Ausstellung in Neustadt gibt Einblicke in die Medienwelt von Ost und West

Neustadt  Am 18. Juli wird die Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte eröffnet

Die Schau, welche im Rahmen des „Gedenkens – 30 Jahre Friedliche Revolution“ gezeigt wird, legt vier Jahrzehnte deutsche Mediengeschichte dar und beleuchtet das Spannungsfeld von Medienmanipulation, Zensur und freier Presse im geteilten Deutschland zwischen 1960 bis 1990.

Die Schau, welche im Rahmen des „Gedenkens – 30 Jahre Friedliche Revolution“ gezeigt wird, legt vier Jahrzehnte deutsche Mediengeschichte dar und beleuchtet das Spannungsfeld von Medienmanipulation, Zensur und freier Presse im geteilten Deutschland zwischen 1960 bis 1990.

Foto: Stadtverwaltung Neustadt

Es ist ein brandaktuelles Thema: Wie machen Medien Meinung? Wo verläuft die Grenze zwischen Information und Manipulation? Welchen Bilder und Nachrichten kann man trauen? Im Zeitalter von Fake News und alternativen Fakten muss den Rezipienten heute klar sein, dass längst nicht jede Quelle vertrauenswürdig ist. Doch wie war das vor 50 oder 60 Jahren, als das Fernsehen, Zeitungen und Hörfunk in der Medienlandschaft nur wenig Konkurrenz hatten? Dieser und weiteren Fragen widmet sich die Ausstellung „Krieg im Äther. Zum medialen Klassenkampf beider deutschen Staaten“, die am Donnerstag, 18. Juli, um 18 Uhr im Säulensaal des Museums für Stadtgeschichte in Neustadt eröffnet wird.

Mit Hilfe des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie, mit dem man bereits in den Vergangenheit bei verschiedenen Veranstaltungen zusammengearbeitet hat und zu dem gute Kontakte bestehen, konnte die Schau nach Neustadt geholt werden. „Das Thema ist in der Ausstellung anhand verschiedener Aspekte aufgearbeitet und reflektiert diese Zeit sehr gut. Nachdem wir für die Ausstellung eine Empfehlung bekommen haben, war gleich klar, dass wir sie anlässlich 30 Jahre Friedliche Revolution zeigen werden“, sagt Yvonne Jackel, ­Mitarbeiterin im Museum für Stadtgeschichte.

Zu Zeiten des geteilten Deutschlands nutzten beide Staaten die Medien durchaus als Mittel zur Massenmanipulation. Besonders im totalitären System der DDR litten die Medien unter Zensurzwang, wenn sie nicht eh gänzlich vom Staatsapparat abhängig waren. Welche Folgen sich somit für die Berichterstattung aus DDR und BRD, aus Diktatur und Demokratie, für Propaganda und freie Medien ergaben, zeichnet die großformatige Plakat-Ausstellung für die Jahre von 1960 bis 1990 nach. Neben interessanten Texten und Bildern werden anhand konkreter TV-Beiträge historische Ereignisse wie Mauerbau und Mauerfall in der Medienberichterstattung gegenüber­gestellt. Was berichtete „Der schwarze Kanal“ der DDR über den Mauerbau am 13. August 1961 und wie „Panorama“ in der Bundesrepublik? Was zeigten „Aktuelle Kamera“ und „Tagesschau“ am 9. November 1989? Sendungen verschiedener Genres, das heißt Nachrichten, Politmagazine und Filme wie „Polizeiruf“ oder „Die fünfte ­Kolonne“ spannen zudem den Bogen über vier Jahrzehnte deutscher Mediengeschichte.

Die Ausstellung, welche als Kooperation mit dem Deutschen Rundfunkarchiv, mit ARD und ZDF, mit Unterstützung der Stiftung Berliner Mauer, des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Wilhelm-Fraenger-Institut in Berlin entstand, soll Aufschluss über ein spannungsvolles Verhältnis zwischen Medien, Politik und der Gesellschaft geben. Besucher können auf der „Fernsehcouch“ Platz nehmen und eintauchen ein in die Medienwelt von Ost und West.

Zur Eröffnung der Schau, die im Rahmen zum „Gedenken – 30 Jahre Friedliche Revolution“ bis zum 20. Oktober gezeigt wird, ist Jürgen Haase, Kurator und Autor der Ausstellung, in Neustadt zu Gast und wird brennende Fragen zum Thema des „medialen Klassenkampfes“ ­beantworten. Er ist nicht nur ­erfolgreicher Filmproduzent, Autor und Herausgeber, zudem Geschäftsführer des gemein­nützigen Wilhelm Fraenger-Institus, welches sich der Bildung und Kultur verschrieben hat, sondern auch Träger des Bundesverdienstkreuzes, welches er für seine umfassenden Verdienste um die deutsche Kultur 2007 verliehen bekam.

Zudem wird die Ausstellung von einem themenbezogenen Veranstaltungsprogramm begleitet, welches am Donnerstag, 25. Juli, um 18 Uhr, mit dem ­ersten Vortrag unter dem Titel „Störenfriede. West-Journalisten in der DDR“ beginnt. Hier wird Peter Pragal, einst Journalist des Stern, als Zeitzeuge über seine Erlebnisse bei der legendären Pressekonferenz am 9. November 1989 und den Abend der Grenzöffnung berichten. Peter Pragal kam als westdeutscher Journalist nach Ost-Berlin, wo ab den frühen 70er Jahren westdeutsche Journalisten akkreditiert wurden, aber schnell zur Konkurrenz der SED-gelenkten Staatsmedien avancierten, da deren Berichterstattung nicht nur im westdeutschen Teil der Republik Rezipienten fand. Über die daraus resultierenden Spannungen mit der sozialistischen Staatsmacht berichtet der Journalist an diesem Abend.

Der Eintritt zum Vortrag mit Peter Pragal ist frei, eine Reservierung jedoch notwendig. Diese ist möglich in der Touristinformation oder unter Telefon 036481/8 51 21

Die weiteren Vortragstermine und -themen

12. September, 18 Uhr: Ich wollte nicht mehr lügen

26. September, 18 Uhr: Staatssicherheit am Ende: Die Herbstrevolution 1989 im Fokus der Geheim­polizei

10. Oktober, 18 Uhr:„Feindberührung“ --­ Ist Versöhnung möglich?

Darüber hinaus sind im November weitere Veranstaltungen geplant, in denen die Auswirkungen der deutsch-deutsche Teilung in Neustadt im Fokus stehen.

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