Kahla. Zwei Projekte in Kahla sollen Langzeitarbeitslosen zurück ins Berufsleben helfen. Nach der Startphase berichten Teilnehmerinnen, ob das gelingt.

Die ÜAG gGmbH aus Jena hatte im vergangenen Jahr zwei Projekte für Langzeitarbeitslose in Kahla vorgestellt. „MIT: Motivation – Integration – Teilhabe“ und „TIZIAN SHK – Familie, Arbeit und Kind miteinander vereinbaren“ heißen die beiden Projekte in der Bachstraße, die sich an Menschen richten, die seit mehr als zwölf Monaten keine Arbeit mehr haben. Beim Projekt „TIZIAN“ werden Langzeitarbeitslose unterstützt, die zudem Kinder erziehen.

Nach der Startphase ziehen die Verantwortlichen ein zufriedenes Fazit. „Unser erstes Ziel ist es, die Leute aus ihrem engen Zuhause herauszuholen und ihnen dabei zu helfen, wieder Beziehungen zu knüpfen“, sagt Michael Strosche von der ÜAG. Gleichzeitig werde über gemeinnützige Tätigkeiten die Erfahrung vermittelt, „dass die eigene Arbeit auch Freude für andere bereiten kann“. Jeweils circa 15 Teilnehmende besuchen die beiden Projekte, der Großteil von ihnen Frauen.

Frauen schreiben in Kahla Erfolgsgeschichten

Eine Vermittlung in einen Beruf ist nach dem Wiederaufbau fester Tagesstrukturen, dem Knüpfen von Freundschaften und der Kontaktaufnahme zu lokalen Unternehmen dann so etwas wie „die Erdbeere auf der Sahnetorte“, wie Sylvia Kettwich vom Projekt „TIZIAN“ sagt. Mitunter seien schon Vermittlungserfolge zu feiern gewesen, „aber es gibt auch mal eine Durststrecke“, so Kettwich.

Eine dieser Erfolgsgeschichten in Kahla hat Kathrin Heinzmann geschrieben. Sie sei vom Jobcenter auf die Projekte aufmerksam gemacht worden. „Ich dachte mir zuerst: Guck halt mal hin, auch wenn du da bestimmt wieder etwas basteln musst“, sagt Kathrin Heinzmann. Rückblickend könne sie aber sagen: „Ich bin hier als eine andere Person vom Hof gegangen“.

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Bereits vor ihrem Start im „TIZIAN“-Projekt habe sie eine Bewerbung an die Porzellanmanufaktur Kahla geschrieben. „Ich bin aber davon ausgegangen, dass meine Qualifikation für den Job nicht ausreicht“, sagt Heinzmann. Bestärkt durch die Ermutigung der Projekt-Mitarbeiterinnen sei sie dann aber selbstbewusst in ein Vorstellungsgespräch mit einem anschließenden Probearbeiten gegangen. Wir haben bei ihr die Handbremse lösen können“, sagt Sylvia Kettwich.

Heute kann Kathrin Heinzmann den Lebensunterhalt für sich und ihren 17-jährigen Sohn selbst bestreiten – und schaut hin und wieder noch bei den ÜAG-Projekten in Kahla vorbei. „Hier ist ein Treffpunkt, den ich immer wieder aufsuchen kann“, sagt Kathrin Heinzmann.

Langzeitarbeitslose finden jemanden zum Reden

Das gilt auch für Christina Cesa, die von den ÜAG-Projekten zuerst an eine Tankstelle und nun in einen Supermarkt wechselte. „Ich wusste, dass ich mich hier auf Dauer unterfordert fühlen werde. Aber ich hatte hier jemanden, mit dem ich über alles reden konnte“, sagt Christina Cesa.

Das bestätigt auch Jana Slawik. „Und vor allem wird man hier in die richtige Richtung geschubst. Zuhause ist der innere Schweinehund dann doch zu groß“, sagt sie. Von Vorteil seien dabei die vielen praktischen Angebote, ergänzt Denise Aepfler. „Das ist besser, als nur herumzusitzen“, sagt sie.

Für beide gehe es nun darum, den nächsten Schritt zu gehen. Während sich Denise Aepfler vorstellen kann, zunächst in einem Minijob oder Bundesfreiwilligendienst zu arbeiten, sieht Jana Slawik ihre Zukunft in der Altenbetreuung.

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Aufgrund der vornehmlich positiven Erfahrungen bedauert Michael Strosche indes, dass die ÜAG ihr Projekt für Langzeitarbeitslose in Eisenberg Ende des vergangenen Jahres einstellen musste. Grund dafür war die damals unklare Finanzierung durch Bundesmittel.