Eigener Laden, eigenes Bistro: Ein Syrer in Rudolstadt

Rudolstadt  Arabisches Bistro öffnet in Rudolstadt: Inhaber meldet sich im Namen Geflüchteter zu Wort und lädt Thüringens Ministerpräsident ein

Amjad Shalgami (Mitte) eröffnet mit Yousef Mohamed und Bassam Alsaed in Rudolstadt ein arabisches Cafe. 

Amjad Shalgami (Mitte) eröffnet mit Yousef Mohamed und Bassam Alsaed in Rudolstadt ein arabisches Cafe. 

Foto: Heike Enzian

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In Rudolstadt lebende Flüchtlinge verfolgen das politische Geschehen in Stadt und Land. Jetzt haben sie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zu einem Besuch eingeladen. Darauf macht die Initiative „Neue Nachbarn Rudolstadt“ aufmerksam.

Amjad Shalgami kam im Herbst 2015 aus Syrien nach Rudolstadt. Mittlerweile ist es „seine“ Stadt geworden, sagt er. Er ist hier zu Hause, hat sein eigenes Geschäft gegründet, die deutsche Sprache gelernt und sich einen Freundeskreis aufgebaut. Er nimmt großen Anteil an den politischen Entwicklungen im Land Thüringen. „Dabei macht es mich wie andere Geflüchtete auch traurig, dass die Medien über das ,Flüchtlingsproblem‘ reden und damit Ängste bei den Wählern erzeugen“, sagt er. Umso stolzer macht es ihn, den Ministerpräsidenten am Nachmittag des 12. Oktober begrüßen zu können.

Seit 2017 betreibt Amjad Shalgami einen Laden mit Lebensmitteln und orientalischen Waren. Diese Woche eröffnete er ein Bistro, das zwei Landsleuten von ihm eine berufliche Alternative eröffnen und den Rudolstädtern die syrische Küche näher soll. „Ich habe für all das Geschaffene hart gearbeitet, aber auch sehr große Unterstützung von Freunden aus der Initiative Neue Nachbarn erhalten. Leider erleben meine Freunde und ich immer wieder Ablehnung von Deutschen. Viele denken, ich habe das Geschäft und das Bistro vom Staat geschenkt bekommen. Und oft hören wir schlimme rassistische Sprüche. Deshalb habe ich Freunde eingeladen, die wie ich in den letzten Jahren aus ihren Heimatländern Afghanistan und Syrien geflüchtet sind, mittlerweile in unserem Landkreis auch beruflich Fuß gefasst haben und ihren Lebensunterhalt verdienen. Meine Freunde stehen beispielhaft für viele andere, auch für diejenigen, die sofort arbeiten möchten, wenn sich nur eine Möglichkeit dafür ergebe“, so Amjad.

Er berichtet von Landsleuten, denen es viel schwerer fällt, die deutsche Sprache zu lernen als ihm und die sich nun schon seit Jahren in Integrationskursen mit wenig Erfolg um eine Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse bemühen. „Nach meiner Erfahrung ist es für die schnelle Integration um ein Vielfaches besser, wenn neben dem Unterricht der direkte Kontakt mit Deutschen bei Arbeit oder Praktika verpflichtend wäre“, findet er. Heute möchten Amjad und seine Freunde danke sagen für Menschen und Institutionen, die ihnen beim Neustart zur Seite gestanden haben.

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