Ranis. Gastwirt, Stadtbrandmeister, literarische Figur: Hubert Weiße hinterlässt in seiner Gemeinschaft eine große Lücke.

Die Raniser trauern um Hubert Weiße. Der Wirt des Gasthauses Zur Schmiede starb am Dienstag, 27. Februar, im Alter von 67 Jahren in seiner Heimatstadt.

Familie und Einwohner sind sehr betroffen. Hubert Weiße hinterlässt tiefe Spuren. Durch seine Mitarbeit in der Feuerwehr und in mehreren Vereinen hatte er sich großen Respekt erworben. In Erinnerung bleiben in erster Linie seine große Hilfsbereitschaft und seine Heimatverbundenheit.

Feuerwehrmann und Vereinsgründer

„Die Stadt Ranis und ihre Bürger verlieren mit dem Tod von Hubert Weiße einen der prägenden Menschen der letzten Jahrzehnte in unserer Stadt. Er war als Stadtbrandmeister maßgeblich für die Geschicke der Raniser Feuerwehr in fast 25 Jahren verantwortlich und gestaltete die Freiwillige Feuerwehr Ranis auch in der schwierigen Wendezeit entscheidend mit“, würdigt Bürgermeister Marcus Pavel (Freie Wähler) den Burgstädter. Pavels Fraktionskollege im Stadtrat Frank Sieber nennt Hubert Weiße „ein Raniser Urgestein“, und: „Ich bin sehr betroffen. Der Abschied ist vor allem auch deshalb für mich emotional, weil ich bei ihm mit meiner Frau Hochzeit gefeiert habe.“

Hubert Weiße und seine Küchencrew hatten sonntags immer gut zu tun. Seine Pferdefleischrouladen sind legendär. 
Hubert Weiße und seine Küchencrew hatten sonntags immer gut zu tun. Seine Pferdefleischrouladen sind legendär.  © Sophie Filipiak | Sophie Filipiak

Als Unternehmer war der Wirt Gründungsmitglied des heutigen Gewerbe- und Heimatvereins. Der langjährige Vorsitzende Reinhard Kirchner stand Hubert Weiße in den letzten Stunden vor seinem Tod zur Seite: „Hubert war immer von großer Einsatzbereitschaft geprägt. Krankheiten haben ihn nicht zurückgeworfen. Im Gegenteil, er war stets von Optimismus geprägt.“

Für fast jeden Spaß zu haben

Hubert Weiße war für fast jeden Spaß zu haben. Im Ritterfaschingsverein gehörte er dem Männerballett an. Legendär sind seine Auftritte als Neptun beim Bordfest.

Hubert Weiße (2. v. l.) als Neptun im Raniser Fasching.
Hubert Weiße (2. v. l.) als Neptun im Raniser Fasching. © OTZ | Mario Keim

Als Nachbar und Unternehmer organisierte er ab 1998 im zweijährigen Turnus das Winkelfest mit dem Charakter eines Straßenfestes. 2023 feierte er mit Familie und Stammkunden 125 Jahre Gasthaus zur Schmiede. Hubert Weißes Botschaft war immer: Hier feiern alt und jung, arm und reich gemeinsam unter einem Dach und rücken zusammen. Diesen Vision lebte er in allen Belangen.

Die Idee seines Bruders Bernd, 2009 die 1. Raniser Pflastertomate öffentlichkeitswirksam auszuweisen, begleitete Hubert Weiße gern.
Die Idee seines Bruders Bernd, 2009 die 1. Raniser Pflastertomate öffentlichkeitswirksam auszuweisen, begleitete Hubert Weiße gern. © OTZ | Mario Keim

Die Schmiede war zugleich ein wichtiger kultureller Treffpunkt in der Stadt. Dabei zählte der Gastwirt bis zuletzt auf zuverlässige Helfer. Stadtschreibergespräche, der von ihm mit veranstaltete Poetry Slam im Rahmen der Thüringer Literaturtage, Lesungen, Skatturniere, Musikabende, Vorträge, Stadtratssitzungen, Whiskyseminare, Public Viewing bei Fußballturnieren und vieles mehr fanden hier ebenso statt wie private Feierlichkeiten.

Ein magischer Anziehungspunkt

Dabei war die Literatur geradezu ein magischer Anziehungspunkt. Hier gaben sich die Akteure auf der Burg die Klinke in die Hand, hier kamen Besucher und Autoren ins Gespräch. Zu den bekanntesten Gästen zählten beispielsweise die Politiker Norbert Blüm und Heiner Geißler oder Autoren wie Harry Rowohlt und Matthias Biskupek. Hubert Weiße schaffte es auch zur literarischen Figur.

Seine Aktivitäten wurden gleichfalls in der Nachbarstadt Pößneck geschätzt. Dort war er Mitglied im Wirteverein. Der Vereinsvorsitzende Heiko Lehrmann blickt in Dankbarkeit zurück: „Hubert Weiße war sehr ehrlich und hilfsbereit, konnte aber auch jedem klar sagen, wenn ihm mal etwas nicht so passte. Er erfreute sich an den vermeintlich kleinen Dingen wie Wertschätzung und Anerkennung. Er brachte sich mit großer Bereitschaft in die Arbeit des Wirtevereins Pößneck ein.“