physik besucht werden. Als weiteren wichtigen Impuls nennt Peter Braun einen längeren Aufenthalt im kanadischen Calgary, wo er 2019 verschiedene Kurse in Creative Writing bei Aritha van Herk besuchte.

Die Kanadierin sei ein Urgestein dieses Faches und gab den Anstoß, ein eigenes Angebot zu entwickeln. Überhaupt sei der Blick über den großen Teich lohnenswert, sagt Peter Braun. Das gelte keineswegs nur für die großen nordamerikanischen Erzähler, sondern genauso für den Stellenwert des Sachbuchs im englischsprachigen Raum. Wer ein spannendes Sachbuch verfassen möchte, der findet sicher ebenfalls Inspiration beim Altmeister Stephen King. Dessen Buch „On Writing“ werde in Nordamerika generell als Ratgeber für gutes Schreiben geschätzt.

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