Bis zu 5000 schädliche Stoffe im Brandrauch: Kreislehrgang für künftige Atemschutzgeräteträger in Triptis

Triptis.  Am Wochenende hat ein neuer Kreislehrgang im Triptiser Feuerwehrgerätehaus begonnen. Ziel sei es, Einsatzkräfte als Atemschutzgeräteträger auszubilden

Während der Gewöhnungsübungen mussten die Kursteilnehmer auch Liegestützen unter Verwendung des Atemschutzgerätes machen.

Während der Gewöhnungsübungen mussten die Kursteilnehmer auch Liegestützen unter Verwendung des Atemschutzgerätes machen.

Foto: Uwe Eitner

Ob Feuer, Chemieunfall oder ein Einsatz in Gruben – wenn die Gefahr für Leib und Leben aufgrund von Gasen und einatembaren Giften besteht, müssen die Einsatzkräfte der Feuerwehren unter schwerem Atemschutz die Gefahrensituationen bereinigen. Damit die Feuerwehren im Saale-Orla-Kreis demnächst auf mehr dieser speziell ausgebildeten Einsatzkräfte im Ernstfall zurückgreifen können, begann am Wochenende die Kreisausbildung für künftige Atemschutzgeräteträger.

Eine Vielzahl von Gefahren

„Jede Freiwillige Feuerwehr merkt, dass es zu wenige Atemschutzgeräteträger gibt, deshalb sind wir froh, wieder neue Ausbilden zu können“, sagte der Triptiser Stadtbrandmeister und Atemschutzausbilder Uwe Eitner bei der Begrüßung der 18 Lehrgangsteilnehmer am Freitagabend im Triptiser Feuerwehrgerätehaus. Die angehenden Atemschutzgeräteträger kommen von den Feuerwehren aus Triptis, Schleiz, Neustadt, Peuschen und Auma-Weidatal sowie deren Ortsteilwehren.

Den Anfang des mehrwöchigen Ausbildungslehrgangs machte der Sicherheitsbeauftragte der Stützpunktfeuerwehr Triptis, Steffen Winkler, mit den Unfallverhütungsvorschriften. Um die Lehrgangsteilnehmer zu sensibilisieren, veranschaulichte der Ordnungsamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Triptis anhand von Beispielen, dass auch immer wieder Atemschutzgeräteträger im Einsatz schwer verletzt werden oder gar ums Leben kommen. Beispielsweise beim Einsturz brennender Decken oder auch durch defekte oder verschlissene Ausrüstung. „Die Vielzahl von Gefahren, die auf euch unter Atemschutz auftreten können, sind enorm“, mahnte Uwe Eitner im Anschluss auf den Vortrag seines Sicherheitsbeauftragten an.

Pressluftversorgung bei Löschangriff unverzichtbar

Am Folgetag referierte am Morgen der Atemschutzgerätewart der Triptiser Stützpunktfeuerwehr, Michael Neumeister. Bereits seit 33 Jahren ist er Mitglied der Feuerwehr und mittlerweile als Brandschutzingenieur im Brandenburger Innenministerium tätig. Um in den Themenbereich Atemgifte, Schadstoffe und Sauerstoffmangel einzuführen, machte er mit den Lehrgangsteilnehmern eine Abstecher in die grundlegende Biologie der Atmung des Menschen. „Bei einem Brand entstehen bis zu 5000 schädliche Stoffe, viele davon sind Zwischenprodukte, die bei der Verbrennung unterschiedlicher Materialien entstehen“, schärfte er ein. Da mit den kleinen Messgeräten der Feuerwehren in der Regel nur bestimmte Atemgiftkonzentrationen, wie zum Beispiel Kohlenstoffmonoxid oder Kohlenstoffdioxid, gemessen werden kann, sei die Pressluftversorgung bei einem Löschangriff im Brandbereich unverzichtbar.

Die unterschiedlichen Arten von Atemschutz, die in Feuerwehren Verwendung finden, stellte er im Anschluss vor. Angefangen von Mund- und Nasenschutzmasken der Schutzklassen FFP-2 und FFP-3, die selbst sehr effektiv kleinste Viren wie das Coronavirus aufhalten können, über Gesichtsvollmasken mit anschraubbaren Filtern, die neben dem FFP-3-Schutz auch viele Schadstoffe herausfiltern können, bis hin zu den umluftunabhängigen Pressluftatmern, die an eine Vollmaske angeschlossen werden. Bei den Pressluftatmern tragen die Einsatzkräfte eine oder zwei Druckluftflaschen in einem Tragegeschirr auf dem Rücken.

1600 Liter Luft reichen für rund 30 Minuten

Rund 1600 Liter Luft befindet sich in den Flaschen.

Das reiche in der Regel für rund 30 Minuten Feuerwehrarbeit unter Atemschutz. Um ein solches Gerät tragen zu dürfen, müssen die Träger sowohl psychologisch als auch körperlich fit sein. Und nur, wer einen Belastungstest bei einem speziellen Facharzt besteht, darf einen Pressluftatmer tragen. Denn das Atmen an sich, wird unter der Maske schwieriger. Darüber hinaus kann die Atemschutzausrüstung bis zu 18 Kilogramm wiegen.

Überdrucksystem hat sich bewährt

„Wir stellen alle Wehren im Kreis auf Überdruckmasken um“, erklärte Neumeister. In diese Masken wird permanent Druckluft abgegeben – mit einem Überdruck von etwa fünf Millibar. Dadurch wird dem Atemschutzträger das Einatmen erleichtert, das Ausatmen jedoch erschwert. Ein großer Vorteil an dieser Technik ist, dass durch den geringen Überdruck keine Rauchgase bei einer undichten Maske eindringen können. Allerdings verliert der Atemschutzträger bei einer undichten Maske dafür schnell viel Luft aus seinen Flaschen. Trotzdem hat sich das Überdrucksystem gegenüber dem zuvor genutztem Normaldrucksystem, bei dem das Einatmen erschwert war, aber Rauchgase in eine undichte Maske eindringen konnten, im Aspekt des Gesundheitsschutzes bewährt.

Taktisches Verhalten unter Atemschutz

Nach einem kurzen Mittagspause mit Verköstigung der Lehrgangsteilnehmer ging es an das Thema Einsatzgrundsätze und das taktische Verhalten unter Atemschutz im Einsatz und bei Übungen. Im Anschluss stand eine Gewöhnungsübung an. Dafür versammelten sich alle Lehrgangsteilnehmer in der Fahrzeughalle. Jeweils als Zwei-Mann-Trupp wurden dann unter Anweisung die Atemschutzgeräte angelegt und die Pressluftflaschen angeschlossen. Dann ging es durch einen kleinen, improvisierten Parcous durch die Fahrzeughalle und für ein paar Liegestützen, einen Spaziergang unter schwerem Atemschutz und ein paar weiteren Liegestützen zum Abschluss nach draußen. Bei dieser etwa 20-minütigen Gewöhnungsübung verbrauchten die einzelnen Teilnehmer bis zu 800 Liter Luft, was etwa 40 Liter Luft pro Minute entspricht.

In einem ersten Fazit zeigt sich Stadtbrandmeister Uwe Eitner über den Lehrgang erfreut. „Die Kameradinnen und Kameraden haben sehr gut mitgearbeitet, waren stets aufmerksam und haben vorbildliche Leistungen gezeigt“, sagte er.