Eisenberg. Von einem Großputz im Park und dem Wunsch, letzte Teile des zerfallenen Schlossareals zu retten.

„Man findet spannende Sachen“, sagen ein paar Jugendliche, die im Eisenberger Schlosspark Friedrichstanneck alten Bauschutt in eine Schubkarre laden. Ein Stück weiter ist eine Gruppe junger Menschen, ausgestattet mit Eimern und Handschuhen, damit beschäftigt, den Boden von Müll zu befreien. Circa 32 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9c und 9d des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Eisenberg beteiligen sich an der großen Aufräumaktion im Schlosspark, die vom Förderverein „Freundeskreis Schlosspark Friedrichstanneck“ auf die Beine gestellt wurde. Dass die Schüler sich beteiligen, sei wichtig, sagt Schulleiter Steffen Riebel vor Ort. Seit etwa 8.30 Uhr sei die Gruppe bereits tatkräftig im Schlosspark unterwegs. „Es ist gut, dass etwas gemacht wird, es ist eine gute Sache“, sagt eine Schülerin. „Es macht mehr Spaß als Schule“, meint ein Schüler. Der Park sei sehr schmutzig.

Von links: Leo Reinert, Marek Gottschalk, Nikolas Utow und Florian Nöthlich der Klassen 9c und 9d des Friedrich-Schiller-Gymnasiums entfernen im Eisenberger Schlosspark Friedrichstanneck alten Bauschutt. 
Von links: Leo Reinert, Marek Gottschalk, Nikolas Utow und Florian Nöthlich der Klassen 9c und 9d des Friedrich-Schiller-Gymnasiums entfernen im Eisenberger Schlosspark Friedrichstanneck alten Bauschutt.  © Funkemedien Thüringen | Julia Grünler

Schlosspark Friedrichstanneck in Eisenberg: Teehäuschen muss dringend notgesichert werden

Um die Sicherheit im Park wieder herzustellen, war dieser zunächst von Wildwuchs und toten Bäumen befreit worden. Ziel sei es, den ursprünglichen Zustand des Parks möglichst wiederherzustellen. Die circa 95 gefallenen Bäume würden nun als Brennholz veräußert werden, erklärt Uwe Hofmann, EWG-Geschäftsführer und Mitglied im Förderverein. Nach Abschluss der großen Putzaktion im Park soll in einem nächsten Schritt Mulch auf den Boden kommen. „Vor vier Wochen war die Obere und Untere Denkmalschutzbehörde da“, sagt Anja Polten, die Vorsitzende des kürzlich gegründeten Fördervereins „Freundeskreis Schlosspark Friedrichstanneck“. Das Teehaus, das etwa zwischen 1751 und 1780 erbaut wurde, müsse dringend notgesichert werden. „Wir drängen seit zwei Jahren auf die Notsicherung“, erklärt sie. Vor etwa einem Jahr habe man bereits im Eisenberger Stadtrat auf das Problem aufmerksam gemacht. Sie deutet auf ein großes Loch im Dach des Teehäuschens. Binnen eines Jahres sei es entstanden. Wichtig sei es, dass die Decke nicht komplett einstürze und der Denkmalschutz nicht erlösche. Für eine Notsicherung würden jedoch die finanziellen Mittel fehlen. Und die Denkmalschutzbehörde könne nur bedingt eingreifen. Um für weitere Unterstützung in der Bevölkerung zu werben, möchte der Verein sich am Pfingstsonntag, wenn auf dem Anger in Friedrichstanneck der Maibaum gesetzt wird, mit einem Infostand präsentieren.

Impressionen vom Eisenberger Schlosspark Friedrichstanneck. Dort startete der Verein „Freundeskreis Schlosspark Friedrichstanneck“ gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Schiller-Gymnasiums eine große Aufräum-Aktion. 
Impressionen vom Eisenberger Schlosspark Friedrichstanneck. Dort startete der Verein „Freundeskreis Schlosspark Friedrichstanneck“ gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Schiller-Gymnasiums eine große Aufräum-Aktion.  © Funkemedien Thüringen | Julia Grünler

Schloss im Saale-Holzland: Turmspitze und Wetterfahne sollen gerettet werden

Oberstes Ziel des Vereins ist es zudem, die Turmspitze und die Wetterfahne zu retten. Literatur und Drohnenaufnahmen zufolge vermuten die Vereinsmitglieder, dass sich dort oben noch eine Glocke des Glockengießers Nicolaus Jonas Sorber befinden könnte. Dieser habe unter anderem das komplette Geläut für die Weimarer Schlosskirche gegossen, weiß Tobias Franke, zweiter Vorsitzender im Verein. Auch eine Zeitkapsel könnte sich in der Turmspitze befinden. Diese Sachteile seien die letzten, die in dem desolaten Schloss noch gerettet werden könnten, sagt Franke. Der Rest sei mittlerweile entweder geklaut worden oder völlig zerfallen und verrottet. Wunsch ist es, die Teile zu bewahren und eines Tages ausstellen zu können. „Es ist ein Stückchen Ödland in der Stadt, das attraktiv gestaltet werden sollte“, sagt Tobias Franke.

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