Tränen, Grusel, große Gefühle: 20 Jahre Cineplex Rudolstadt

Rudolstadt  Seit 20 Jahren gibt es das Cineplex Rudolstadt. Es ist weit mehr als eine Abspielstätte für Filme

Die Deutschlandpremiere des Schillerfilms „Die geliebten Schwestern" vor fünf Jahren war der erfolgreichste Tag in 20 Jahren Cineplex Rudolstadt. Nach dem Empfang des Filmteams auf dem roten Teppich sahen in sechs vollen Sälen über 800 Leute gleichzeitig den Streifen.

Die Deutschlandpremiere des Schillerfilms „Die geliebten Schwestern" vor fünf Jahren war der erfolgreichste Tag in 20 Jahren Cineplex Rudolstadt. Nach dem Empfang des Filmteams auf dem roten Teppich sahen in sechs vollen Sälen über 800 Leute gleichzeitig den Streifen.

Foto: cineplex

Natürlich kann er sich noch an seinen Arbeitstag erinnern. Es war der 1. November 2000, das Cineplex in Rudolstadt schickte sich an, seinen ersten Geburtstag zu feiern und Achim Möller wurde neuer Kinoleiter. Das blieb der gelernte Fernsehtechniker bis heute. 19 Jahre Tränen, Grusel und große Gefühle auf der Leinwand – Zeit für ein Gespräch.

Herr Möller, wie sind Sie zu Ihrem Job gekommen?

Ganz klassisch. Ich war 40 und wollte im Leben noch mal etwas anderes machen. Da las ich die Stellenanzeige in der OTZ. Ein paar Wochen später war ich zum Einarbeiten in Bayreuth.

Wie wurden sie aufgenommen?

Ich kam in ein hochmotiviertes und eingeschworenes Team, das in einem neuen, modernen Haus arbeiten durfte. Die Rudolstädter freuten sich über ihr Kino, das auf dem Gelände der alten Schillerschule entstanden war, und rannten uns die Bude ein.

Wie viele Mitarbeiter der ersten Stunde sind noch an Bord?

Einige. Mit dem Reinigungsteam sind wir acht Festangestellte. Dazu kommen in Saalfeld und Rudolstadt noch mal rund 30 Pauschalkräfte auf 460-Euro-Basis.

Hat sich das Publikum im Laufe der Jahre geändert?

Im Grunde nicht. Kino ist vor allem attraktiv für die Altersgruppe zwischen 14 und 25. Die kamen damals und sie kommen noch heute. Geändert hat sich das Mediennutzungsverhalten insgesamt. Als ich anfing, gab es flächendeckendes, schnelles Internet, Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime und Video on demand noch nicht. Und die Jungen hockten noch nicht stundenlang vor ihren Spielkonsolen. Früher gab es Kino, Theater, vielleicht noch Schwimmbad. Heute ist das Freizeitangebot viel größer.

Wie steuern Sie dagegen?

Indem das Kino weit mehr ist, als eine Abspielstätte für Filme. Wir übertragen inzwischen Opern aus den großen Sälen, Rockkonzerte, Fußballspiele bei Welt- und Europameisterschaften. Es gibt Schulkinowochen, den Kinozauber der Inner-Wheel-Frauen, Selbsthilfegruppentag, Lungentag.

Viele Filme werden durch Marketingaktionen begleitet. Wir hatten schon Esel im Foyer, einen Boxring, Rennautos.

Was hat sich im Gebäude verändert?

Die Grundstruktur mit den sechs Kinosälen ist geblieben. Allerdings haben wir in den zwei Jahrzehnten zweimal die Sitze komplett durchgewechselt. Die neuen Leder-Premiumsitze brauchen jedoch mehr Platz als ihre Vorgänger. Deshalb hat sich die Kapazität von anfangs 839 auf aktuell 767 Plätze reduziert. Das ist der Preis für die Annehmlichkeit.

Welche Filme haben die Rudolstädter besonders ins Kino gelockt?

Sämtliche Harry-Potter- und Herr-der-Ringe-Filme. Auch „Avatar“, den wir 2009 als ersten Film in 3D gezeigt haben, lief super. Unter den deutschen Produktionen war „Der Schuh des Manitu“ der Hit. Der lief bei uns 25 Wochen. In diesem Jahr hoffen wir noch auf „Terminator: Dark Fate“, „Die Eiskönigin 2“ und „Star Wars 9“.

Gab es in den 19 Jahren so etwas wie das schönste Erlebnis?

Es gab viele schöne Momente. Spaß macht die Arbeit immer dann, wenn man erlebt, wie das Publikum bei einem Film mitgeht, Emotionen zeigt. Ich mag den direkten Kontakt mit unseren Besuchern, beispielsweise im Film-Cafe.

Unser Highlight war sicher die Premiere des Schillerfilms „Die geliebten Schwestern“ im Jahr 2014. Damals waren über 800 Menschen gleichzeitig im Kino.

Sehen Sie selber gern Filme?

Ja, immer noch und immer wieder. Ich sehe mir Filme häufig durch die Vorführerscheibe an, einfach um zu wissen, wie sie gemacht sind. Filme, die mich interessieren, gut gemachte Krimis beispielsweise oder unlängst den Queen-Film „Bohemian Rhapsody“ gucke ich mir privat im Kino an. Ich gehe sogar im Urlaub ins Kino – vor allem um zu sehen, was andere anders machen.

Ein eher trauriges Kapitel ist das Bistro im Cineplex, das nun schon wieder anderthalb Jahre geschlossen ist. Woran liegt es?

Wenn wir das wüssten. Wir hatten fünf Betreiber in 20 Jahren. Der erste war schon wieder weg, als ich kam. Wenn jemand ein pfiffiges Konzept hat, kann er sich gern bei uns melden.

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