Bad Klosterlausnitz. Seine Mutter erkannte bereits früh sein Talent. Jetzt ändert sich für den 11-Jährigen alles und er verlässt seinen Heimatort Bad Klosterlausnitz.

„Schon als Baby hatte er eine starke und besondere Stimme“, sagt Pavla Schaefer. Sie ist die Mutter von Victor Schaefer, der bereits mit 11 Jahren musikalisch viel geleistet hat. Sie erzählt, dass es ihm als Kind bereits sehr einfach fiel, Märchen nachzusingen. Das Talent ihres Sohnes entdeckte Schaefer früh und förderte es. Auch die beiden anderen Söhne der Familie aus Bad Klosterlausnitz sind musikalisch begabt.

Victors Bruder Carl spielt mehrere Instrumente, wie zum Beispiel Cello, Flügelhorn und Schlagzeug. Zudem möchte er nächstes Jahr versuchen, ins Musikgymnasium Weimar zu wechseln. In der Familie Schaefer wird so gut wie jeden Tag musiziert. Die Mutter, die ebenso aus dem Musikbereich kommt, begleitet die Jungs am Klavier. Auch der Jüngste Phillip hat schon ein Cello bekommen.

Talent aus dem Saale-Holzland wird früh entdeckt

Seit März ist Victor nun die meiste Zeit nicht mehr in Bad Klosterlausnitz bei seiner Familie, sondern in Leipzig. Er hat es geschafft, beim Thomanerchor aufgenommen zu werden. Der Thomanerchor ist ein weltweit bekannter Knabenchor aus Leipzig mit einer mehr als 800-jährigen Geschichte. Er wurde im Jahr 1212 gegründet und zählt nach dem Aachener Domchor, den Regensburger Domspatzen und dem Stadtsingechor zu Halle zu den vier ältesten Knabenchören Deutschlands und Europas. Dort aufgenommen zu werden, sei ein großes Privileg.

Die meisten Thomasser, so nennen sich die Sänger des Thomanerchors, kommen aus Leipzig. Bereits im Kindergarten- oder Grundschulalter werden talentierte Kinder ausgewählt. Der 11-jährige Victor hat es aber auch so geschafft. „Ich habe schon mit 5 Cello gespielt und mit 6 mit Solo-Gesang angefangen“, sagt Victor. Auch bringt er bereits einiges an Musiktheorie mit. Auch wenn er später zum Thomanerchor kam, ist das Gebiet für ihn nicht neu.

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„Ich würde sagen, dass ich ganz gut bin“, sagt der 11-Jährige, der noch nie Angst davor hatte vor Publikum aufzutreten und vor anderen zu singen. Victor hatte bereits einige Auftritte im Saale-Holzland. In Hermsdorf im Stadthaus, in Bad Klosterlausnitz im Kurpark, in Eisenberg in der Kirche oder in Stadtroda in den Ruinen musizierte er bereits.

Junger Chorsänger aus dem Saale-Holzland musste einige Hobbys aufgeben

Das Leipziger Internat, in dem Victor nun seit zwei Monaten wohnt, heißt Alumnat. Dort sind die Sänger nicht klassenweise untergebracht, sondern gemischt in so genannten Stuben. Victor teilt sich das Zimmer mit einem weiteren Sänger. „Die Umstellung auf das Leben im Internat ist mir gar nicht so schwer gefallen. Ich war schon früher oft in Camps und unterwegs“, sagt er.

Victor musste dafür jedoch ein paar Hobbys aufgeben. Für Karate, Leichtathletik, Ukulele und Schlagzeug hat er nicht mehr so viel Zeit. Wenn er am Wochenende zu Hause ist, macht er trotzdem mit seinen Hobbys ein bisschen weiter. Die Familie ist bemüht für ihn und ein paar seiner Freunde einen Karatelehrer, der ins Alumnat kommt, zu organisieren.

Drei Stunden Gesangsübungen pro Tag

Die meisten Thomasser bleiben bis zum Abitur dort. Danach gehen viele studieren. Genaue Berufswünsche hat Victor noch nicht. Ob es ein Musikstudium wird oder etwas ganz anderes, wird noch entschieden. Neben den täglichen Proben findet auch normaler Unterricht statt. Zwar würde auf die Proben und auf die Auftritte der jungen Sänger Rücksicht genommen, aber auch sie müssen dort Fächer wie Deutsch oder Mathe lernen, wie alle anderen Schüler in dem Alter auch.

Der Alltag von Victor in Leipzig ist straff organisiert. Neben Schule und Hausaufgaben übt er das Singen jeden Tag drei Stunden. „Als er mich nach dem ersten Tag anrief, war er richtig heiser“, erinnert sich seine Mutter. Victor sagt jedoch, dass man sich daran gewöhnt und es mittlerweile ganz normal für ihn sei. Neben den regulären Chorübungen bekommt Victor auch Einzelunterricht in Stimmbildung sowie Cellounterricht. Für die Sänger ist es Pflicht, neben dem Gesang auch ein weiteres Instrument zu spielen. Auch an Wochenenden sind die Sänger unterwegs und geben Konzerte.

Hohe Fahrtkosten für Familie aus Bad Klosterlausnitz

Victor hat jedes zweite Wochenende bis auf den Samstag frei. Jedes fünfte Wochenende dann komplett. Zudem dürfen die jungen Sänger mittwochs daheim schlafen, sofern sie nicht zu weit weg wohnen. „Unsere Fahrtkosten liegen momentan bei 400 Euro im Monat“, sagt Pavla Schaefer. Wenn er älter wird, bestehe aber die Möglichkeit, dass er selbst mit dem Zug fahren kann.

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Für die Unterbringung im Internat und die Musiklehrer muss die Familie jedoch kaum etwas zahlen. Lediglich 180 Euro im Monat kostet das außergewöhnliche Internat. Die Stadt Leipzig fördere den Thomanerchor, schließlich sei der weltbekannte Knabenchor ein Aushängeschild der Stadt. Victor hat schon „Die Schöpfung“ von Haydn, „Die Johannespassion“ von Bach in der Thomaskirche und in der Nikolaikirche mitgesungen. Demnächst tritt er mit dem Thomanerchor in der Elbphilharmonie in Hamburg auf.