Jenaer Romantikerhaus schärft sein Profil

Jena  Original-Ausgaben der Frühromantiker-Zeitschrift „Athenaeum“ gehören nun zu den Neuerwerbungen

Zwei wichtige Neuerwerbungen wurden im Romantikerhaus gestern vorgestellt: Romantikerhaus-Leiter Klaus Schwarz (links) zeigt eine von zwei Original-Bänden der Zeitschrift „Athenaeum". Ulf Häder (rechts), der Leiter der Städtischen Museen, hält ein von Wolfram Hänsch gefertigtes Novalis-Porträt. In der Mitte Sören ­Güntzel von der Fielmann AG, die den Ankauf wie auch die Instandsetzung zweier Biedermeiertische mit 3500 Euro unterstützte.

Zwei wichtige Neuerwerbungen wurden im Romantikerhaus gestern vorgestellt: Romantikerhaus-Leiter Klaus Schwarz (links) zeigt eine von zwei Original-Bänden der Zeitschrift „Athenaeum". Ulf Häder (rechts), der Leiter der Städtischen Museen, hält ein von Wolfram Hänsch gefertigtes Novalis-Porträt. In der Mitte Sören ­Güntzel von der Fielmann AG, die den Ankauf wie auch die Instandsetzung zweier Biedermeiertische mit 3500 Euro unterstützte.

Foto: Thomas Beier

Die Bibel der Frühromantik steht ab sofort im Bücherschrank des Jenaer Romantikerhauses. Bei den beiden Büchern im Taschenbuchformat handelt es sich um zwei gebundene Jahrgänge der Zeitschrift „Athenaeum“, die zwischen 1798 und 1800 erschien. Heutzutage würde man das Heft wohl Lifestyle-Magazin nennen.

„Für uns ist das ein ungeheurer Schatz“, sagt Klaus Schwarz vom Romantikerhaus. Die von August Wilhelm Schlegel und Friedrich Schlegel herausgegebene Zeitschrift war das literarische Organ der Frühromantik, behandelte wichtige gesellschaftliche Themen. Selbst unter heutigen Gesichtspunkten biete das Heft „Sprengstoff“, sagte der Leiter des Romantikerhauses.

Wesentliche Konzeptionen der Zeit wurden in kurzen und knackigen Texten teils provokant vorgetragen. Es geht um Literatur, Kunst oder auch mal ein Plädoyer für die Ehe zu viert. Und solch ein Heft müsse natürlich im Romantikerhaus greifbar sein. Nicht als Freihand-Exemplar im Regal, wohl aber doch an einem Ort, wo es bei Bedarf Wissenschaft und Forschung dienen kann.

Die Zeitschriften tauchten in einem Antiquariat auf. Möglich wurde der Ankauf durch eine Spende der Fielmann AG. Firmengrüner Günther Fielmann verkauft nicht nur Brillen, er fühlt sich auch der Förderung von Kunst und Kultur verpflichtet, und so überwies Fielmann nun schon zum zweiten Mal Geld an die Städtischen Museen Jena. Zuletzt 3500 Euro, es reichte für mehr als die beiden Zeitschriftenbände.

„Schön für uns war das sehr unkomplizierte Verfahren und die Möglichkeit, das Geld nach Belieben für uns wichtige Dinge einzusetzen“, sagte der Leiter der Städtischen Museen Jena, Ulf Häder, gestern bei der Präsentation der Neuerwerbungen. Neben den beiden Zeitschriftenbänden konnte nämlich auch eine Grafikmappe des Meißner Künstlers Wolfram Hänsch (geb. 1944) angeschafft werden. Die Mappe umfasst 21 Blätter. Darunter sind nachgeschaffene Porträts wichtiger Künstler der Romantik, darunter Novalis, Ludwig Tieck und Caspar David Friedrich. „Die blaue Blume“ ist die Mappe überschrieben. Die blaue Blume ist ein zentrales Symbol der Romantik. Und ganz klar, Jena als ein Ort der Frühromantik musste diese Mappe haben.

„Beide Erwerbungen schärfen das Profil des Romantikerhauses in Jena, für das es bisher nur wenige Originalexponate gab“, sagte und bedankte sich Häder bei Fielmann-Niederlassungsleiter Sören Güntzel, der gestern im Romantikerhaus vorbeischaute. Überdies wurden zwei Biedermeiertische in Augenschein genommen, die aufgrund der Spende restauriert werden konnten. Sie bereichern die Optik des Museums und sind auch im praktischen Einsatz.

Was die Frühromantiker-Bibel betrifft, so ist einem ihrer Mitherausgeber, August Wilhelm Schlegel, demnächst eine Ausstellung gewidmet. Noch fehlt in der Zeitschriftensammlung der Athenaeum-Band des Jahres 1800. Im folgenden Jahr wurde das Heft bereits wieder eingestellt. Die 1000 gedruckten Exemplare hatten in ihrer Zeit eine zwar eingeschworene – aber letztlich doch sehr überschaubare Fangemeinde.

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