Rudolstadt. Jeder kann malen: Silke Wagner inspiriert in Rudolstadt mit Kursen und künstlerischer Freiheit

Im Handwerkerhof in Rudolstadt ist seit einiger Zeit ein neues Schild am Wegweiser befestigt – mit einer freundschaftlich klingenden Einladung: „Mal doch mal“. Die Rudolstädterin Silke Wagner ist mit ihrem Atelier in die Räumlichkeiten gezogen, in denen einst der Ukulelenbauer Tom Ziegenspeck seine Instrumente anfertigte, bevor er nach Leipzig zog. Die Späne und Bohrmaschinen sind verschwunden. Stattdessen stehen nun Pinsel mit den Borsten nach oben in runden Gefäßen, daneben Tuben mit einer breiten Auswahl an Acrylfarben. An den Wänden, auf Staffeleien und teils auch auf dem Boden stehen großformatige Keilrahmen mit farbenprächtigen, leuchtenden Motiven.

An einer Wand hängt ein etwas kleineres Bild, das – anders als die anderen Werke im Raum – einen Holzrahmen hat. „Das ist von meinem Großvater“, erzählt Silke Wagner. Den Duft seiner Ölfarben hat sie heute noch in der Nase, die sie schon beim Beschreiben des Geruchs rümpft. „Und sie trocknet so langsam“, dafür habe sie gar nicht die Geduld. Ein Bild habe sie noch, das sie selbst mit Ölfarben gemalt hat. Sie holt es heraus und liest vor, was auf der Rückseite steht. „Es ist von 1982 und zeigt Mellenbach-Glasbach.“

Der Wunsch nach diesen Räumen wurde intensiver

Von Ölfarben hat sie Abstand genommen. Viel zu schnell wollen alle Ideen und Gedanken auf die Leinwand gebracht werden. Mit Acryl, Kreide, Struktur und Spachtel.

Ihr Traum war schon immer einen Platz zu haben, wo sie malen und sich ausdrücken kann. In einer dunklen Zeit wurde der Wunsch größer und ihre Familie bestärkte sie in ihrem Vorhaben mehr denn je. Und nun: „Es ist Therapie für mich, es tut mir gut und ich kann anderen etwas Gutes tun – ich kann etwas zurückgeben, was ich gut kann.“

Kreatives Chaos im Atelier im Handwerkerhof.
Kreatives Chaos im Atelier im Handwerkerhof. © Dominique Lattich | Dominique Lattich

In Kursen ist es möglich, mit Silke Wagner gemeinsam zu malen. „Mein Motto ist: Jeder kann malen.“ Sie möchte Menschen dazu animieren, den Mut zu bekommen, sich künstlerisch auszudrücken. „Das ist die geilste Herausforderung: Wenn jemand sagt, dass er nicht malen kann“, sagt sie verschmitzt lächelnd. Sie ist der Meinung, dass Malen etwas Befreiendes hat. Nicht selten fließen sogar Tränen beim Kurs. Die Malerin selbst hat eine pädagogische und therapeutische Ausbildung. Und was ihr auch auffiel im vergangenen Jahr: „Es kommen auch fast nur Leute herein, die auch zu diesem Ort passen. Die zieht es regelrecht hier herein.“

Vorgegeben wird den Teilnehmern nichts, „jeder kann malen, was er möchte.“ Silke Wagner gibt nur Anregungen, Hilfestellungen und Tipps für Techniken. „Und die meisten Menschen gehen wirklich mutiger wieder heraus, als sie hereingekommen sind.“ Und auch mit ihr selbst macht es immer wieder etwas, wie sie beschreibt. Als „Mutmacher“ war sie unlängst auch als Gast bei der José Carreras Gala, wovon auch Bilder als Erinnerungen an der Wand im Atelier hängen.

Gemeinsam an einer Leinwand arbeiten - die höchste Form der Therapie

Sie scheint es zu genießen, wenn Menschen auch ihre Bilder betrachten und interpretieren – Dinge darin erkennen, die sie selbst nicht fand. Manchmal, räumt sie ein, geht sie auch planlos an ihre Leinwand heran. Und dann? „Dann mache ich einfach!“ Und oft, sagt sie, malt sie auch unordentlich.

Für sie und auch für ihre Kursteilnehmer kann die Malerei ein Weg sein, „den eigenen Gedanken zu entfliehen und sich selbst zu treffen. Hast du dich schon mal selbst getroffen?“ Mit der Malerin findet man schnell eine persönliche Ebene. Um wirklich gut und befreiend zu malen, müsse man sich lösen können. Das sei das Wichtigste. „Lösen muss man sich im Leben immer, von sämtlichen Dingen.“

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Besonders beliebt sind auch Kurse, in denen zwei Menschen zusammen an einem Bild malen – etwas, was sie auch schon mit einer Freundin gemacht hat. Das Ergebnis ist im Atelier zu sehen und daran zeigt sie auch, worauf es ankommt: „Man muss sich absprechen, Räume und Freiräume zulassen – es entsteht eine ganz besondere Dynamik.“ Mit einem anderen Menschen gemeinsam an einer Leinwand zu arbeiten, sei die höchste Form der Therapie.

Das Malen bringt Silke Wagner dazu, im Hier und Jetzt zu leben und den Moment zu genießen. Auf ihrem Flyer steht es deutlich: „Die Kunst ist es, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.“

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