Drohneneinsatz gegen Feldschädlinge

Kamsdorf  Es ist ein Meilenstein: Erstmals werden im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Pflanzenschädlinge mit biologischen Mitteln bekämpft. Dafür warf ein Multicopter Puppen der Schlupfwespe über einem Maisfeld ab.

Ein Quattrocopter, der Trichogramma-Kugeln ausbringt. In den kleine Kugeln befinden sich Puppen von Schlupfwespen, der natürlichen Feindin des Maiszünslers. Foto: Guido Berg

Ein Quattrocopter, der Trichogramma-Kugeln ausbringt. In den kleine Kugeln befinden sich Puppen von Schlupfwespen, der natürlichen Feindin des Maiszünslers. Foto: Guido Berg

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Es ist ein Pilot-Projekt – obwohl sich Florian Schulz nicht als Drohnen-Pilot bezeichnet, sondern als Drohnen-Steuerer. Er fliege ja schließlich nicht mit. Und Drohne möchte der Mitarbeiter der Firma Rucon Engineering sein Fluggerät auch nicht nennen, sondern lieber Multicopter.

Alle acht Meter wirft die Drohne eine Kugel ab

Sein mit vier Rotoren ausgestatteter Flugapparat erhob sich am Freitagmorgen über ein Maisfeld zwischen Saalfeld und Kamsdorf, um auf einer Fläche von zehn Hektar kleine, weiße Kugeln aus Maisstärke abzuwerfen. Es sei der erste Mal im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, dass die Landwirtschaft versuche, einen Schädling auf dem Acker "durch gezielten Einsatz von Nützlingen zu bekämpfen", betonte Pflanzenschutzexpertin Kerstin Aschenbach vom Landwirtschaftsamt Rudolstadt.

In den weißen Kugeln befinden sich Raupen der Schlupfwespe, der natürlichen Feindin des Maiszünslers (Ostrinia nubilalis). Dabei handelt es sich um einen kleinen Schmetterling, der zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schädlingen des Maisanbaus gehört. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation der Uno werden von den Raupen des Maiszünslers weltweit etwa vier Prozent der jährlichen Maisernte vernichtet.

Wie Kerstin Aschenbach erläuterte, frisst sich die Raupe des Maiszünslers vom Kolben her durch den Pflanzenstängel. Durch die Fraßschäden werde Pilzen Tür und Tor geöffnet. Diese wiederum erzeugen Pilztoxine, die kein Landwirt im Futter seiner Milchkühe haben will.

Auch Reinhard Kaufmann nicht. Er ist Leiter der Pflanzenproduktion der Agrargenossenschaft Kamsdorf eG und somit verantwortlich für das Gedeihen von 500 Hektar Mais. Die Ernte dient als Futter für die Milchkühe der Genossenschaft. Letztlich könnten die Pilztoxine auch in die Milch gelangen, sagt er, "wenn man die Kette bis zum Ende verfolgt".

Deshalb wird der Maiszünsler von jeher bekämpft – durch frühzeitiges Umpflügen des abgeernteten Stoppelfeldes, aber auch durch chemische Pflanzenschutzmittel. Die kleine Schlupfwespe (Trichogramma brassicae) nun könnte eine Alternative für die Chemiekeule sein. Das Tier ist laut Kerstin Aschenbach "nicht größer als eine Essigfliege". Nachdem aus den Puppen Raupen geworden sind und sich aus diesen die Schlupfwespen entwickelt haben, legen diese ihre Eier in die Puppen des Maiszünslers und verhindern somit dessen Ausbildung zum Schmetterling.

Der Zeitpunkt des Abwurfs der weißen Trichogramma-Kugeln über dem Maisfeld bei Kamsdorf wurde mit Hilfe einer Lichtfalle ermittelt. Als auch weibliche Maiszünsler in die Falle gingen, wussten die Expertin, dass es soweit ist.

In den Kreisen Saale-Orla und Sömmerda wurden bereits 2015 Trichogramma-Kugeln eingesetzt – in Sömmerda allerdings per Hand. Da schaffe man nur zwei Hektar am Tag, meinte Drohnen-Steuerer Florian Schulz: "Das schaffe ich mit dem Multicopter in fünf Minuten". GPS-gesteuert, wirft die programmierte Drohne alle acht Meter eine Kugel ab.

"Schön, dass wir zum ersten Mal eine praxistaugliche Variante haben, den Schädling mit biologischen Mitteln zu bekämpfen", betont Kerstin Aschenbach. "Es ist ein Meilenstein." Ob der Schlupfwespen-Einsatz ein Erfolg ist, werde anhand eines Vergleichsfeldes ermittelt. Interessierte Landwirte könnten sich beim Landwirtschaftsamt Rudolstadt beraten lassen.

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