Kahla. Als fledermausfreundliche Orte wurden zwei Quartiere im Saale-Holzland ausgezeichnet. Lebensraum zu schaffen, kann leicht sein – aber auch kompliziert.

Es tröpfelt vom Himmel, der Frühsommer hat sich kurzzeitig verabschiedet. Die trächtigen Weibchen kuscheln sich aneinander, eigentlich ungestört von der Außenwelt. Nur heute schauen Besucher hinein in ihr Sommerquartier mitten in der Kahlaer Altstadt. Thüringens Umweltminister Bernhard Stengele (Grüne), Fledermaus-Schützer und weitere Beteiligte sehen sich den Ort an, der jetzt die Plakette „Fledermausfreundlich“ tragen darf.

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Wo zu DDR-Zeiten die Gebäudewirtschaft Büros unterhielt, hatten sich vor Jahren neue Bewohner einquartiert. Der Hausmeister der Stadtverwaltung, Toralf Köhler, entdeckte dort 1998 vier Kleine Hufeisennasen. „Damit begann es“, sagt Martin Biedermann von der Stiftung Fledermaus. „Jetzt leben hier 150 Alttiere.“

Bürgermeister: Natur- und Denkmalschutz beachten

Der Kahlaer Wohnungsgenossenschaft sei es zu verdanken, dass sich das Sommerquartier, in dem Weibchen ihre Wochenstube finden, so gut entwickelt habe. Vor Jahren schon wollte die Genossenschaft das Altgebäude abreißen, um Parkplätze für die Mieter des Vorderhauses in der Margarethenstraße zu schaffen. Bürgermeister Jan Schönfeld (parteilos) erinnert sich an die herausfordernden Bemühungen, Denkmal- und Naturschutz gleichzeitig zu beachten, denn das Gebäude ist Teil der Kahlaer Stadtmauer. Es war aber nicht mehr erhaltenswert, sagt Beatrice Marks von der Genossenschaft.

Die Kleine Hufeisennase besitzt in einem Hinterhof in der Kahlaer Altstadt ein Sommerquartier.
Die Kleine Hufeisennase besitzt in einem Hinterhof in der Kahlaer Altstadt ein Sommerquartier. © Martin Biedermann | Martin Biedermann

2018 gelang der Abriss mit gleichzeitigem Verbleib eines Gebäudeteils, in dessen Keller heute die Kleinen Hufeisennasen Unterschlupf finden. „Wenn die Sonne auf die Stadtmauer brutzelt, bekommen sie hier ihre Ruhe“, sagt Fledermaus-Experte Biedermann. 70 bis 80 Jungtiere würden dort Ende Juni, Anfang Juli geboren.

Eine weitere Plakette „Fledermausfreundlich“ geht an das Forstamt Jena-Holzland, die Leiter Bernhard Zeiss entgegennahm. Das Grüne Haus der Jagdanlage Rieseneck bei Hummelshain beherbergt seit Jahren Mopsfledermäuse, Kleine Hufeisennasen und Braune Langohren. Dafür musste nur der Dachboden geöffnet werden, „und das war nicht teuer“, sagt Zeiss. „Es ging um zwei, drei Bretter, die wir herausnehmen mussten.“ Das unkomplizierte Vorgehen gleicht für Zeiss dem Verhalten der Fledermäuse, „die sind arg chillig“.

Bernhard Zeiss, Leiter des Forstamtes Jena-Holzland nimmt die Plakette „Fledermausfreundlich“, vergeben von Minister Bernhard Stengele, Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz, entgegen. Das Forstamt hat im Grünen Haus an der Jagdanlage Rieseneck ein Refugium für Fledermäuse geschaffen.
Bernhard Zeiss, Leiter des Forstamtes Jena-Holzland nimmt die Plakette „Fledermausfreundlich“, vergeben von Minister Bernhard Stengele, Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz, entgegen. Das Forstamt hat im Grünen Haus an der Jagdanlage Rieseneck ein Refugium für Fledermäuse geschaffen. © Funkemedien Thüringen | Katja Dörn

Die Orte sind freilich nicht die einzigen Unterschlüpfe für Fledermäuse. Totholz im Forst dient als Lebensgrundlage und werde daher auch liegen gelassen, sagt Zeiss. Die Pirschgänge der Jagdanlage dienten zudem als Winterquartier. In Kahla ist beispielsweise der Turm der Stadtkirche St. Margarethen Wochenstube für das Große Mausohr und der Kaolin-Stollen beherbert die größte Population der Kleinen Hufeisennasen in Deutschland.

Engagement der Sielmanns Natur-Ranger

An vielen Orten sind die Sielmanns Natur-Ranger Jena/Saale-Holzland mit Horst Ertel ehrenamtlich aktiv. Die Mitglieder, darunter einige Kinder, säubern die Fledermaus-Quartiere und zählen die Population. „Sie kümmern sich ganz rührig“, sagt Biedermann. Umweltminister Stengele lobte das Engagement der Beteiligten. „Fledermäuse zu schützen, ist eine wertvolle Sache.“ Ohne die Vielfalt der Arten könne der Mensch nicht überleben.

Hinweise zu weiteren Fledermaus-freundlichen Orten nimmt die Stiftung entgegen: https://stiftung-fledermaus.de/aktion-fledermausfreundlich

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