Pößneck. Unser Autor über die verwaltungstechnische und kommunalpolitische Quälerei, die jedes Mal zu beobachten ist, wenn Kindergarten-Träger die Gebühren erhöhen

Grundsätzlich bin ich dagegen, dass die Arbeit anderer Leute gratis in Anspruch genommen werden kann. Da bin ich ganz bei Albert Einstein, der vor knapp 100 Jahren dem alten deutschen Sprichwort „Was nichts kostet, ist nichts wert“ zur weltweiten Geltung verhalf. Vor diesem Hintergrund habe ich die rot-rot-grünen Pläne zur Einführung des dritten elternbeitragsfreien Kindergartenjahres in Thüringen bei aller Nachvollziehbarkeit der pädagogischen und sozialen Ansätze mit einer gewissen Skepsis verfolgt, zumal auch die beitragspflichtige Betreuung zu mehr als 80 Prozent von der Allgemeinheit bezahlt wird.

Wenn ich aber am Beispiel der Stadt Pößneck mit ihren acht Kindergärten sehe, welche verwaltungstechnische und kommunalpolitische Quälerei das jedes Mal ist, wenn Kita-Träger ganz sicher nicht aus Jux die Gebühren erhöhen, und welche Unruhe da mitunter gestiftet wird, dann ist eine für die Eltern komplett kostenlose frühkindliche Bildung der beste Weg für alle Beteiligten. Diesem Bereich würde eine Entbürokratisierung mit großzügiger Vereinfachung des Abrechnungswesens gut tun, damit bei den Verantwortlichen mehr Zeit für inhaltliche Fragestellungen bleibt.

Reform und Reibung

Da denke ich auch an den Pößnecker Stadtrat, der sich am Donnerstagabend im Klein-Klein um zwanzig Euro mehr pro Monat überhaupt nicht mit der Qualität hinter den Elternbeiträgen beschäftigt hat. Wenn ich Erzieher wäre, würde mich das ärgern.

Marius Koity ist Redakteur in Pößneck und OTZ-Redaktionsleiter für den Saale-Orla-Kreis.
Marius Koity ist Redakteur in Pößneck und OTZ-Redaktionsleiter für den Saale-Orla-Kreis. © Zentrale | Peter Cissek

Das beste an der Diskussion war, dass Oliver Bernhardt (BfP) die Notwendigkeit struktureller Anpassungen in der breit aufgestellten Pößnecker Kindergartenlandschaft angesprochen hat. Dieser Faden sollte lieber früher als zu spät weitergesponnen werden, auch wenn da jeder Vorschlag zunächst nur Stress bedeuten könnte, denn Reformen ohne Reibung gibt es nicht. Reibung ist allerdings nicht immer schlecht.