Rainald Grebe singt in Paulinzella über die Sehnsucht nach Albanien

Paulinzella  Rainald Grebe bringt zum Kulturfestival am 24. August an der Klosterruine Paulinzella seine brandneue CD mit.

Der Musiker und Kabarettist Rainald Grebe.

Der Musiker und Kabarettist Rainald Grebe.

Foto: Stephanie Pilick/dpa/ Archiv

Rainald Grebe, Liederkabarettist, bekennender West-Ost-Indianer und Urheber der beliebten Thüringen-Hymne, schaut von Zeit zu Zeit gern in seiner Wahlheimat vorbei. Schließlich hat er seine wildesten Jahre am Theaterhaus Jena auf der Kneipenbühne genossen. Am Samstag, 24. August, wird er beim 15. Paulinzella-Kulturfestival sein Wigwam auf der Wiese neben der Klosterruine im ostthüringischen Rottenbach aufschlagen, gemeinsam mit der Kapelle der Versöhnung. Klar, dass dann neben vielen Klassikern und schrägen Volksliedern auch brandneue Songs im Köcher sind.

Man kennt sie ja bereits von seinen letzten Auftritten: Grebes Sehnsucht nach Albanien. Doch im Zuge der Globalisierung ist sie derart gewachsen, dass sie nunmehr ein ganzes Album füllt (Albanien, Versöhnungsrecords, CD 15,99 Euro). In einer Welt, in der alle Englisch sprächen, rastlos hin und herdüsten, Sevilla wie Nottingham aussehe und überall H & M angeboten würde, kenne man sich nicht mehr aus, singt er. „Aber Albanien Albanien / in Albanien ist alles beim alten / in Albanien ist es wie es war / in Albanien ist alles wie früher / und das ist wunderbar.“

Auch Rainald Grebe kommt nach Paulinzella – Das Programm des Kulturfestivals 2019

Vorgetragen im bewährten Grebe-Duktus, einer Melange aus Empathie, Spott und Selbstironie, und gewürzt mit einem Schuss Sarkasmus, trifft es nicht nur den Zeitgeist, sondern wird auch zum Sinnbild gefühlter Ohnmacht und Entfremdung. In Albanien, singt er, drehe man die Schildkröten auf den Rücken und lache sie aus. So etwa fühle er sich manchmal selber, verrät der Sänger, als zappelnde Schildkröte, die nicht mehr auf die Beine kommt.

Warum, das erfährt man auch aus den anderen 16 Songs, die in schrägen und zuweilen schrillen Tönen heutiges Lebensgefühl transportieren. Die Themen: Klima, Tourismus, Volk, Deutschsein, Fitness, Alter und – als bodenständiger Gegenentwurf zur Globalisierung – „die Region, die Region“. Sie war kurz weg und ist nun wieder da – mit allem, was dazu gehört: „regionale Frauen mit regionalen Frisuren“, „regionale Bauern mit regionalen Sorgen“. Die Region tanzt beinahe im Reggae-Rhythmus, mit Toast, doch ohne Ananas, und fröhlichem Shalalalala.

Das Album umfasst Songs aus fünf Jahren, und das Beste an dieser neuen Platte ist, dass sie mit soundmächtiger Unterstützung durch die Band den Hörer frisch, frech und rockig hineinzieht in Grebes kabarettistische Weltanschauung, in der Intoleranz, Völkerhass und populistische Verklärungen keinen Quadratmillimeter Raum bekommen.

Rainald Grebe & Kapelle der Versöhnung: Samstag, 24. August, 20 Uhr, Klosterruine Paulinzella

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