Jena-Ost: Eine Kirchgemeinde legt zusammen und feiert zusammen

Franz Hempel
| Lesedauer: 3 Minuten
Pfarrer Sven Hennig und Johannes Schleußner (Kirchenkreis Jena, Öffentlichkeitsarbeit) freuen sich über die neue Fassade des Gemeindezentrums.

Pfarrer Sven Hennig und Johannes Schleußner (Kirchenkreis Jena, Öffentlichkeitsarbeit) freuen sich über die neue Fassade des Gemeindezentrums.

Foto: Franz Hempel

Jena.  Im Jenaer Osten feiert das Gemeindezentrum „Albert Schweitzer“ nach umfassender Sanierung sein 60-Jähriges. Welche Steine der Gemeinde zu DDR-Zeiten in den Weg gelegt wurden

Lukas Pitzel aus der Jungen Gemeinde klettert die am hölzernen Glockenturm angelehnte Leiter hoch, tunkt einen Pinsel in den Eimer mit brauner Farbe und streicht die verwitterten Balken und Bretter. Der Glockenstuhl des evangelischen Gemeindezentrums „Albert Schweitzer“ Am Steinborn 136 in Jena-Ost wurde 1961 als Provisorium erbaut, ein Jahr nach der Einweihung des Gotteshauses. Da er weiterhin funktionsfähig ist und auch von der Straße aus nicht zu sehen, wird er stehen bleiben.

Durch staatlichen Unwillen erschwert, dauerte die Bauphase des Gemeindezentrums vom ersten Spatenstich im November 1955 bis zur Einweihung am 5. Juni 1960. Der Jenaer Kinderarzt Hellmut Planer-Friedrich schaffte es, Albert Schweitzer als Namenspate zu gewinnen. Das hätte wohl ermöglicht, dass das Gemeindezentrum, wenn auch in reduzierter Form, überhaupt gebaut werden konnte.

Dach- und Fassadensanierung des Gemeindezentrums

Seitdem hat es viele Renovierungen erlebt. Zuletzt wurden 2018 das gesamte Dach und 2020 die Fassade saniert. Im Bereich des Dachstuhls habe man Holzwolle zur Dämmung eingesetzt, erzählt Pfarrer Sven Hennig: „Für die Fassade hatten wir uns für Dämmputz entschieden, damit die Wand nicht so dick wird und die Faschen noch erkennbar bleiben.“

Seit 2012 ist Hennig der Pfarrer des Gemeindezentrums. Er kann sich noch an die grau-braune Grobputzfassade erinnern, die vorher das Gemeindezentrum zierte. „Es war an der Zeit zu sanieren, und auch die Gemeindemitglieder haben sehr viel dafür gespendet“, sagt Hennig. Allein der Jenaer Kirchbauverein beteiligte sich mit 6000 Euro.

Zusammen mit dem Grafiker Thomas Siebenhaar entwickelte Pfarrer Hennig die Gestaltung der Vorderseite des Gemeindezentrums. Weiße und orangene Coronen, die immer größer werden, breiten sich vom Kruzifix über die Wand aus. Vorlage war das kupferne Kruzifix im Altarraum des Gebäudes, das vom Jenaer Künstler Harry Franke gestaltet wurde. Von ihm stammt auch das goldgelbe runde Mosaikfenster.

Gemeindearbeit während der Pandemie

Sven Hennig sagt, er habe den Eindruck, dass seine Gemeinde gut durch die Corona-Zeit gekommen sei: „Wir haben so viel in Präsenz gemacht, wie gefahrlos möglich war, sind dann auch in den Garten ausgewichen.“ Der erstreckt sich um das Gemeindezentrum herum und diente der Familie des Küsters, die bis vor ungefähr 15 Jahren im Obergeschoss des Gebäudes wohnte, als Gemüsegarten. Heute befindet sich in den Räumlichkeiten ein Keramikatelier.

Das 60-jährige Bestehen des Gemeindezentrums hätte Pfarrer Hennig gerne schon eher gefeiert, erst kam die Pandemie dazwischen, und dann musste die Planung erst anlaufen. Nun wird die Feier Anfang September stattfinden. Nach dem Festgottesdienst ist mit Kaffee und Kuchen sowie am Abend mit kaltem und warmen Buffet fürs leibliche Wohl gesorgt. Auch Spiele und die Besichtigung der Ausstellung zur Geschichte des Gemeindezentrums stehen auf dem Programm.

ZUR SACHE

Kinderprogramm und Jubiläum im Gemeindezentrum:

Kunstwerkstatt am Ende der Sommerferien: André Möller und Almuth Müller bieten Kurse zum Schnitzen und Theaterspielen an, Wann: 24. bis 26. August, bis 16 Uhr, Anmeldung notwendig

Festgottesdienst mit anschließendem Konzert des Gitarren und Geigen Duos „Sefer ī Jahn“, Wann: 3. September, ab 14 Uhr